Akku statt Diesel: Neue Züge starten im Regionalverkehr rund um Kassel
- Drei neue Akku-Züge sollen ab Herbst im Regionalverkehr rund um Kassel getestet werden. Die Batterie-Triebzüge ersetzen im Nordwesthessen-Netz zunächst Diesel-Fahrzeuge auf ausgewählten Linien.
- Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
- hochgeladen von Jens Vollmer
Kassel. Fahrgäste im Regionalverkehr rund um Kassel sollen ab Herbst schrittweise in neuen Akku-Zügen unterwegs sein. Drei neue Batterie-Triebzüge ersetzen im Nordwesthessen-Netz zunächst Diesel-Fahrzeuge und werden fünf Jahre lang im Alltag getestet.
Wie die Deutsche Bahn mitteilt, starten der Nordhessische Verkehrsverbund, der Rhein-Main-Verkehrsverbund, der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe und die DB RegioNetz Kurhessenbahn den Testbetrieb gemeinsam. Die neuen Fahrzeuge heißen BEMU. Die Abkürzung steht für Battery Electric Multiple Units, also batterieelektrische Triebzüge.
Diese Linien sind zuerst vorgesehen
Die Akku-Züge sollen zunächst vor allem auf den Linien RE39 und RB39 zwischen Kassel und Bad Wildungen fahren. Danach ist ein schrittweiser Einsatz auf weiteren ausgewählten Verbindungen geplant.
- RE39 und RB39 von Kassel nach Bad Wildungen
- RB38 von Kassel nach Schwalmstadt
- RB94 von Marburg nach Bad Laasphe
Nach Angaben der beteiligten Verkehrsverbünde ist auch ein Einsatz auf weiteren Linien im Nordwesthessen-Netz vorgesehen. Die drei Fahrzeuge werden nicht auf einen Schlag eingeführt, sondern sukzessive in den regulären Betrieb integriert.
Akku statt Diesel auf nicht elektrifizierten Strecken
Die Züge fahren mit leistungsfähigen Akkus und brauchen keine fossilen Kraftstoffe. Auf Strecken mit Oberleitung können sie während der Fahrt Strom aufnehmen. Auf Abschnitten ohne Oberleitung liefern die Akkus die Energie.
Damit sollen Strecken bedient werden, die bislang nicht vollständig elektrifiziert sind. Der Test soll zeigen, wie zuverlässig die Technik im Alltag funktioniert und welche Ladeinfrastruktur langfristig nötig ist. Ziel ist es, Dieseltriebwagen im Regionalverkehr nach und nach abzulösen.
Mehr Platz und leisere Fahrten
Für Fahrgäste bringen die neuen Fahrzeuge vor allem mehr Komfort. Der Innenraum ist großzügiger gestaltet. Auch der Mehrzweckbereich für Fahrräder, Kinderwagen und Rollstühle fällt größer aus. Der Sanitärbereich ist barrierefrei und mit einem ausklappbaren Wickeltisch ausgestattet.
An den Sitzplätzen gibt es Lademöglichkeiten für Smartphones und andere mobile Geräte. Außerdem sollen die Züge deutlich leiser fahren als Dieseltriebwagen. Abgase vor Ort entstehen im Batteriebetrieb nicht.
Das leistet der Mireo Plus B
Bei den neuen Fahrzeugen handelt es sich um den Typ „Mireo Plus B" von Siemens. Ein Zug ist 46,5 Meter lang und bietet 122 Sitzplätze. Die bisher eingesetzten Dieseltriebwagen sind 41,7 Meter lang und haben 118 Sitzplätze.
Auch beim Antrieb unterscheiden sich die Fahrzeuge deutlich. Die Akku-Züge kommen auf 1700 Kilowatt Leistung. Die Dieseltriebwagen liegen bei 630 Kilowatt. Das soll eine bessere Beschleunigung ermöglichen. Zusätzlich gewinnen die Züge beim Bremsen Energie zurück, die später wieder für den Antrieb genutzt werden kann.
Warum der Test fünf Jahre dauert
Der fünfjährige Zeitraum soll belastbare Erfahrungen im Regelbetrieb liefern. Dabei geht es nicht nur um die Fahrzeuge selbst, sondern auch um das Zusammenspiel mit vorhandenen Strecken und künftigen Lademöglichkeiten.
Für Reisende ist der Test vor allem im Alltag interessant. Wenn die Fahrzeuge zuverlässig laufen, könnten ähnliche Akku-Züge auf weiteren nicht elektrifizierten Regionalstrecken eine Alternative zum Dieselbetrieb werden.
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |