Geständnis in Konstanz: Falscher Arzt behandelte 475 Menschen
- Der Prozess gegen einen falschen Arzt hat in Konstanz begonnen.
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Konstanz. Für Menschen, die sich in einer Konstanzer Schönheitspraxis behandeln ließen, ist der Prozess von besonderer Bedeutung: Ein 28-Jähriger hat vor dem Landgericht gestanden, sich mit gefälschten Unterlagen als Arzt ausgegeben zu haben.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Rettungssanitäter unter anderem Urkundenfälschung, Betrug und gefährliche Körperverletzung vor. Er soll sich die Stelle in der Praxis mit einer gefälschten Approbation und erfundenen Angaben zu einem Medizinstudium verschafft haben.
475 Behandlungen in einem Monat
Nach Angaben der Anklage behandelte der Mann in einem Monat rund 475 Patientinnen und Patienten. Viele hätten Schmerzen gehabt oder später über Beschwerden wie Krämpfe, verschwommene Sicht, Kieferschmerzen, Taubheitsgefühle sowie Nerven- und Kopfschmerzen geklagt.
In einem Fall soll ein Teil einer Spritze abgebrochen sein. Einer Patientin habe der Angeklagte versehentlich durch die Lippe gestochen. Fast alle Betroffenen hätten erklärt, sie hätten sich nicht von ihm behandeln lassen, wenn ihnen seine fehlende Approbation bekannt gewesen wäre.
Erfundenes Studium während der Pandemie
Der 28-Jährige schilderte zum Prozessauftakt, zunächst seinem Umfeld ein Medizinstudium vorgespielt zu haben. Während der Corona-Pandemie sei dies wegen Online-Vorlesungen und angeblicher Präsenztermine leichter möglich gewesen. Er habe viel medizinische Fachliteratur gelesen und später nur noch in Teilzeit im Rettungsdienst gearbeitet.
Für die Bewerbung in der Konstanzer Praxis kaufte er nach eigenen Angaben Zeugnisse und eine Approbationsurkunde bei einem chinesischen Anbieter im Internet. Die Unterlagen seien von der Ärztekammer in Niedersachsen anerkannt worden. Nach zwei Wochen Einarbeitung soll er bereits selbst Behandlungen vorgenommen haben.
Praxis bietet Betroffenen Nachsorge an
Die Praxis gehört zu einer Kette der als „Dr. Rick und Dr. Nick“ bekannten Ärzte und Influencer Henrik Heüveldop und Dominik Bettray. Beide erklärten in sozialen Netzwerken, auch sie seien getäuscht worden. Allen Betroffenen sei eine Nachsorge angeboten worden.
Der Angeklagte war bereits vor einigen Jahren wegen eines ähnlichen Falls in Braunschweig zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Seit April sitzt er in Untersuchungshaft. Ein Urteil könnte am Mittwoch, 28. Oktober, fallen. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |