Haftstrafe in Filderstadt: Urteil nach Fund der Kofferleiche

Opfer und Täter sollen sich vor der Tat im Drogenmilieu kennengelernt haben. | Foto: Christoph Schmidt/dpa
2Bilder
  • Opfer und Täter sollen sich vor der Tat im Drogenmilieu kennengelernt haben.
  • Foto: Christoph Schmidt/dpa
  • hochgeladen von Cornelia Bauer

Filderstadt. Ein Jahr nach dem Fund einer Frauenleiche in einem Rollkoffer ist vor dem Landgericht Stuttgart ein 51-Jähriger zu zwölf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt worden.

Nach Überzeugung der Kammer tötete der Mann im Sommer 2025 eine 39 Jahre alte Bekannte und entsorgte ihre Leiche in einem Trolley unter einer Brücke in Filderstadt. Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung verlangte Freispruch und kündigte Revision an.

Der Fund unter der Brücke

Im August 2025 hatten sich Anwohner über abgelegten Müll in einem ausgetrockneten Bachbett unter einer Brücke beschwert. In der Luft habe schon tagelang ein süßlich beizender Geruch gelegen. Mitarbeiter des Bauhofs öffneten schließlich einen abgestellten Rollkoffer und fanden darin die sterblichen Überreste einer Frau. Später wurde die Tote als 39-Jährige identifiziert, die dem Stuttgarter Drogenmilieu zugerechnet wurde.

Warum der Fall so besonders war

Der Leichnam hatte wochenlang in der Sommerhitze gelegen und war stark verwest, teils bereits skelettiert. Eine genaue Todesursache ließ sich deshalb nicht mehr feststellen. Auch ein klares Tatmotiv und unmittelbare Tatzeugen gab es nicht. Das Verfahren stützte sich daher weitgehend auf Indizien.

Das Gericht hielt dennoch einen natürlichen Tod, eine Überdosis oder einen Suizid für ausgeschlossen. Die Frau sei einen Tag vor ihrem Verschwinden noch gesund in ihrer Substitutionspraxis erschienen und habe Zukunftspläne gehabt. Nach Worten der Richterin komme nur ein gewaltsamer Tod in Betracht.

Diese Indizien belasteten den Angeklagten

Ermittler gehen davon aus, dass sich Opfer und Angeklagter erst wenige Wochen vor der Tat im Stuttgarter Drogenmilieu kennengelernt hatten. Beide wurden mehrfach zusammen gesehen, auch im Haus des Mannes. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fiel auf, dass sie besonders gründlich gereinigt und teilweise frisch gestrichen war. Selbst im Staubsaugerbeutel fanden Ermittler keine Haare mehr.

Hinzu kam der Fundort des Koffers. Er lag nur rund 150 Meter von der Wohnung des Angeklagten entfernt. Zudem fehlte an einem Anzug seines Vaters genau die Krawatte, mit der die Beine der Toten zusammengebunden worden sein sollen. Laut Gericht handelte es sich um ein besonderes Modell einer türkischen Marke, das in Deutschland nicht erhältlich gewesen sei.

Wie sich der Angeklagte selbst verriet

Besonders wichtig war für das Gericht der Internetverlauf des 51-Jährigen. Über Wochen suchte er demnach nach Möglichkeiten, Spuren einer Leiche zu beseitigen. Er recherchierte außerdem zu einer möglichen Ausreise in die Türkei, zu den Unterschieden zwischen Mord und Totschlag und dazu, in welches Gefängnis Untersuchungshäftlinge kommen.

Zu den Suchanfragen gehörten nach Gerichtsangaben auch Formulierungen wie „Leichenfund Filderstadt heute“ und „Katze gestorben auf Terrasse Geruch beseitigen“. Für einzelne Recherchen könne es zwar harmlose Erklärungen geben. In ihrer Gesamtheit seien sie aber hoch belastend, sagte die Richterin.

Was das Urteil bedeutet

Einen Mord schloss das Gericht nicht aus. Nachweisbar waren Mordmerkmale wie Habgier oder Heimtücke jedoch nicht. Deshalb blieb es bei der Anklage und Verurteilung wegen Totschlags. Sicher sei, dass der Mann den Tod der Frau zumindest billigend in Kauf genommen habe.

Der Angeklagte hatte über weite Strecken des Prozesses geschwiegen. In seinem letzten Wort erklärte er lediglich, die 39-Jährige nicht gekannt zu haben. Sein Verteidiger verwies auf offene Fragen und die Möglichkeit weiterer Beteiligter. Das Gericht sah dafür keine durchgreifenden Zweifel. dpa/red

Weitere Themen:

Ratgeber

Die Geschichten hinter den Sirenen: das Blaulicht-Jahr 2025

Rückblick Blaulicht 2025. Manche Nachrichten lassen einen kurz innehalten. Weil sie zeigen, wie schnell ein Alltag kippen kann. Und weil sie daran erinnern, wie schmal der Grat zwischen Routine und Ausnahmezustand ist. Der Blaulicht-Jahresrückblick erzählt von genau diesen Momenten – von Einsätzen, die Spuren hinterlassen haben. Bei Betroffenen. Und bei denen, die helfen. Hier gibt es einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse des Jahres in der Pfalz und der Region. Immer aktuell bleiben...

Ratgeber

Jetzt Blaulicht-Newsletter abonnieren und informiert bleiben

Neuer Blaulicht-Newsletter. Ab sofort bieten wir Ihnen einen wöchentlichen Blaulicht-Newsletter, der Sie regelmäßig über aktuelle Polizeimeldungen, Feuerwehreinsätze und neue Betrugsmaschen aus der Pfalz und Mannheim informiert. Unser Ziel ist es, Ihnen wertvolle Tipps zu geben, wie Sie sich und Ihre Liebsten im Alltag schützen können und zu erfahren, was in der Region passiert. Der Newsletter liefert Ihnen: Aktuelle Polizeiberichte zu Vorfällen in der Region.Einsätze der Feuerwehr, damit Sie...

Opfer und Täter sollen sich vor der Tat im Drogenmilieu kennengelernt haben. | Foto: Christoph Schmidt/dpa
Im Prozess um die verweste Kofferleiche in Filderstadt ist das Urteil gefallen. Ein 51-Jähriger muss für zwölf Jahre ins Gefängnis. | Foto: Christoph Schmidt/dpa
Autor:

Eva Bender aus Neustadt/Weinstraße

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

30 folgen diesem Profil
Kommentare sind deaktiviert.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.