36 Verdächtige im Visier: Bundesweite Razzia gegen rechte Jugendgruppen
- Bei den Durchsuchungen gegen mutmaßliche junge Rechtsextremisten gibt es die meisten Beschuldigten in Nordrhein-Westfalen. (Archivbild)
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Karlsruhe. Bundesweit laufen seit dem frühen Morgen Durchsuchungen gegen mutmaßliche rechtsextreme Jugendgruppen. Die Ermittlungen werden von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe geführt.
In insgesamt zwölf Bundesländern durchsuchten Ermittler Wohnungen und andere Objekte von 36 Beschuldigten. Vorgeworfen wird ihnen die Bildung oder Mitgliedschaft in den kriminellen Vereinigungen „Jung und Stark“ sowie „Deutsche Jugend Voran“. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sollen viele der Verdächtigen führende Rollen in den Gruppen haben.
Die meisten Beschuldigten stammen aus Nordrhein Westfalen. Dort werden neun Personen gezählt. Je fünf Verdächtige leben in Brandenburg und Sachsen. Baden Württemberg, Thüringen, Hamburg und Bremen sind von den aktuellen Maßnahmen nicht betroffen.
Der jüngste Beschuldigte soll erst 16 Jahre alt sein. Festnahmen waren zunächst nicht geplant. Ermittler konzentrieren sich auf Durchsuchungen und die Sicherstellung von Beweismitteln.
Verdacht auf Angriffe gegen politische Gegner
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft existieren die Gruppierungen seit Mitte 2024. Sie seien bundesweit organisiert und hätten regionale Ableger aufgebaut. Mitglieder vernetzten sich über soziale Medien und bei regelmäßigen Treffen.
Dabei soll es wiederholt Aufrufe zu Gewalt gegeben haben. Ziel seien politische Gegner gewesen sowie Menschen, die von den Gruppen als Pädophile bezeichnet wurden. Laut Ermittlern griffen mehrere Beschuldigte tatsächlich Personen an. Die Opfer wurden von mehreren Tätern geschlagen und teilweise erheblich verletzt.
Störungen bei Christopher Street Day
Auch Veranstaltungen der queeren Community gerieten ins Visier. In den vergangenen Jahren kam es nach Behördenangaben zu Störungen und Angriffen bei Paraden zum Christopher Street Day.
Das Bundeskriminalamt beobachtet seit Mitte 2024 verstärkt neue rechtsextreme Jugendgruppen. Viele hätten sich zunächst im Internet gebildet und seien später mit Aktionen und Straftaten öffentlich in Erscheinung getreten.
Sicherheitsbehörden schätzten die Anhängerschaft der Gruppe „Jung und Stark“ zeitweise auf mehrere hundert Personen. „Deutsche Jugend Voran“ soll mehr als hundert Unterstützer haben.
Justizministerin spricht von Bedrohung
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig äußerte sich am Mittwoch, 6. Mai, besorgt über den Zulauf solcher Gruppen. Militante rechtsextreme Organisationen gewännen gerade unter jungen Menschen neue Anhänger.
Die Aktionen richteten sich gegen Menschen, die in das rechtsextreme Feindbild passen, und zugleich gegen die demokratische Ordnung. Rechtsextremismus sei eine der größten inneren Gefahren für Deutschland.
Auch Nordrhein Westfalens Innenminister Herbert Reul betonte, die Gruppen hätten gezielt Jugendliche über soziale Medien angesprochen und mit einfachen Feindbildern radikalisiert. Die Durchsuchungen sollten ein klares Signal der Strafverfolgung setzen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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