Geiselnahme in Sinzig: Polizei-Experte vergleicht Einsatz mit Formel‑1‑Boxenstopp
- In Sinzig war die Polizei am Freitag von einer Geiselnahme in einer Bankfiliale ausgegangen.
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Sinzig. Bei unklaren Bedrohungslagen müssen Einsatzkräfte oft in kurzer Zeit weitreichende Entscheidungen treffen. Wie die Polizei in solchen Situationen vorgeht, zeigt ein aktueller Fall aus Sinzig in Rheinland-Pfalz und eine Einschätzung eines erfahrenen Experten.
Am Freitag, 8. Mai, war die Polizei in Sinzig zunächst von einer Geiselnahme in einer Bankfiliale ausgegangen. Erst nach mehreren Stunden konnten zwei Menschen aus einem verschlossenen Raum befreit werden. Beim Zugriff trafen die Einsatzkräfte jedoch keinen Täter an.
Wenig Informationen und hohe Dynamik
Martin Bachmaier, Vizepräsident der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, beschreibt solche Situationen als besonders anspruchsvoll. Nach seinen Angaben war er als früherer Fachgebietsleiter für Schwerkriminalität bereits bei einer dreistelligen Zahl ähnlicher Lagen im Einsatz.
„Die Zielrichtung bei unklaren Lagen, ob Geiselnahmen, Entführungen oder Anschläge, ist zuerst einmal zu klären, was tatsächlich vorliegt“, erklärt Bachmaier. Entscheidend sei das Sammeln verlässlicher Informationen. Dazu zählen etwa die Zahl möglicher Täter, mögliche Opfer sowie Hinweise auf Waffen.
Gerade zu Beginn eines Einsatzes fehle jedoch oft ein großer Teil der Informationen. Gleichzeitig könne sich die Lage sehr schnell verändern.
Entscheidung unter Zeitdruck
Die Einsatzleitung analysiert laut Bachmaier deshalb verschiedene mögliche Szenarien. Danach werden Wahrscheinlichkeiten bewertet und schließlich die aus Sicht der Polizei bestmögliche Entscheidung getroffen.
Um für solche Situationen vorbereitet zu sein, trainieren Einsatzkräfte ihre Abläufe regelmäßig.
Vergleich mit der Formel 1
Bachmaier vergleicht diese Vorbereitung mit einem Boxenstopp in der Formel 1. „Wenn man ein Formel 1 Team beim Boxenstopp sieht, weiß jeder ganz genau, was er machen muss“, sagt er. Auch bei der Polizei habe jedes Teammitglied eine klar definierte Aufgabe.
Trotz intensiver Vorbereitung bleibe jedoch ein gewisser Unsicherheitsfaktor. „Der Faktor Glück spielt in Teilen auch eine Rolle“, sagt Bachmaier. Ziel sei immer ein perfekter Einsatz. In der Praxis sei es jedoch sehr schwierig, tatsächlich hundert Prozent zu erreichen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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