Fünf Jahre nach Flut im Ahrtal: Aufbau, Zweifel und Erinnerung

Tim Himmes und seine Schwestern haben ihr Elternhaus an der Ahr wieder aufgebaut.  | Foto: Boris Roessler/dpa
  • Tim Himmes und seine Schwestern haben ihr Elternhaus an der Ahr wieder aufgebaut.
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Ahrtal. Fünf Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe kämpfen viele Orte im Ahrtal noch immer mit den Folgen. Zwar sind Straßen, Häuser und Betriebe vielerorts wieder aufgebaut. Doch Erinnerungen, bürokratische Hürden und offene Baustellen prägen weiterhin den Alltag vieler Bewohner.

Wenn es an der Ahr stark regnet, klingelt bei Tim Himmes regelmäßig das Telefon. Seine Schwestern rufen oft an, sobald der Wasserstand steigt. Die Familie lebt im Dorf Schuld nur wenige Meter vom Fluss entfernt. Ihr Elternhaus wurde nach der Katastrophe im Sommer wieder aufgebaut. Auch zerstörte Fahrgeschäfte und eine Losbude konnten ersetzt werden.

„Seit ungefähr einem halben Jahr haben wir wieder eine Straße vorm Haus“, sagt der 26 Jahre alte Schausteller. Bei der Flut im Juli wurden Haus, Autos und Teile des Betriebs von Schlamm und Wassermassen zerstört.

Manches wirkt, als wäre die Flut erst gestern gewesen

Entlang der Ahr zeigt sich ein gemischtes Bild. Viele Gebäude sind neu entstanden oder modernisiert. Andere Orte bestehen noch aus Provisorien. An manchen Häusern sind die Schäden weiterhin sichtbar.

Gastronom und Hotelier Wolfgang Ewerts aus Insul sagt, im Tal gebe es eine klare Zäsur. „Es gibt eine Zeitrechnung vor und nach der Flut.“ Sein Hotel und sein Wohnhaus mussten komplett neu aufgebaut werden. Heute sei der Betrieb sogar schöner als zuvor. Manche Gäste fragen ihn inzwischen, ob er überhaupt betroffen gewesen sei.

Doch die Erinnerungen kehren immer wieder zurück. Beim Blick auf elektrische Teelichter in seinem Restaurant erinnert sich Ewerts daran, wie solche Lichter damals im öligen Hochwasser trieben.

Gedenken und Erschöpfung im Tal

Zum Jahrestag der Katastrophe finden vielerorts Gedenkveranstaltungen statt. Einige Bewohner ziehen sich an diesen Tagen bewusst zurück. Eine 70 Jahre alte Frau verbrachte die Nacht der Flut in Todesangst auf dem Dach ihres Hauses. Ihre Mutter kam ums Leben. Das alte Haus wurde später abgerissen. Heute lebt sie mit ihrem Mann weiter entfernt vom Fluss.

Insgesamt starben bei der Flut mindestens 135 Menschen. Mehrere hundert wurden verletzt.

Viele Anwohner beschreiben ihre Stimmung als erschöpft. Trotz neuer Häuser fehle manchmal das frühere Dorfleben. Einige berichten von Konflikten während des langen Wiederaufbaus. Andere kämpfen noch immer mit Anträgen und Förderformularen.

Weinbau und Infrastruktur noch im Aufbau

Auch im Weinort Rech sind nicht alle Probleme gelöst. Britta Stodden vom Rotweingut Jean Stodden sagt, der Betrieb arbeite wieder weitgehend normal. Dennoch gebe es weiterhin bürokratische Hürden.

Einige von der Flut zerstörte Rebflächen können bis heute nicht neu bepflanzt werden, weil Genehmigungen fehlen. Der Bahnbetrieb im Tal sei dagegen wie angekündigt wieder aufgenommen worden. Schulen werden teilweise noch immer in Containern betrieben.

Mehr Schutz. Aber keine absolute Sicherheit

Viele Menschen hoffen, dass Behörden und Warnsysteme heute schneller reagieren würden. „Jetzt passen sie auf“, sagt Tim Himmes. Gleichzeitig fürchtet er, dass die Aufmerksamkeit mit den Jahren nachlassen könnte.

Auch Wolfgang Ewerts sieht Fortschritte beim Hochwasserschutz. Einige frühere Bogenbrücken wurden ersetzt. Die Ahr hat an manchen Stellen mehr Raum, sich auszudehnen. Ob das im Ernstfall ausreicht, bleibt für viele Bewohner jedoch eine offene Frage.

Einig sind sich viele im Tal vor allem in einem Punkt. Sollte eine Flut noch einmal das Ausmaß von 2021 erreichen, würden viele Menschen das Ahrtal verlassen. dpa/red

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Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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