KI in der Forschung: Mainzer Akademie warnt vor falschen Quellen

Die Akademie der Wissenschaft und der Literatur in Mainz hat bundesweite Besonderheiten. | Foto: Andreas Arnold/dpa
  • Die Akademie der Wissenschaft und der Literatur in Mainz hat bundesweite Besonderheiten.
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Mainz. Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die wissenschaftliche Arbeit. Nach Einschätzung der Präsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz bringt sie neue Möglichkeiten. Gleichzeitig wachsen die Risiken für Forschung und Veröffentlichung.

Andrea Rapp, Präsidentin der Akademie und Germanistik-Professorin an der Technischen Universität Darmstadt, sieht vor allem Unterstützung bei der Organisation von Wissen. „Natürlich hilft uns KI beim Strukturieren und Sortieren“, sagte sie im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Allerdings finde die Technik meist nicht völlig neue Erkenntnisse. „Sie entdeckt eher farbige Flecken, die ohnehin schon vorhanden sind.“ Forschende müssten daher besonders kritisch prüfen, was durch KI generiert oder unterstützt wurde.

Warnung vor erfundenen Quellen

Rapp verweist auf ein zentrales Problem der Systeme. Künstliche Intelligenz könne sogenannte Halluzinationen erzeugen und Quellen erfinden. Deshalb müsse jede Angabe überprüft werden.

„Man muss kritischer an das herangehen, was in der Wissenschaft eingereicht wird“, sagte die Professorin für Computerphilologie und Mediävistik. Fehlerhafte oder erfundene Quellen könnten dem wissenschaftlichen Ruf dauerhaft schaden.

Besondere Rolle der Akademie in Mainz

Die Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz nimmt in Deutschland eine Sonderstellung ein. Sie ist die einzige außeruniversitäre Akademie mit einer eigenen Klasse für Literatur und Musik.

Finanziert wird die Einrichtung im Kern vom Land Rheinland-Pfalz mit rund 1,8 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen Drittmittel von mehr als 18 Millionen Euro sowie weitere Fördergelder etwa von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesforschungsministerium.

Mehr Bürgerbeteiligung in der Forschung

Seit Juli leitet Rapp die Akademie ehrenamtlich. Zu ihren Schwerpunkten gehören digitale Forschungsinfrastrukturen und eine stärkere Öffnung der Wissenschaft.

Dabei spielt auch sogenannte Citizen Science eine Rolle. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können sich aktiv an Forschungsprojekten beteiligen. Zudem soll die Akademie breiter aufgestellt werden. Der Frauenanteil ist bereits gestiegen. Auch mehr Mitglieder aus Ostdeutschland, mit Migrationshintergrund und aus jüngeren Generationen sind ein Ziel.

Mitglieder werden meist auf dem Höhepunkt ihrer wissenschaftlichen Karriere gewählt. Jede Klasse umfasst 50 ordentliche und 50 korrespondierende Mitglieder. Mit 70 Jahren endet die Mitgliedschaft, um Platz für jüngere Forschende zu schaffen.

Langfristige Projekte der Geisteswissenschaften

Derzeit betreut die Akademie 54 Forschungsprojekte. 36 davon gehören zum Akademienprogramm. Es gilt als wichtigstes langfristiges Förderprogramm für geisteswissenschaftliche Forschung in Deutschland. Projekte laufen häufig zwischen zwölf und 25 Jahren.

Zu den Themen gehören unter anderem

  • historische Finanzströme
  • große Wörterbücher zur deutschen Sprache
  • die Werke von Johann Wolfgang von Goethe
  • Schriften von Richard Wagner und Johannes Brahms

Auch gesellschaftliche Entwicklungen lassen sich daraus ablesen. Ein Projekt untersucht beispielsweise alle Familiennamen in Deutschland. Herkunft, Bedeutung und Verbreitung liefern Hinweise auf Migration und historische Wanderbewegungen.

Rapp selbst beschäftigt sich mit Fremdsprachenlehrwerken der frühen Neuzeit. Rund 1.000 historische Lehrbücher werden dabei ausgewertet. Sie zeigen, dass Mehrsprachigkeit in Europa früher weit verbreitet war.

Die Akademie arbeitet mit 57 Forschungsstellen in ganz Deutschland zusammen. Viele davon sind an Universitäten angesiedelt. Der Austausch zwischen Hochschulen und Akademie gilt als wichtiger Bestandteil der Arbeit. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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