Neue F-35 in Büchel: Was der Kampfjet für die Eifel bedeutet
- Verteidigungsminister Boris Pistorius vor der F-35
- Foto: Kay Nietfeld/dpa
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Fort Worth/Büchel. Der geplante Einsatz von F-35-Kampfjets wird den Militärflugplatz Büchel in der Eifel stark verändern. Verteidigungsminister Boris Pistorius sieht in der Einführung der neuen Maschinen eine zentrale Stärkung der Abschreckung gegenüber Russland.
Bei der Präsentation der ersten von 35 bestellten Maschinen im texanischen Fort Worth sprach Pistorius von einer „neuen Ära” für die Luftwaffe. Die F-35 A sei das modernste Kampfflugzeug der Welt und verfüge als Kampfjet der fünften Generation über Tarnkappenfähigkeit. Die Bundesregierung gibt für die Beschaffung rund zehn Milliarden Euro aus.
Warum die F-35 für Deutschland wichtig ist
Die F-35 soll die in die Jahre gekommene Tornado-Flotte ersetzen. Besonders wichtig ist sie für die nukleare Teilhabe Deutschlands innerhalb der Nato. Dabei stellen Bündnispartner Fähigkeiten bereit, mit denen US-Atomwaffen im Ernstfall eingesetzt werden könnten.
Deutschland ist selbst keine Atommacht und hat völkerrechtlich wirksam auf eigene Atomwaffen verzichtet. Im Nato-Konzept trägt die Bundeswehr dennoch zur nuklearen Abschreckung bei. Genau dafür gilt die F-35 als Nachfolger der Tornados.
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums kann die Maschine verschiedene Einsatzrollen übernehmen. Dazu zählen der Kampf gegen gegnerische Luftverteidigung, präzise Angriffe auf Ziele am Boden und auf See sowie Schläge gegen weit entfernte Ziele im Hinterland.
Was in Büchel geplant ist
Zum Ende des nächsten Jahres sollen die ersten F-35 auf dem Fliegerhorst Büchel in der Eifel stehen. Der Militärflugplatz wird dafür umfassend umgebaut. Die Kosten liegen bei rund zwei Milliarden Euro und damit höher als zunächst angenommen.
Grund sind nach Angaben aus dem deutschen Planungsumfeld hohe technische Sicherheitsanforderungen der USA. Offiziell nicht bestätigt sind Berichte, wonach auf dem Flugplatz thermonukleare B61-Gravitationsbomben der US-Streitkräfte in zweistelliger Zahl lagern. Diese könnten derzeit noch von deutschen Tornados getragen werden.
Für die Region bedeutet der Umbau vor allem: Büchel bleibt ein zentraler Standort der deutschen Luftwaffe und der Nato-Abschreckung. Konkrete neue Angaben zu zusätzlichem Flugbetrieb oder Einschränkungen für Anwohner wurden in der Meldung nicht genannt.
Lieferplan und Ausbildung
Die Ausbildung von Piloten und Technikern in den USA hat bereits begonnen. Bis Ende Dezember sollen die ersten sechs Maschinen ausgeliefert werden. Die ersten acht Jets bleiben zunächst in den USA, damit sie dort für die Ausbildung genutzt werden können.
Die wichtigsten Eckpunkte:
- Bestellung: 35 F-35-Kampfjets für die Bundeswehr
- Kosten: rund zehn Milliarden Euro für die Beschaffung
- Standort: Fliegerhorst Büchel in der Eifel
- Umbau: rund zwei Milliarden Euro für den Militärflugplatz
- Auslieferung: Abschluss nach derzeitiger Planung in rund drei Jahren
An der Fertigung ist auch Rheinmetall beteiligt. Der deutsche Rüstungskonzern baut Rumpfmittelteile für die Flugzeuge in Deutschland. Hersteller Lockheed Martin zeigte in Fort Worth seine Produktionshalle, in der bereits weitere Maschinen für Deutschland montiert werden.
Debatte über Kosten, Wartung und Abhängigkeiten
Trotz der militärischen Bedeutung gibt es weiter Kritik an der F-35. Das Flugzeug gilt als sehr komplex. Das führt zu einem hohen Wartungs- und Instandsetzungsaufwand. In den USA lag die Einsatzbereitschaft im vergangenen Jahr Berichten zufolge bei 28 Prozent der Maschinen. In der übrigen Flugzeugflotte waren es mehr als 60 Prozent.
Auch der US-Rechnungshof bemängelte im Juni gestiegene Unterhaltskosten und nicht erreichte Leistungsziele. In Deutschland sorgten zudem Spekulationen über eine mögliche Fernabschaltung der Maschinen für Wirbel. Das Verteidigungsministerium wies dies zurück. Fachleute sehen aber Risiken durch die starke Abhängigkeit von Software und notwendigen Updates.
Gleichzeitig gilt die F-35 trotz ihrer Komplexität als vergleichsweise sicheres Flugzeug. Nach bisherigen Angaben gab es weltweit 18 Unfälle. Auf die Zahl der Flugstunden gerechnet verzeichnete die F-16 etwa doppelt so viele Abstürze.
Ob Deutschland später weitere F-35 bestellt, ist offen. Mehrere europäische Nato-Partner nutzen den Tarnkappenjet bereits oder haben sich für den Kauf entschieden, darunter Großbritannien, Polen, die Niederlande und Rumänien. Für Büchel ist schon jetzt klar: Der Standort in der Eifel wird mit der F-35 militärisch deutlich aufgewertet. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |