Mähaktion in Wiesbaden-Schierstein: Wasserpest legt Hafen lahm
- Im Schiersteiner Hafen lädt ein Spezialboot mit einem Fangkorb gemähte Wasserpest auf einem Steg ab.
- Foto: Hannes P. Albert/dpa
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Wiesbaden-Schierstein. Dichter Pflanzenbewuchs behindert im Schiersteiner Hafen den Trainings- und Veranstaltungsbetrieb. In Wiesbaden entfernen Vereine deshalb seit mehreren Tagen mit Booten, Rechen und Mistgabeln große Mengen Wasserpest aus dem Becken.
Unter Federführung des Wiesbadener Yachtclubs und mit Hilfe benachbarter Vereine wird die stark wuchernde Wasserpflanze gemäht und aus dem Wasser geholt. Nach Angaben der Beteiligten ist der Bewuchs in diesem Jahr besonders extrem. Schon Anfang Juni musste der Hafen einmal freigeräumt werden. Nun ist eine neue Aktion nötig, damit Boote überhaupt wieder fahren können.
Training und Veranstaltungen betroffen
Die Wasserpest wächst in Seitenarmen und Hafenbecken mit wenig Strömung besonders stark. Im Schiersteiner Hafen reicht sie teils vom Grund bis an die Oberfläche. Das Grün kann sich in Bootsschrauben verfangen und Ruder oder Paddel behindern. Beim benachbarten Ruderverein ist es dadurch nach Vereinsangaben schwieriger geworden, Boote zu Wasser zu lassen. Bei Anfängerkursen kam es demnach auch zu mehr Kenterungen.
Nach Angaben des Wassersport-Vereins Schierstein wurden Regatten und ein Bootskorso abgesagt. Wettkämpfe seien unter diesen Bedingungen kaum fair auszutragen, weil der Bewuchs auf den einzelnen Bahnen unterschiedlich stark sei.
Auch Häfen in Rheinland-Pfalz kämpfen mit dem Bewuchs
Ähnliche Probleme gibt es auch an anderen Standorten in der Region. Im Hafen Germersheim wurde laut Landesverband Motorsport Rheinland-Pfalz bereits „zentnerweise“ Wasserpest aus dem Wasser geholt. Dort trainiert die Verbandsjugend. Auch dieser Betrieb war zeitweise kaum noch möglich. Im Landschaftsschutzgebiet Kief in Ludwigshafen berichten Vereine ebenfalls von starkem Bewuchs. Der Segel- und Motoryacht-Club Koblenz an der Mosel spricht von reichlich Wasserpest, die Lage sei dort aber noch beherrschbar.
In Germersheim kann nach Verbandsangaben wegen der Wassertiefe nicht mit einem Mähboot gearbeitet werden. Dort wird der Bewuchs stattdessen mit einer Egge am Grund abgerissen. Das gilt als besonders mühsam.
Warum die Wasserpest gerade jetzt so stark wächst
Nach Einschätzung von Fachleuten fördern mehrere Faktoren die Ausbreitung. Bei niedrigem Wasserstand und wenig Strömung dringt mehr Licht bis auf den Grund. Das beschleunigt das Wachstum. Im Schiersteiner Hafen kommen nach Angaben aus dem Yachtclub zudem Nährstoffe hinzu, die über den Lindenbach eingetragen werden.
Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz erklärt, dass sich in ruhigen Wasserzonen oft feine Bodensubstrate sammeln. Diese würden bevorzugt von Elodea besiedelt. Dabei kann es zu Massenentwicklungen kommen. Auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein beobachtet in diesem Jahr stärkeres Wachstum. Für Fahrrinnen und die Großschifffahrt sei die Wasserpest zwar kein grundsätzliches Problem. Zusätzliche Arbeit verursacht sie aber dennoch, weil sich abgetriebene Pflanzen an Verankerungsketten von Tonnen sammeln und dort lange Zöpfe bilden.
Nur vorübergehende Entlastung
Im Schiersteiner Hafen ist für die Aktion ein Arbeitsboot für eine Woche gemietet, ein weiteres für zwei Tage. Nach Angaben des Yachtclubs kostet das mehrere Tausend Euro. Dazu kommt der Einsatz vieler Ehrenamtlicher.
Dauerhaft lösen lässt sich das Problem damit nicht. Fachleute des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie stufen die Wasserpest als sehr dominante Pflanze ein. Sie wächst schnell nach, verdrängt andere Arten und verbreitet sich auch über kleine Pflanzenteile, die etwa von Vögeln weitergetragen werden. Die Mähaktion hilft daher vor allem kurzfristig, den Betrieb auf dem Wasser wieder möglich zu machen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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