Prozess in Frankfurt nach E-Scooter-Todesfahrt gestartet
- Der Angeklagte soll E-Rollerfahrer tödlich verletzt haben.
- Foto: Hannes P. Albert/dpa
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Frankfurt. Für E-Scooter-Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer zeigt der Fall, wie schwer die Folgen von Tempo, Rausch und Kontrollverlust im Straßenverkehr sein können: Vor dem Landgericht Frankfurt hat der Prozess gegen einen 24 Jahre alten Autofahrer nach einem tödlichen Unfall in der Innenstadt begonnen.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem versuchten Mord aus Verdeckungsabsicht sowie fahrlässige Tötung vor. Nach Darstellung der Anklage soll er in der Nacht zum 5. Juli mit dem Auto seines Vaters auf der Mainzer Landstraße mit rund 75 km/h unterwegs gewesen sein. Erlaubt waren dort 50 km/h.
Zwei 23-Jährige starben nach der Kollision
Laut Anklage kam der Wagen wegen der überhöhten Geschwindigkeit und eines Rauschzustands von der Fahrbahn ab. Zuerst soll das Auto einen E-Scooter erfasst haben, auf dem zwei 23 Jahre alte Zwillingsbrüder gemeinsam fuhren. Beide wurden auf das Fahrzeug und anschließend auf die Straße geschleudert. Einer starb noch am Unfallort, sein Bruder wenige Stunden später im Krankenhaus.
Mann auf der Motorhaube mitgeschleift
Nur Sekunden später soll das Auto auch den E-Scooter eines 27-Jährigen erfasst haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde der Roller unter dem Wagen mitgeschleift. Der Fahrer schlug auf die Motorhaube, durchbrach mit dem Kopf die Windschutzscheibe und blieb mit einem Bein am Auto hängen. Der Angeklagte soll danach noch rund 70 Meter mit unverändertem Tempo weitergefahren sein, bis der Mann auf die Straßenbahnschienen stürzte.
Die Verletzungsfolgen des 27-Jährigen sind nach Angaben seines Anwalts bis heute schwer. Ein Unterschenkel musste amputiert werden. Hinzu kommen erhebliche Schäden am Gehirn und an inneren Organen. Der Nebenklagevertreter fordert unter anderem mindestens 300.000 Euro Schmerzensgeld sowie eine lebenslange Rente.
Angeklagter stellte sich später der Polizei
Nach dem Unfall soll der Fahrer geflüchtet sein. Etwa vier Kilometer vom Unfallort entfernt habe er das stark beschädigte Auto versteckt und die Kennzeichen entfernt. Nach einem Telefonat mit seinem Vater kehrte er laut Gericht etwa zwei Stunden später zurück und stellte sich der Polizei. Neun Tage danach kam er in Untersuchungshaft.
Die Verteidigung sprach zum Prozessauftakt von einer „menschlichen Katastrophe“ für die Opfer, deren Familien und auch für den Angeklagten. Er habe sich zur Unfallzeit in einem psychischen Ausnahmezustand befunden und sei nicht Herr seiner Sinne gewesen.
Zwei Zeugen sind derzeit nicht vernehmungsfähig
Der schwer verletzte 27-Jährige kann nach Angaben der Vorsitzenden Richterin wegen seiner gesundheitlichen Folgen derzeit nicht aussagen. Auch die damals 24 Jahre alte Frau aus der E-Scooter-Gruppe ist demnach aktuell nicht vernehmungsfähig. Sie blieb körperlich unverletzt, leidet laut Gericht aber psychisch schwer unter dem Geschehen.
Nach bisheriger Planung soll der Prozess bis Montag, 14. September dauern. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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