Neue Ausbildungsstation in Mainz: Was Patienten davon haben
- Die neue interdisziplinäre Ausbildungsstation ist in der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Unimedizin.
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Mainz. Patienten der Mainzer Universitätsmedizin sollen von engerer Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Pflege profitieren: In einer neuen Ausbildungsstation betreuen Medizinstudierende im praktischen Jahr und Pflege-Auszubildende gemeinsam vier Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung.
Die interdisziplinäre Ausbildungsstation liegt in der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik. Nach Angaben der Unimedizin gibt es ein solches Modell in dieser Form in keinem anderen Krankenhaus in Rheinland-Pfalz. Zwei Patientenzimmer gehören zur Station.
Was auf der Ausbildungsstation anders läuft
Die angehenden Ärztinnen und Ärzte sowie die künftigen Pflegefachkräfte übernehmen gemeinsam Aufgaben, die im Klinikalltag eng zusammenhängen. Dazu gehören Visiten, Behandlungspläne, Fragen zur Diagnostik und die Planung der Entlassung. Erfahrene Mediziner und Pflegekräfte begleiten die Arbeit, halten sich aber bewusst im Hintergrund.
Ziel ist eine praxisnahe Ausbildung. Die Beteiligten sollen früh lernen, wie ärztliche und pflegerische Sichtweisen zusammenkommen. Das kann für Patienten wichtig sein, weil Pflegekräfte oft besonders viel Zeit direkt am Bett verbringen und Veränderungen im Zustand früh bemerken.
Breites Spektrum an Krankheiten
Auf der Station werden Patienten mit sehr unterschiedlichen Erkrankungen betreut. Dazu zählen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Infektionen, Erkrankungen von Leber, Galle, Verdauungstrakt und Nieren sowie Krebserkrankungen.
Ein Beispiel aus der Station ist eine Patientin mit Ketoazidose. Dabei handelt es sich um eine potenziell lebensgefährliche Übersäuerung des Blutes, die bei starkem Insulinmangel auftreten kann. Bei der Frau wurde erstmals eine Zuckererkrankung festgestellt.
Mehr Verantwortung für den Nachwuchs
Für Medizinstudierende ist das praktische Jahr normalerweise stark von Teilaufgaben geprägt. Auf der Mainzer Ausbildungsstation sollen sie den gesamten Patienten im Blick behalten. Dazu gehört auch, unter Aufsicht Therapieentscheidungen vorzubereiten und Visiten zu leiten.
Auch Pflege-Auszubildende werden stärker einbezogen. Sie gehen ans Telefon, sind Ansprechpartner für Kollegen, sprechen mit Patienten und bringen ihre Beobachtungen in die Visite ein. Nach Einschätzung der Projektverantwortlichen stärkt das die Sicherheit im Berufsalltag.
Pilotprojekt läuft seit Mai
Das Projekt läuft seit Mai. Medizinstudierende müssen sich bislang bewerben und können für vier Wochen auf der Station arbeiten. Pflege-Auszubildende durchlaufen die Station in der Regel für drei Wochen.
Klinikdirektor Christian Lange spricht von einem besseren Austausch. „Das macht die Ausbildung besser“, sagt er. Auch die pflegerische Department-Leitung sieht darin eine Antwort auf ein bekanntes Problem: Häufig werde getrennt ausgebildet, obwohl im späteren Klinikalltag enge Zusammenarbeit erwartet werde.
Projekt könnte Vorbild für andere Kliniken werden
Die neue Station braucht zusätzliche Ressourcen, etwa Lehrbeauftragte speziell für die Ausbildung. Lange sieht das Format auch als Reaktion auf die verdichtete Arbeit im Gesundheitswesen. Lernen lasse sich im Klinikalltag nicht mehr so leicht nebenbei organisieren wie früher.
Zustimmung kommt von der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz und der Landespflegekammer. Beide betonen, dass gemeinsame Ausbildung die Zusammenarbeit im Krankenhaus stärken könne. Das Projekt in Mainz könne daher beispielgebend für andere Kliniken sein. dpa/red
Autor:Anouar Touir aus Ludwigshafen |