Als Buffalo Bill Mainz eroberte: Wilder Westen am Rhein - vor genau 135 Jahren

Buffalo Bill - bürgerlich William Frederick Cody - (1846-1917) bezeichnete seine Vorstellung selbst nie als Show. (Archivbild) | Foto: picture-alliance / dpa
  • Buffalo Bill - bürgerlich William Frederick Cody - (1846-1917) bezeichnete seine Vorstellung selbst nie als Show. (Archivbild)
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Mainz. Eine spektakuläre Reise in den Mythos des amerikanischen Westens erlebten die Menschen in Mainz vor 135 Jahren. Vom 4. bis 7. Mai gastierte der berühmte Westernheld Buffalo Bill mit seiner Truppe in der Stadt und lockte zahlreiche Zuschauer an.

Die Show brachte eine für viele damals fremde Welt an den Rhein. Nach Angaben des Stadthistorischen Museums präsentierten rund 175 Mitwirkende das Leben im sogenannten „Wilden Westen“. Dazu gehörten Cowboys, Pfadfinder und indigene Darsteller. Auch etwa 40 Pferde und 20 Büffel waren Teil der Aufführung.

Buffalo Bill hieß mit bürgerlichem Namen William Frederick Cody. Er bezeichnete seine Darbietung selbst nicht als Show. Stattdessen erklärte er, das echte Leben und die Kultur Nordamerikas zeigen zu wollen. Historiker sehen das heute kritischer. Das Museum beschreibt die Darstellung als Mythos. Die Wirklichkeit im Westen der USA sei deutlich komplexer gewesen.

Warum Mainz ausgewählt wurde

Die Stadt war kein Zufallsziel der Tour durch das damalige Deutsche Reich. Mainz war Hauptstadt der großherzoglich hessischen Provinz Rheinhessen und zählte etwa 72.000 Einwohner. Zudem verfügte die Stadt über ein großes Umland und eine gute Bahnanbindung. Insgesamt besuchte die Truppe rund 25 Städte.

Die Aufführungen dauerten etwa anderthalb bis zwei Stunden. Zu sehen waren Reitkunst, Schießvorführungen und Szenen aus dem Leben an der amerikanischen Frontier. Besonders im Mittelpunkt stand Buffalo Bill selbst. Er beeindruckte das Publikum vor allem mit seiner Treffsicherheit.

Zu den Stars der Tour gehörte auch die Kunstschützin Annie Oakley. Zeitungen berichteten damals überwiegend begeistert über das Spektakel.

Wenn der Wilde Westen durch Mainz zog

Während der Gastspiele mischten sich Darsteller und Publikum teilweise direkt. Besucher konnten das Lager der Truppe besichtigen. Umgekehrt gingen Mitglieder der Show in der Stadt einkaufen. Zeitgenössische Berichte schildern, wie „Indianer und Indianerinnen“ durch die Straßen zogen und von neugierigen Menschen begleitet wurden.

Die Aufführung bot vielen Menschen erstmals direkte Begegnungen mit Figuren und Bildern, die sie zuvor nur aus Romanen oder Reiseberichten kannten. Historiker sehen darin weniger eine realistische Darstellung Amerikas als vielmehr eine europäische Sehnsucht nach Abenteuer und Freiheit.

Verbindungen zwischen Rheinland und Amerika

Im 19. Jahrhundert zog es Millionen Deutsche in die Vereinigten Staaten. Zwischen 1820 und 1930 wanderten etwa sechs Millionen Menschen aus. Einer von ihnen war Friedrich Trump aus Kallstadt in der Pfalz. Sein Enkel Donald wurde später Präsident der USA.

Wenige Jahre nach Buffalo Bills Auftritt besuchte auch der Schriftsteller Karl May Mainz. Seine Romane über Winnetou prägten das europäische Bild des „Wilden Westens“ ebenfalls stark. Ob May und Cody sich jemals persönlich begegnet sind, gilt allerdings als nicht sicher belegt. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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