Droht das Aus für Untersuchungsausschüsse? Reform sorgt für heftige Kritik

Politikwissenschaftler Kai Arzheimer hält die Pläne des Landtags inhaltich für unproblematisch. (Archivbild) | Foto: --/Johannes Gutenberg-Universität Mainz/Sämer/dpa
  • Politikwissenschaftler Kai Arzheimer hält die Pläne des Landtags inhaltich für unproblematisch. (Archivbild)
  • Foto: --/Johannes Gutenberg-Universität Mainz/Sämer/dpa
  • hochgeladen von Cornelia Bauer

Mainz. Eine geplante Änderung der Landesverfassung könnte in der nächsten Wahlperiode praktische Folgen für die Oppositionsarbeit im Landtag haben. Nach Einschätzung eines Politikwissenschaftlers könnte es künftig sogar passieren, dass in Rheinland Pfalz gar kein Untersuchungsausschuss mehr eingesetzt wird.

CDU, SPD und Grüne wollen noch im bestehenden Landtag das notwendige Quorum für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses erhöhen. Statt bisher 20 Prozent sollen künftig 25 Prozent der Abgeordneten zustimmen müssen. Dieses Niveau gilt bereits im Bundestag und in mehreren anderen Bundesländern.

Der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer sieht darin inhaltlich kein grundsätzliches Problem. „Vor dem Hintergrund der Regelung im Bund kann man jedenfalls nicht allgemein von einer Beschränkung der Oppositionsrechte sprechen“, sagte der Professor der Deutschen Presse Agentur.

Politische Brisanz durch neue Kräfteverhältnisse

Zum Streitpunkt werde die Reform vor allem wegen der aktuellen Mehrheitsverhältnisse im Landtag. Nach der Wahl bestehe die Opposition nur noch aus einer großen AfD Fraktion und einer deutlich kleineren Grünen Fraktion. Beide zusammen würden nach Einschätzung Arzheimers keinen gemeinsamen Untersuchungsausschuss einrichten.

Untersuchungsausschüsse gelten als eines der schärfsten Kontrollinstrumente des Parlaments gegenüber der Regierung. Mit der höheren Hürde könne künftig keine einzelne kleinere Oppositionsfraktion mehr allein einen solchen Ausschuss durchsetzen.

Experte sieht Effizienz als Hauptargument

Nach Darstellung Arzheimers verfolgen die Regierungsfraktionen mit der Änderung vor allem ein praktisches Ziel. „Man möchte vermeiden, dass eine einzelne kleinere Oppositionsfraktion mit Untersuchungsausschüssen zu viele parlamentarische Ressourcen bindet.“ Die Rechtfertigung sei daher ein möglicher Effizienzgewinn.

Gleichzeitig fürchten demokratische Parteien laut dem Politologen, dass Untersuchungsausschüsse von der AfD politisch missbraucht werden könnten. Der Preis dieser Regelung könne jedoch hoch sein. In der kommenden Legislaturperiode könnte es unter Umständen gar keinen Untersuchungsausschuss geben.

Formal sei es zwar zulässig, dass die Verfassungsänderung noch vom alten Landtag beschlossen werde. Politisch hinterlasse das Vorgehen jedoch „einen unguten Eindruck“, sagte Arzheimer.

Die Oppositionsarbeit beschränke sich allerdings nicht auf Untersuchungsausschüsse. Auch bisher sei nur die CDU groß genug gewesen, um ein solches Gremium im Alleingang einzusetzen. dpa/red

LokalesAnzeige
Das Digital-Standard-Abo der RHEINPFALZ testen und online auf Artikel, Podcasts und Bildergalerien zugreifen. | Foto: DIE RHEINPFALZ
2 Bilder

Die digitale RHEINPFALZ testen: Nachrichten online und exklusive Inhalte für 1 Euro

Mit dem Digital-Standard-Abo der RHEINPFALZ nah an der Pfalz dran bleiben und online unterwegs und zu Hause aktuelle Nachrichten und exklusive Geschichten lesen.  Wer die Pfalz im Alltag nicht aus dem Blick verlieren möchte, findet bei der RHEINPFALZ aktuelle Nachrichten, exklusive Berichte und das Wichtigste aus der Region in einem kompakten Digital-Paket. So können Leserinnen und Leser das Neueste aufmerksam verfolgen und dabei flexibel, bequem und jederzeit auf Inhalte zugreifen. Zum...

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

Cornelia Bauer auf Facebook

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

79 folgen diesem Profil
Kommentare sind deaktiviert.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ