Betrugsprozess in Heilbronn: Doppelgänger bei Führerscheinprüfungen
- Derzeit richtet sich der Blick der Fahrschulbranche vor allem auf Heilbronn.
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Heilbronn. Manipulierte Führerscheinprüfungen beschäftigen jetzt die Justiz im Südwesten. Vor dem Landgericht Heilbronn hat ein großer Prozess gegen eine mutmaßliche Bande begonnen, die mit Doppelgängern theoretische Fahrprüfungen erschlichen haben soll.
Fünf Männer stehen vor Gericht. Darunter sind laut Anklage auch die Betreiber von zwei Fahrschulen. Sie sollen ein Netzwerk organisiert haben, das Stellvertreter für Prüfungen vermittelte. Diese Personen legten gegen Bezahlung die theoretische Führerscheinprüfung für andere ab.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten insgesamt 59 Taten im Raum Heilbronn und Göppingen vor. Laut Anklage arbeiteten Organisatoren, Vermittler und Prüflings Doppelgänger eng zusammen. Der Staatsanwalt sprach zum Prozessauftakt von einer professionell organisierten Einnahmequelle über längere Zeit.
Tausende Euro für bestandene Theorieprüfungen
Nach Ermittlerangaben zahlten Prüflinge in vielen Fällen rund 2000 Euro für den Betrug. Teilweise sollen noch deutlich höhere Summen geflossen sein.
Die Beschuldigten mit deutscher, bulgarischer und syrischer Staatsangehörigkeit sollen so zusammen mehr als 179000 Euro eingenommen haben. Das Geld sei anschließend untereinander aufgeteilt worden.
Es ist nicht der erste Prozess gegen Beteiligte. Bereits im März wurde ein mutmaßlicher Komplize in Heilbronn zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er sich in 31 Fällen als Doppelgänger für andere Prüflinge ausgegeben hatte.
Betrug bei Fahrprüfungen oft organisiert
Nach Einschätzung des Tüv Verbands steckt hinter vielen aufgedeckten Fällen ein professionelles System. Bundesweit sei etwa jeder zweite entdeckte Betrugsversuch bei Führerscheinprüfungen organisiert.
Die Dunkelziffer dürfte laut Verband deutlich höher sein. Gleichzeitig fallen weiterhin viele Kandidaten durch die Theorie oder Praxis. Im vergangenen Jahr bestanden rund 41 Prozent der Prüflinge ihre Führerscheinprüfung nicht. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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