Wiederaufbau im Ahrtal: Was fünf Jahre nach der Flut fehlt
- Bagger rollen für die Gewässerwiederherstellung an der Ahr.
- Foto: Thomas Frey/dpa
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Ahrtal. Für Menschen in der Region ist fünf Jahre nach der Flut vor allem entscheidend, wie weit Straßen, Schulen, Brücken und Kliniken wieder nutzbar sind. Im Ahrtal ist vieles instand gesetzt, doch der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen.
In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 starben bei der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz mindestens 136 Menschen. Im Ahrtal galten rund 42.000 Menschen als betroffen. Mehr als 9.000 Gebäude wurden zerstört.
Brücken: Viele Bauwerke stehen wieder, weitere sind in Arbeit
Nach Angaben des Bauministeriums wurden rund 30 Brücken im klassifizierten Straßennetz substanziell beschädigt und zehn komplett zerstört. Fünf Jahre später sind 14 dieser Brücken baulich wiederhergestellt. Die Baukosten dafür liegen bei rund 15,7 Millionen Euro.
Weitere neun Brücken werden derzeit geplant oder gebaut. Hinzu kommen zahlreiche kommunale Brücken, zu denen die Kommunen nicht berichten mussten. Als Beispiel nennt das Ministerium die Heppinger Brücke in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Sie wurde mit rund 6,9 Millionen Euro aus dem Aufbauhilfefonds fertiggestellt.
Kirchen: Fördermittel für 18 Gebäude bewilligt
Auch Gebäude der katholischen und evangelischen Kirche wurden beschädigt. Für 18 Kirchengebäude wurden Anträge auf Wiederaufbauförderung bewilligt. Bis Sonntag, 1. Juni, wurden laut Ministerium Fördermittel von rund 11,1 Millionen Euro zugesagt.
Schulen: Zwei Standorte fertig, viele Projekte laufen noch
Im Landkreis Ahrweiler waren 17 Schulen betroffen. Bei zwei Schulen ist der Wiederaufbau abgeschlossen: bei der Grundschule Antweiler und der Grundschule Ahrbrück.
Zwölf weitere Schulen werden aktuell saniert. Dazu zählt das Peter-Joerres-Gymnasium in Bad Neuenahr-Ahrweiler, das fast fertig ist. Voraussichtlich noch in diesem Jahr sollen auch die Erich-Kästner-Realschule plus in Bad Neuenahr-Ahrweiler und die Barbarossaschule in Sinzig fertig werden. Für drei Schulen ist ein Ersatzneubau vorgesehen.
Eine abschließende Kostensumme nennt das Ministerium noch nicht. Nach derzeitigen Schätzungen dürfte der Wiederaufbau der Schulen mehr als 200 Millionen Euro kosten.
Straßen: Mehrere wichtige Abschnitte dauerhaft hergestellt
Bei Landes- und Bundesstraßen wurden nach Ministeriumsangaben mehrere Streckenabschnitte dauerhaft wiederhergestellt:
- B257 Ortsumgehung Hönningen: 1,1 Millionen Euro
- B267 am Ostportal des Tunnels Altenahr: 2,4 Millionen Euro
- L76 von Kreuzberg bis zur L77 mit Ortsdurchfahrt Binzenbach: 6 Millionen Euro
- L77 von der L76 bis zur Landesgrenze mit Ortsdurchfahrt Kirchsahr: 2,5 Millionen Euro
- B267 Ortsdurchfahrt Reimerzhoven: 1 Million Euro
Bahn: Wiederaufbau nach Angaben der Deutschen Bahn abgeschlossen
Kurz nach der Flut hatte die Deutsche Bahn die Schäden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auf rund 1,4 Milliarden Euro geschätzt. Betroffen waren demnach rund 600 Kilometer Schiene, 50 Brücken, 40 Stellwerke, 180 Bahnübergänge und mehr als 100 Bahnhöfe.
Heute teilt die Bahn mit, der Wiederaufbau nach der Flut sei abgeschlossen. Das betrifft die Ahrstrecke, die Eifelstrecke, die Erftalbahn, die Volmetalbahn und die Voreifelbahn.
Auf der besonders schwer beschädigten Ahrtalbahn zwischen Remagen und Ahrbrück wurden auf 29 Kilometern unter anderem 18 Kilometer Gleise, 22 Brücken, fünf Tunnel und zehn Stationen wiederhergestellt.
Krankenhäuser: Die meisten Häuser wieder voll in Betrieb
Die Flut beschädigte nach Ministeriumsangaben fünf Krankenhäuser und drei Rehakliniken. Ein Krankenhaus und eine Rehaklinik konnten nach kurzer Unterbrechung wieder in Betrieb gehen. Der Träger des Krankenhauses Trier-Ehrang entschied sich dagegen für eine Schließung.
Aktuell befinden sich laut Ministerium zwei Krankenhäuser im Teilbetrieb, weil noch nicht alle Gebäudeteile wiederaufgebaut sind. Die übrigen Häuser arbeiten wieder vollständig. Bis Sonntag, 1. Juni, wurden Aufbauhilfen von rund 141,3 Millionen Euro für betroffene Kliniken bewilligt.
Kommunen: Die meisten Anträge bereits bewilligt
Der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion lagen Ende Juni rund 2.600 Förderanträge für die allgemeine kommunale Infrastruktur vor, also etwa für Straßen, Wege, Plätze und Schulen. Rund 73 Prozent der Anträge mit einem Volumen von knapp 1,3 Milliarden Euro sind bereits bewilligt.
Fünf Jahre nach der Katastrophe zeigt sich damit ein gemischtes Bild: Auf Schienen rollt der Verkehr wieder, viele Brücken, Schulen und kommunale Projekte sind aber weiter Baustellen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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