Prozess um Führerschein-Betrug in Heilbronn: So lief das System

Zunehmend decken Ermittler und Gerichte ein weit verzweigtes System der organisierten Kriminalität auf. (Symboldbild) | Foto: Sebastian Gollnow/dpa
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Heilbronn. Wer den Führerschein ohne eigene Prüfung bekommen wollte, konnte ihn laut Ermittlern über Jahre einfach kaufen. Vor dem Landgericht Heilbronn hat nun ein Prozess gegen eine mutmaßliche Bande begonnen, die genau dieses System organisiert haben soll.

Angeklagt sind fünf Personen, darunter zwei Betreiber von Fahrschulen. Die Gruppe soll Prüflinge gegen Bezahlung durch Doppelgänger ersetzt haben. Diese stellten sich bei Theorie oder Praxis als Kandidaten vor und legten die Prüfung an ihrer Stelle ab. Die Ermittler sprechen von einem der bislang größten Fälle organisierter Führerscheinkriminalität in Deutschland.

Nach der Anklage bot ein Fahrschulbetreiber aus Heilbronn das Modell seit 2022 an. Wer den Test nicht selbst bestehen wollte oder konnte, bekam einen möglichst ähnlich aussehenden Stellvertreter organisiert. Viele der Kunden kamen laut Ermittlungen aus Bulgarien. Ein Komplize vermittelte Interessenten. Ein weiterer organisierte die passenden Doppelgänger.

Nicht der erste Fall

Auch eine Fahrschule in Göppingen soll von dem Geschäft profitiert haben. Der Betreiber führte zudem Niederlassungen in Brackenheim, Sinsheim und Geislingen an der Steige.

Insgesamt listet die Anklage 59 Fälle auf. Die Taten sollen zwischen November 2022 und Juni des vergangenen Jahres passiert sein. Betroffen waren unter anderem Heilbronn, Eppingen und Öhringen sowie Vaihingen an der Enz, Buchen, Calw, Göppingen und Herrenberg. Auch Prüfungen in Leipheim und Unterhaching in Bayern sowie in Wiesloch tauchen in der Liste auf.

Ein mutmaßlicher Komplize wurde bereits verurteilt. Das Landgericht Heilbronn sprach ihn im März wegen Stellvertreterprüfungen in 31 Fällen schuldig. Das Gericht verhängte eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Bis zu acht Prüfungen pro Tag

Der Tüv Verband kennt solche Strukturen nach eigenen Angaben gut. Sprecher Marcellus Kaup beschreibt ein professionell organisiertes System. Manche Stellvertreter legten bis zu acht Prüfungen am Tag ab und reisten dafür durch ganz Deutschland.

Bundesweit wurden im vergangenen Jahr mehr als 4200 Täuschungsversuche bei theoretischen Führerscheinprüfungen registriert. Damit bleibt die Zahl auf hohem Niveau. In Baden Württemberg wurden 392 Fälle erfasst. In den beiden Jahren davor lagen die Zahlen jeweils noch über 500.

Technik und hohe Preise

Neben Doppelgängern setzen Betrüger häufig auf Technik. Versteckte Kameras in Brillen, Haarspangen oder Krawatten übertragen die Fragen nach draußen. Dort sitzt ein Helfer am Laptop und gibt die Antworten über einen kleinen Knopf im Ohr weiter.

Nach Einschätzung des Tüv Verbandes wird jedoch nur ein Teil der Fälle entdeckt. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen.

Wer den illegalen Service nutzt, muss tief in die Tasche greifen. Für einen erschlichenen Führerschein werden laut Experten Preise von 15000 Euro oder mehr verlangt. Der Tüv Verband fordert deshalb strengere Regeln. Organisierte Täuschungen sollten bundesweit als Straftat gelten und für Beteiligte verpflichtende Sperrfristen nach sich ziehen. dpa/red

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Cornelia Bauer aus Speyer

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