Sicherheitsblick in Bregenz: Warum ein Mann unsichtbar bleibt
- Er sorgt für einen reibungslosen Ablauf auf der Seebühne.
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Bregenz. Für das Publikum wirkt auf der Seebühne oft alles mühelos, in Bregenz steckt dahinter jedoch millimetergenaue Sicherheitsarbeit im Hintergrund. Genau dafür sorgt Bühnenmeister Sami Kyllönen bei den Bregenzer Festspielen – möglichst so, dass ihn niemand bemerkt.
Schwarze Kleidung gehört für den 54-Jährigen und sein Team zum Arbeitsalltag. Sichtbar werden sollen nicht die Techniker, sondern die Inszenierung und die Sicherheit auf der Bühne. Seit mehr als zehn Jahren koordiniert Kyllönen auf der Seebühne die Abläufe hinter den Kulissen. Sein Team achtet darauf, dass niemand abstürzt, schwere Bühnenteile im richtigen Moment bewegt werden und die Vorstellung reibungslos läuft.
Wind, Regen und Gewitter als größte Herausforderung
Die größte Unbekannte ist auf der Seebühne nicht die Technik, sondern das Wetter. Anders als in einem geschlossenen Theater muss das Team ständig auf Wind, Regen und Gewitter reagieren. Schon Böen von rund 40 Kilometern pro Stunde können Änderungen im Ablauf nötig machen. Für viele Szenen gibt es deshalb mehrere Sicherheitsvarianten.
Kyllönen beschreibt die Lage auf der Seebühne so: Wasser komme von unten, von oben und teils von der Seite. Gerade deshalb sei es wichtig, dass Künstler sich auf ihre Auftritte konzentrieren können. Angst und Gesang passten nicht zusammen.
Bei Blitzen wird sofort unterbrochen
Schlagen Blitze in der Nähe ein, wird die Vorstellung nach seinen Angaben sofort gestoppt. Dafür gibt es einen roten Knopf. Dann werden alle Künstler umgehend von der Bühne gebracht und in Sicherheit gebracht. Mit Gewittern werde auf dem Bodensee nicht experimentiert.
In diesem Sommer feiern die Bregenzer Festspiele ihre 80. Ausgabe. Ab Mittwoch, 22. Juli wird Giuseppe Verdis „La Traviata“ auf der Seebühne am Bodensee gezeigt. Die Bühne ist seit Jahren für spektakuläre Bilder bekannt und diente schon als Kulisse für einen James-Bond-Film. Die Vorstellungen auf der Seebühne sind bereits ausverkauft. Bis Ende August werden mehr als 200.000 Besucher erwartet.
Kontrollen beginnen Stunden vor der Oper
Für das Publikum startet der Abend mit dem ersten Ton des Orchesters. Für Kyllönen und sein rund zehnköpfiges Team beginnt die Arbeit schon Stunden früher. Dann werden Hydraulik, Motoren, Seile und Sicherheitsanlagen überprüft. Während der Vorstellung behalten die Techniker sowohl die Künstler als auch die Bühnentechnik im Blick.
Nach dem Ende jeder Aufführung wird die gesamte Bühnenmaschinerie wieder in eine sturmsichere Position gebracht. Am nächsten Nachmittag beginnt die Vorbereitung erneut. Nach jeder zweijährigen Spielserie wird die Seebühne zudem fast vollständig zurückgebaut und für die nächste Produktion neu errichtet. Aus dem Bodensee entsteht dann Schritt für Schritt wieder eine neue Opernwelt.
Zum Ausgleich wartet zu Hause die Farbe
Trotz der hohen Verantwortung beschreibt Kyllönen seine Arbeit auf dem See als besonderen Ort. Im Team gibt es sogar eine WhatsApp-Gruppe nur für Sonnenuntergänge. Tausende Fotos sind dort laut Kyllönen bereits zusammengekommen.
Zu seinem Beruf kam er eher zufällig. Ursprünglich arbeitete er als selbstständiger Kunsthandwerker und baute Requisiten. Über Kontakte kam er zu den Festspielen und später zur Ausbildung als Bühnenmeister.
Nach Feierabend endet für ihn der schwarze Arbeitsalltag. Zu Hause wartet ein knallblaues Haus mit bunten Fensterläden. Die Farbe durfte einst sein jüngster Sohn aussuchen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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