Gedenkort in Mannheim: Bahn verstärkt Schutz in Zügen
- Im ersten Halbjahr 2026 wurden bei DB Regio 989 körperliche Übergriffe gezählt, darunter 22 schwere Körperverletzungen. (Archivbild)
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Mannheim. Wer mit Regionalzügen unterwegs ist, soll bei Kontrollen künftig häufiger mehr Personal, Bodycams und zusätzliche Schutzausrüstung sehen – in Mannheim erinnert die Deutsche Bahn zugleich an den im Dienst getöteten Zugbegleiter Serkan Calar.
Am Hauptbahnhof wurde auf Gleis 1 ein Gedenkort für den 36-Jährigen aus Ludwigshafen freigegeben. An der Zeremonie nahmen Bahnchefin Evelyn Palla, Bundesverkehrsminister Steffen Bilger von der CDU, Angehörige, Freunde sowie ehemalige Kolleginnen und Kollegen teil. Calars Dienstort war Mannheim.
Was die Bahn nach der Attacke ändert
Die Deutsche Bahn hat nach eigenen Angaben mehrere Sicherheitsmaßnahmen ausgeweitet. Im Mittelpunkt stehen Bodycams, mehr Personal bei Kontrollen und zusätzliche Trainings für Beschäftigte mit Kundenkontakt.
- Bodycams: Bei DB Regio haben mehr als 90 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Schulung absolviert.
- Tonaufzeichnung: Bei DB Regio Mitte soll von Oktober an getestet werden, ob Bodycams auch Ton aufnehmen.
- Doppelbesetzungen: Auf ausgewählten Strecken werden bis Jahresende Teams aus zwei Kundenbetreuern erprobt.
- Sicherheitsteams: In Pilotprojekten sollen Kundenbetreuung und Sicherheitskräfte gemeinsam unterwegs sein.
- Schutzausrüstung: Kundenbetreuer testen stichhemmende Westen, DB-Sicherheitskräfte erproben Schutzhelme.
Die Bahn setzt außerdem auf verpflichtende Deeskalationsschulungen. Bei DB Regio gibt es ein Training zur Selbstbehauptung im Zug, im Fernverkehr ein Selbstschutztraining. Von Freitag, 18. September, an soll zudem eine neue App Beschäftigten ermöglichen, freiwillig Kolleginnen und Kollegen in DB-Regio-Zügen zu unterstützen, bis DB Sicherheit oder Polizei eintreffen.
Warum mehr Personal eine Rolle spielt
Eine Kamera kann einen Angriff dokumentieren, ihn aber nicht in jedem Fall verhindern. Deshalb testet DB Regio auch mehr Personalpräsenz. Sechs bis acht Kundenbetreuer können gemeinsam eine Vollkontrolle durchführen. Die Bahn erwartet, dass schwierige Situationen dadurch schneller erkannt und besser entschärft werden können. DB-Regio-Chef Harmen van Zijderveld sagte, man tue alles, um die Sicherheit der Mitarbeitenden bei Kontrollsituationen zu erhöhen und durch mehr Personal auch brenzlige Situationen besser deeskalieren zu können.
Zahlen zeigen das Risiko für Zugpersonal
Die Bahn verweist auf eine hohe Zahl körperlicher Übergriffe. Im vergangenen Jahr wurden konzernweit 3.264 Angriffe auf Beschäftigte registriert. Rund 70 Prozent betrafen das Zugbegleitpersonal. Bei DB Regio waren es 1.659 Fälle. Im ersten Halbjahr dieses Jahres zählte DB Regio bereits 989 körperliche Übergriffe, darunter 22 schwere Körperverletzungen. Der Fall Serkan Calar ragt heraus, weil er tödlich endete.
Tödliche Attacke nahe Landstuhl
Calar war Anfang Februar in einem Regionalexpress nahe Landstuhl in der Westpfalz von einem Fahrgast ohne gültigen Fahrschein angegriffen worden. Er erlitt eine Hirnblutung und starb. Der Zugbegleiter hinterließ zwei minderjährige Kinder. Das Landgericht Zweibrücken verurteilte den 26 Jahre alten Täter wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus und verschärfte die Debatte über Sicherheit im öffentlichen Verkehr.
Gedenken auf Gleis 1
Auf Gleis 1 in Mannheim bleibt Calars Name nun sichtbar. Für die Bahn ist die Erinnerung mit dem Anspruch verbunden, Beschäftigte und Fahrgäste besser zu schützen. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig von der SPD will, dass Angriffe auf Bahn-Beschäftigte härter bestraft werden können. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |