Missbrauch per Livestream in Ellwangen: Prozess gegen 46-Jährigen
- Ein Mann soll schweren sexuellen Missbrauch von Kindern angeleitet haben. (Symbolfoto)
- Foto: Arne Dedert/dpa
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Ellwangen. Vor dem Landgericht Ellwangen beginnt am Mittwoch, 10. Juni, um 12 Uhr ein Prozess wegen mutmaßlichen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern über Livestreams.
Ein 46 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Heidenheim soll Frauen auf den Philippinen dazu aufgefordert haben, Kinder vor einer Kamera sexuell zu missbrauchen. Laut Anklage verfolgte er die Taten live im Internet und gab über eine Chatfunktion Anweisungen.
Nach Angaben des Cybercrime-Zentrums der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe geht es um sechs Fälle. Die betroffenen Mädchen waren demnach zwischen vier und 13 Jahre alt.
Anklage wegen Anstiftung und Besitzes von Missbrauchsdarstellungen
Dem Angeklagten wird unter anderem Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Zudem soll er jugendpornografische Inhalte an andere Personen weitergegeben und selbst kinder und jugendpornografisches Material besessen haben.
Die Anklage bezieht sich auf mutmaßliche Taten aus den Jahren 2013, 2014 und 2019. Der Mann sitzt seit Mitte Dezember in Untersuchungshaft.
Live-Missbrauch aus der Ferne
Ermittler sprechen bei solchen Fällen von „Live Distant Child Abuse“. Dabei bezahlen Täter dafür, dass sexueller Missbrauch von Kindern live über das Internet übertragen wird.
Die Übertragung erfolgt meist nur für einen einzelnen zahlenden Kunden. Dieser kann die Taten sehen und hören und über eine Chatfunktion Einfluss auf das Geschehen nehmen. Laut Cybercrime-Zentrum reicht das Spektrum von Posing vor der Kamera bis zu schweren sexuellen Übergriffen.
Die Täter befinden sich häufig in einem anderen Land als die Opfer.
Internationale Ermittlungen führten zum Verfahren
Aufgedeckt wurden die mutmaßlichen Taten auch durch Ermittlungen des US-Ministeriums Homeland Security. Zuvor war auf den Philippinen ein pädokriminelles Netzwerk zerschlagen worden, das solche Liveübertragungen gegen Bezahlung organisiert haben soll. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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