Anti-Mafia-Schlag in Stuttgart: Sechs Haftbefehle vollstreckt
- Bei einer von EUROPOL koordinierten Anti-Mafia-Razzia des LKA Baden-Württemberg wurden in mehreren Ländern sechs Haftbefehle vollstreckt. Sichergestellt wurden Waffen, Drogen, Falschgeld, Datenträger und mutmaßlich mit kriminellem Geld bezahlte Wertgegenstände.
- Foto: Symbolfoto Bundespolizeiinspektion Bad Bentheim
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Stuttgart. Am Mittwoch, 9. September, haben Einsatzkräfte zeitgleich in Stuttgart, im Rems-Murr-Kreis, in Neapel und Bern sowie auf Gran Canaria insgesamt 14 Wohn- und Gewerbeobjekte durchsucht. Das teilte das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit. Die Aktion richtete sich gegen mutmaßliche Angehörige der Italienischen Organisierten Kriminalität. Unter der Sachleitung der Staatsanwaltschaft Stuttgart koordinierte EUROPOL den Einsatz in Deutschland, Italien, Spanien und der Schweiz.
Das Ergebnis: sechs vollstreckte Haftbefehle sowie sichergestellte Waffen, Drogen, Falschgeld, Mobiltelefone, Datenträger und mehrere Wertgegenstände. Diese sollen offenbar mit kriminellem Geld bezahlt worden sein. Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Festnahme eines 47-jährigen italienischen Staatsangehörigen im November 2021 in Baden-Württemberg. Italienische Behörden suchten ihn damals mit internationalem Haftbefehl. Ihm wurde vorgeworfen, der bewaffneten, mafiaartigen Vereinigung der Camorra anzugehören und in Geschäfte mit Falschgeld, Geldwäsche und Betäubungsmitteln verwickelt zu sein. Der Mann wurde nach Italien ausgeliefert, kam dort im Frühjahr 2022 aber wieder frei.
Nach Angaben des LKA stand der 47-Jährige danach mit weiteren Tatverdächtigen in Kontakt. Dazu zählen ein 49- und ein 44-jähriger Italiener, die jeweils ein Restaurant in Stuttgart betreiben. In den Lokalen soll mit Falschgeld und Rauschgift gehandelt worden sein. Der 47-Jährige soll die Ware bei mehreren Beschaffungsfahrten von Neapel nach Deutschland geschmuggelt haben. Dabei soll Falschgeld im Nennwert von mehreren Hunderttausend Euro nach Deutschland gelangt sein. Vor der Weitergabe in den Wirtschaftskreislauf sollen die gefälschten Scheine unter anderem bei einem 35-jährigen türkischen Mittäter in einem Schmuckgeschäft im Rems-Murr-Kreis zwischengelagert worden sein. Dort war bereits 2024 bei einer Durchsuchung eine geringe Menge Falschgeld sichergestellt worden.
Viele Einkäufe mit den gefälschten Euro-Scheinen soll ein 42-jähriger italienischer Tatverdächtiger getätigt haben. Er war im Herbst 2025 zunächst untergetaucht, nachdem gegen ihn wegen Gewaltdelikten gegen seine Lebensgefährtin ermittelt wurde. Durch Fahndungsmaßnahmen lokalisierten Einsatzkräfte ihn im Bereich Offenburg und nahmen ihn dort fest. Das Falschgeld sollen die Tatverdächtigen in einem Fall auch über einen weiteren 42-jährigen Italiener in Neapel bezogen haben. Dieser setzte sich später nach Spanien ab und wurde bei der zentral vom LKA Baden-Württemberg koordinierten Aktion durch spanische Strafverfolgungsbehörden in seinem Haus auf Gran Canaria festgenommen.
Auch ein in Bern lebender Mann mit syrischer Staatsangehörigkeit soll in die Beschaffung von Rauschgift eingebunden gewesen sein. Seine Wohnung wurde von der Schweizer Polizei durchsucht. Gegen alle tatverdächtigen Männer wurden die von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehle in Vollzug gesetzt. Fünf Männer sitzen nun in Untersuchungshaft. Der 42-Jährige aus Spanien wurde gegen Auflagen wieder entlassen. Unterstützt wurden die Ermittlungen durch das EU-finanzierte @ON-Netzwerk unter Federführung der italienischen Direktion für Anti-Mafia-Ermittlungen DIA.
Autor:Jens Vollmer aus Kaiserslautern |