Rollator statt Gefängnisalltag: So leben pflegebedürftige Häftlinge in der JVA Wittlich

Im Gefängniskrankenhaus in Wittlich gibt es auch Pflege-Hafträume. (Archivbild) | Foto: Harald Tittel/dpa
  • Im Gefängniskrankenhaus in Wittlich gibt es auch Pflege-Hafträume. (Archivbild)
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Wittlich. Wer im Alter oder mit Pflegebedarf in Rheinland-Pfalz in Haft kommt, findet nur wenige speziell ausgestattete Plätze – die zentrale Pflegeabteilung liegt in der JVA Wittlich. Der Fall eines 81 Jahre alten Angeklagten vor dem Landgericht Koblenz zeigt, wie stark der Strafvollzug auf ältere Gefangene reagieren muss.

Mehr als 30 Jahre nach der Ermordung der US-amerikanischen Touristin Amy Lopez steht der Deutsche wegen Mordes vor Gericht. Für Freitag, 28. August, wird in Koblenz ein Urteil erwartet. Der Mann hat die Tat gestanden. Er war Ende Februar in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in Wittlich. Zum Prozessauftakt erschien er mit Rollator.

Pflegeabteilung ist voll belegt

Anfang des Jahres wurde in der JVA Wittlich eine neue Pflegeabteilung des Landes eröffnet. Sie ist nach Angaben von JVA-Leiter Jörn Patzak für Gefangene aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland zuständig und derzeit mit fünf Gefangenen voll belegt. Es gebe regelmäßig Anfragen aus anderen Anstalten.

Nach ärztlicher und vollzuglicher Prüfung würden Gefangene über eine Warteliste aufgenommen, sobald Plätze frei werden, sagte Patzak. Die Abteilung ist grundsätzlich für Menschen mit Pflegegraden ausgelegt.

Was die besonderen Hafträume bieten

Die Ausstattung unterscheidet sich deutlich von einem normalen Haftraum. Dort gibt es laut JVA keine Dusche, sondern nur ein Waschbecken mit kaltem Wasser. Außerdem sei ein üblicher Haftraum zu klein, um sich darin mit einem Rollstuhl bewegen zu können.

  • größere Räume für mehr Bewegungsfläche
  • Pflegebetten und barrierefreie Badezimmer
  • Alarmknopf für Notfälle
  • Gemeinschaftsküche auf der Abteilung

Auf dem Gefängnisgelände in Wittlich gibt es im Justizvollzugskrankenhaus zudem vier weitere Pflege-Hafträume für Menschen mit hohen Pflegegraden. Wegen einer Entlassung ist dort aktuell ein Platz frei. Dieser solle über die Warteliste umgehend wieder belegt werden.

Mehr ältere Gefangene erhöhen den Aufwand

Der demografische Wandel erreicht auch den Strafvollzug. In der JVA Wittlich sind derzeit knapp 600 Gefangene untergebracht. Zwei von ihnen sind älter als 80 Jahre, beide befinden sich auf der Pflegeabteilung.

In allen rheinland-pfälzischen Gefängnissen sitzen nach Angaben des Justizministeriums sechs Personen im Alter von 80 Jahren oder älter. Es handelt sich ausschließlich um Männer im Alter von 80, 81, 81, 82, 83 und 86 Jahren.

Ein hohes Alter bedeute aber nicht automatisch, dass eine besondere Unterbringung nötig sei, erklärte das Ministerium. Entscheidend bleibe die individuelle Situation und Bedarfslage. Auch eine gemeinsame Unterbringung mit anderen älteren Gefangenen werde nicht immer gewünscht.

Personal bleibt ein Problem

Ältere Menschen hätten häufiger Gebrechen oder Krankheitsbilder, sagte René Müller, Bundesvorsitzender des Bunds der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands. Kritischer werde es bei pflegebedürftigen Gefangenen, weil in den Vollzugsanstalten medizinisches Personal fehle.

Wenn Inhaftierte sich nur noch schlecht oder gar nicht allein fortbewegen könnten, steige der Betreuungsaufwand. Behandlungen müssten teils in auswärtigen Krankenhäusern stattfinden. Dafür werde zusätzliches Personal für Ausführungen gebraucht.

Besondere Schulungen für den Umgang mit pflegebedürftigen Häftlingen gebe es nach Müllers Angaben nicht. Die Beamten könnten das angesichts des bestehenden Personalmangels kaum leisten. Außer Wittlich sei ihm keine JVA bekannt, die entsprechend vorbereitet sei.

Auch Diez bereitet ein Konzept vor

Neben Wittlich soll in der JVA Diez ein Konzept für ältere Gefangene im bestehenden Behandlungsflügel umgesetzt werden. Bei Umbauten in Justizvollzugsanstalten würden die Belange älterer Menschen berücksichtigt, vor allem die Barrierefreiheit.

Für die Abteilungen wurden laut Justizministerium zusätzliche Stellen geschaffen. In Wittlich betrifft das den Sozialdienst, den psychologischen Dienst, Altenpflegekräfte sowie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. In Diez geht es um zusätzliche Stellen im Sozialdienst und im psychologischen Dienst. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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