80. Geburtstag: Wieland Backes prägte das „Nachtcafé“
- Fast drei Jahrzehnte lang war Backes, der am 10. September 80 Jahre alt wird, Gastgeber des SWR-«Nachtcafés». (Archivbild)
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Stuttgart. Fernsehzuschauer im Südwesten können am Donnerstag, 10. September, auf ein Stück regionaler Fernsehgeschichte zurückblicken: Wieland Backes wird 80 Jahre alt. Fast drei Jahrzehnte lang prägte er im SWR das „Nachtcafé“ und zeigte, wie Gespräche im Fernsehen ohne Lautstärke wirken können.
Backes trat nie als Moderator auf, der sich selbst in den Mittelpunkt stellte. Wenn er im Ludwigsburger Barockschlösschen seine Gäste empfing, reichten oft ein ruhiger Blick, eine sanfte Frage und die Bereitschaft, Pausen auszuhalten. So entstand Aufmerksamkeit, ohne Aufregung zu erzeugen.
Mehr als 700 Sendungen und rund 5000 Gäste
Im „Nachtcafé“ sprach Backes mit Prominenten und mit Menschen, die außerhalb der Sendung kaum jemand kannte. Es ging um Liebe, Verlust, Familie, Fremdheit, Scheitern und Neuanfang. Für den Moderator machte der Bekanntheitsgrad keinen Unterschied. Ein Spitzenpolitiker oder Showstar sei ihm „genauso lieb und wichtig wie ein Hartz-IV-Empfänger aus Wanne-Eickel oder eine Aussteigerin von den Fidschi-Inseln“, sagte er einmal.
Wichtige Stationen seines Fernsehlebens im Überblick:
- „Nachtcafé“: Fast drei Jahrzehnte lang Gastgeber im SWR
- Gespräche: Mehr als 700 Ausgaben mit rund 5000 Menschen
- Späteres Fernsehen: Moderator der Ratesendung „Ich trage einen großen Namen“
- Abschied: Ende des vergangenen Jahrzehnts zog er sich aus dem Fernsehen zurück
Ein Moderator, der Menschen nicht vorführte
Backes wollte seine Gäste verstehen, nicht ausstellen. Er fragte behutsam und blieb hartnäckig, wenn es nötig war. Gerade dadurch sprachen viele Menschen über Themen, die sonst hinter der öffentlichen Fassade verborgen bleiben. Das brachte ihm den Ruf als „letzter Niveautalker“ ein.
Seine Frau Bettina Backes beschreibt die Sendung als den Ort, an dem sich ihr Mann beruflich vollständig verwirklichen konnte. Das „Nachtcafé“ sei für ihn nicht einfach Arbeit gewesen. Es habe seine Neugier, seine Menschenkenntnis und seinen Sinn für Zwischentöne verbunden. Backes selbst nannte die Sendung einmal sein Wohnzimmer oder sein liebstes Spielzeug.
Vom Chemiker zum Gesicht des SWR
Geboren wurde Backes als Kind einer Flüchtlingsfamilie in Österreich. Aufgewachsen ist er in der Nähe von Backnang bei Stuttgart. Er studierte Chemie und Geografie an der Universität Stuttgart und schrieb seine Doktorarbeit über Lebensbedingungen in Ballungsräumen. Schon früh interessierte ihn damit, wie Menschen in bestimmten Strukturen leben.
Seit den siebziger Jahren war Backes mit dem damaligen Süddeutschen Rundfunk und später mit dem Südwestrundfunk verbunden. Nach dem Ende des „Nachtcafés“ blieb er dem Publikum mit „Ich trage einen großen Namen“ erhalten. Auch dort ging es ihm um mehr als das Erraten berühmter Vorfahren. Er wollte wissen, wie Nachkommen mit einem bekannten Namen umgehen und wie sie ihr eigenes Leben gestalten.
Abschied vom Fernsehen ohne Bedauern
Als Backes auch diese Sendung verließ, sprach er von der Kunst, aufhören zu können. Er wolle nicht aus dem Studio getragen werden, sondern gehen, „wenn es am schönsten ist“. Nach Angaben seiner Frau hat er diesen Schritt nie bereut. Am Ende seiner Fernsehkarriere sei er mit sich im Reinen gewesen und habe sich auf den neuen Lebensabschnitt gefreut.
Später engagierte sich Backes unter anderem für die Bürgerinitiative „Aufbruch Stuttgart“. Das sei für ihn eine Herzensangelegenheit gewesen, sagt Bettina Backes. Er habe dazu beitragen wollen, die Lebensqualität der Menschen in der Stadt zu verbessern.
Offener Umgang mit Parkinson
Backes ist schwer an Parkinson erkrankt. Die Diagnose blieb zunächst lange privat, bevor sie öffentlich bekannt wurde. Seine Frau sagt, die Familie habe die frühe Diagnose für sich behalten, bis die Krankheit zu weit fortgeschritten gewesen sei.
Der frühere Moderator sprach später selbst offen darüber. Nach den Worten seiner Frau tat er das nicht, um auf die Krankheit reduziert zu werden. Vielmehr wollte er mitbestimmen, wie über ihn gesprochen wird. Er sei stets offen und klar mit seiner Krankheit umgegangen und positiv geblieben.
Ein Geburtstag im kleinen Kreis
Eine große öffentliche Feier ist zu seinem 80. Geburtstag nicht geplant. Stattdessen gibt es nach Angaben seiner Frau nur ein kleines Fest im Kreis der Familie. Das passt zu einem Mann, der den großen Auftritt nie mit Größe verwechselt hat.
Wieland Backes bleibt im Südwesten als Moderator in Erinnerung, der Menschen zum Erzählen brachte. Seine Stärke lag nicht in der lauten Geste, sondern in genauer Beobachtung, geduldigen Fragen und Respekt vor seinen Gästen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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