Ulm: Deutscher sitzt nach Türkei-Reise in Ankara im Gefängnis

Der Ulmer sitzt in der Türkei in Haft. | Foto: Familie Soylu/dpa
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Ulm. Angehörige deutscher Staatsbürger können im Ausland konsularische Hilfe bekommen, doch Entscheidungen über Haft liegen beim jeweiligen Staat – in Ulm hofft eine Familie auf die Freilassung eines 46-Jährigen in der Türkei. Ferdi Soylu sitzt nach Angaben seines Anwalts in einem Gefängnis in Ankara. Der Vorwurf lautet auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Für die Familie ist vor allem die Ungewissheit schwer auszuhalten. „Wir hoffen, dass er schnell freigelassen wird“, sagte sein Bruder Sebahattin Soylu. Zuvor hatte die „Südwest Presse“ über den Fall berichtet.

Soylu war am 8. August mit seiner Familie auf dem Landweg in die Türkei eingereist. Nach Angaben seines Bruders wurde ihm an der Grenze mitgeteilt, dass er sich wegen eines gegen ihn bestehenden Vorwurfs innerhalb einer Woche bei der Staatsanwaltschaft in Ankara melden müsse. Dass er zunächst weiterreisen durfte, habe die Familie beruhigt.

Am 14. August sei der Ulmer nach Ankara gefahren und habe sich dort persönlich bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Im Beisein seines Anwalts habe er ausgesagt. Danach habe die Familie erfahren, dass er inhaftiert worden sei. Sein Bruder sprach von einem schweren Schock.

Vorwurf bezieht sich auf Zeit vor mehr als zehn Jahren

Nach Angaben des Anwalts geht es um den Vorwurf, Soylu sei vor mehr als zehn Jahren Mitglied des Ulmer Vereins „Feza“ gewesen. Die türkischen Behörden gehen demnach davon aus, dass der Verein Verbindungen zur Gülen-Bewegung hatte. Diese wird in der Türkei als terroristische Organisation eingestuft.

Die türkische Regierung macht Fethullah Gülen und seine Anhänger für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich. Für die Familie ist der Vorwurf nicht nachvollziehbar. Es habe lediglich einen Bezug zu dem Ulmer Verein gegeben, weil eine Tochter dort vor Jahren Nachhilfe bekommen habe, sagte der Bruder.

Ferdi Soylu lebt nach Angaben der Familie seit rund 25 Jahren in Deutschland und ist seit mehr als zehn Jahren deutscher Staatsbürger. Er arbeitet als Ingenieur bei einem IT-Unternehmen in Ulm. Nach Angaben seines Bruders sei er bislang weder in Deutschland noch in der Türkei mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Familie war zu einem Besuch in Bursa unterwegs

Der 46-Jährige war demnach mit seiner Frau und den vier Töchtern zu einem Besuch bei den Eltern in Bursa gereist. In den vergangenen drei oder vier Jahren habe er die Türkei mehrfach besucht, ohne Probleme zu bekommen. Die letzte Reise habe im November stattgefunden.

Nach der Inhaftierung blieb die Familie zunächst noch etwa eine Woche in der Türkei. Sie habe nicht gewusst, ob die Angehörigen das Land problemlos verlassen könnten, sagte Sebahattin Soylu. Schließlich seien die Frau und die vier Töchter nach Deutschland zurückgereist. Die Rückreise habe 40 Stunden gedauert.

Auswärtiges Amt kennt den Fall

Ferdi Soylu habe inzwischen Besuch von seiner in der Türkei lebenden Schwester im Gefängnis bekommen. Gesundheitlich gehe es ihm den Umständen entsprechend gut. Die ersten Tage seien aber sehr schwer gewesen. Zunächst habe er drei Tage allein in einer Zelle verbracht, danach sei er mit anderen Gefangenen untergebracht worden, gegen die ähnliche Vorwürfe erhoben würden.

Der Anwalt hat nach eigenen Angaben Einspruch gegen die Inhaftierung eingelegt. Eine Entscheidung der zuständigen Justizbehörden steht nach Angaben der Familie noch aus. Sebahattin Soylu sagte, er habe Organisationen angeschrieben, Abgeordnete um Unterstützung gebeten und versucht, Aufmerksamkeit auf den Fall zu lenken.

Das Auswärtige Amt kennt den Fall und betreut den Mann konsularisch, wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilte. Wegen Datenschutzes und Persönlichkeitsrechten des Betroffenen machte sie keine weiteren Angaben.

Für deutsche Staatsbürger in Haft im Ausland gilt nach Angaben des Auswärtigen Amts:

  • Die zuständige deutsche Auslandsvertretung kann auf Wunsch konsularisch betreuen.
  • Besuche im Gefängnis sind möglich, wenn der Haftstaat sie genehmigt.
  • Wie schnell und wie häufig Besuche möglich sind, hängt vom Einzelfall und den Bedingungen vor Ort ab.

Noch keine Anklage erhoben

Nach Angaben der Familie gab es bisher zwei Anrufe von der Behörde. Dabei sei es nur um Personalien gegangen. Die Angehörigen wünschen sich mehr Hilfe und auch einen Anruf beim Inhaftierten selbst, damit er erfahre, dass sich seine Familie für ihn einsetzt.

Nach Angaben des Anwalts wurde bislang keine Anklageschrift erstellt. Über den Einspruch gegen den Haftbefehl sei noch nicht entschieden worden. „Mehr als warten geht gerade nicht“, sagte Sebahattin Soylu. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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