Schüsse auf sechs Rocker in Mannheim: Angeklagter soll 13-mal gefeuert haben
- Am Landgericht Mannheim hat der Prozess gegen einen 32-Jährigen begonnen, der sechs Mitglieder des regionalen Motorradclubs MC Germanen mit Schüssen verletzt haben soll.
- Foto: Uwe Anspach/dpa
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Mannheim. Im Prozess um Schüsse auf sechs Mitglieder eines Motorradclubs steht ein 32-Jähriger vor dem Landgericht Mannheim. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord sowie gefährliche Körperverletzung in sechs Fällen vor. Für den Angeklagten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.
Anklage spricht von „maßloser Überreaktion“
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll der türkische Staatsangehörige im September vor fünf Jahren im Außenbereich eines Cafés in Mannheim gesessen haben, als Mitglieder des MC Germanen in Kutten eintrafen. Er habe sich mehrfach über die Gruppe beschwert. Im weiteren Verlauf sei es zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen.
Als die Clubmitglieder das Bistro verlassen hätten, soll der Angeklagte einen Mann gestoßen und einem weiteren eine Ohrfeige gegeben haben. Daraus sei ein Gerangel entstanden. Eine im Gericht gezeigte Überwachungskamera-Aufnahme dokumentiert Teile der Schlägerei vor dem Eingang. Kurz darauf ist darauf ein Mann zu sehen, der auf der Straße zusammenbricht und regungslos liegen bleibt. Der genaue Ablauf ist auf dem Video nicht vollständig erkennbar.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte anschließend für die anderen überraschend eine versteckt mitgeführte scharfe Waffe zog und mindestens 13 Schüsse abgab. Die damals 35 bis 45 Jahre alten Männer erlitten unter anderem Verletzungen an Bauch und Beinen. Die Anklage wertet die Tat als „maßlose Überreaktion“. Der Mann habe nicht als Verlierer des Streits gelten wollen und tödliche Verletzungen der anderen billigend in Kauf genommen.
Rocker äußerten Verdacht eines geplanten Angriffs
Mitglieder des Motorradclubs hatten gegenüber der „Rheinpfalz“ früher den Verdacht geäußert, der Angriff könne geplant gewesen sein. Sie verwiesen auf eine mögliche private Fehde, die in einem länger zurückliegenden Streit in einer Shishabar ihren Ursprung haben könnte. Diese Darstellung ist nicht Teil der beim Prozessauftakt geschilderten Anklage.
Ein Polizeibeamter berichtete, Einsatzkräfte hätten Verletzte vor dem Café und in einer Seitenstraße gefunden. Der Rettungsdienst brachte sie in verschiedene Krankenhäuser. Eines der Opfer lebt inzwischen in Texas und entwickelte nach Angaben eines Arztes infolge der Schussverletzung eine Nekrose, bei der Körpergewebe abstirbt.
Angeklagter soll nach der Tat geflohen sein
Der mutmaßliche Schütze soll nach Angaben der Anklage vor dem Eintreffen der Polizei von einem Zeugen in ein Auto gezogen worden und in Richtung Frankfurt gefahren sein. Das mutmaßliche Fluchtfahrzeug wurde kurz darauf in einem Gewerbegebiet im hessischen Eschborn gefunden. Der Angeklagte war längere Zeit flüchtig und soll laut einem Bericht der „Rheinpfalz“ auch international gesucht worden sein.
Der 32-Jährige sitzt nach Gerichtsangaben wegen einer anderen Sache in Haft. Zu den Hintergründen machte eine Gerichtssprecherin keine Angaben. Vor Gericht berichtete der Mann von psychischen Problemen und starken Medikamenten, weshalb er seine Arbeit im Garten- und Landschaftsbau aufgegeben habe. Über seine Verteidigerinnen kündigte er an, sich an einem späteren Verhandlungstag zu den Vorwürfen zu äußern.
Zehn Verhandlungstage geplant
Das Landgericht Mannheim hat zunächst zehn Termine angesetzt. Ein Urteil könnte am Dienstag, 15. Dezember, verkündet werden. Die sechs Opfer treten nach Angaben des Gerichts nicht als Nebenkläger auf. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |