Chronik einer Pfarrgemeinde
Marode Kirche, mutiger Pfarrer

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Wäsche flattert vor dem alten Klostergebäude neben der Stiftskirche. Heute  das katholische Pfarrzentrum.                                               | Foto:  Archiv AKAK
  • Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Wäsche flattert vor dem alten Klostergebäude neben der Stiftskirche. Heute das katholische Pfarrzentrum.
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Klingenmünster. Die Chronik einer Pfarrgemeinde ist mehr als nur Gottesdienste, Glockenweihe und geistliches Wirken. Sie kann dramatisch und turbulent sein.
Das zeigt „Die Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Klingenmünster“, aufgeschrieben von Erich Laux, die demnächst erscheint. Besonders berührend sind die Erlebnisse eines mutigen Pfarrers in der Nazizeit und seine Tagebuchaufzeichnungen.
Erich Laux ist Dorfchronist und sehr aktives Mitglied des Arbeitskreises Altes Klingenmünster. Er hat schon zahlreiche Hefte verfasst, die einzelne Aspekte der Dorfvergangenheit erzählen.
Nun hat ihn der katholische Kirchbauverein beauftragt, sich mit der Geschichte der Pfarrgemeinde zu befassen. Und Laux ist wieder tief in die Archive eingetaucht.
Es geht dabei nicht um die Geschichte des Klosters Klingenmünster, das eines der ältesten Deutschlands ist. Das war eigenständig und nicht für die Seelsorge der Dorfbewohner zuständig. Die katholische Pfarrgemeinde entstand erst im 17. Jahrhundert. Als erster katholischer Pfarrer wird 1684 Johann Baptist Sattler erwähnt, der sich gleich mit der maroden Stiftskirche herumschlagen muss. Der bauliche Zustand der Kirche, verbunden mit großen Finanzproblemen, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte.
Erich Laux schildert die Ausbreitung der Reformation, bei der die Katholiken ins Hintertreffen geraten, die Plünderungen und Verwüstungen nach der französischen Revolution, einen kuriosen Konflikt mit der benachbarten Schankwirtschaft und – in jüngerer Zeit – heftige Kontroversen um die Umgestaltung der Kirche.
Eine besonders eindrucksvolle Pfarrerpersönlichkeit ist Karl Maria Goettgens, der in den 20er Jahren nach Klingenmünster kam und die Gemeinde 26 Jahre lang leitete. Er bemühte sich nicht nur um ein Schwesternhaus und um die Renovierung der Kirche.
Mutig legte er sich mit dem NS-Ortsgruppenleiter an. 1938 wurde Pfarrer Goettgens Schulverbot erteilt, weil er sich weigerte, den Hitlergruß zu leisten. Goettgens wurde daraufhin von der Gestapo verhört und drei Monate im Gerichtsgefängnis Neustadt „in Schutzhaft genommen“.
Die Ereignisse der letzten Kriegsmonate hat Karl Maria Goettgens in einem Tagebuch festgehalten. Den Text kann man im Anhang der Broschüre nachlesen.
Das neue Heft des Arbeitskreises Altes Klingenmünster wird beim Klosterfest in Klingenmünster am 28. September öffentlich vorgestellt und zum Verkauf angeboten. Danach ist die Broschüre in der Reben-Apotheke, bei Sport-Müller und im Pfarrbüro für neun Euro zu haben. red

Autor:

Jürgen Bender aus Annweiler

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