Schmerzhafte Worte bei Bill Kaulitz: So schlimm war seine Jugend
- Bill Kaulitz steht beim Tourauftakt der Band Tokio Hotel in der MHP Arena auf der Bühne. (zu dpa: «Bill Kaulitz: Queerfeindliche Übergriffe schmerzen bis heute»)
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Bill Kaulitz. Der Sänger spricht so offen wie selten über queerfeindliche Übergriffe in seiner Jugend und macht deutlich, wie tief diese Erfahrungen bis heute nachwirken. Der Tokio-Hotel-Frontmann sagte im Interview mit dem "Stern", dass ihm damals "die Hose runtergezogen wurde" oder ihm "im Schwimmbad zwischen die Beine gefasst wurde".
Dabei sei es darum gegangen, sein Geschlecht zu identifizieren. "Das war für mich fast normal, und aus Scham habe ich es oft niemandem erzählt", sagte der Musiker. Den Schmerz von damals trage er bis heute in sich.
Heute könne er vor allem wegen seines Umfeldes in Los Angeles anders über diese Zeit sprechen. "Weil ich ein anderes Selbstbewusstsein habe, das es mir ermöglicht, meinen Schmerz von damals einzuordnen. Vielleicht sogar zu vergessen."
Bill Kaulitz spricht über Angst, Hass und Gewalt
Auch im Alltag müsse er sich jener Feindlichkeit inzwischen seltener aussetzen. "Ich kann heute mit meinen Haaren und meinen 'Penisschuhen' hier sitzen, weil ich weiß, dass ich mich wehren kann. Aber ich weiß, dass das für viele andere nicht die Realität ist."
Gerade jetzt steht Bill Kaulitz wieder besonders im Fokus, weil die dritte Staffel von "Kaulitz & Kaulitz" seit Mittwoch, dem 23. Juli, bei Netflix läuft. Darin sprechen Bill und sein Zwillingsbruder Tom Kaulitz auch über ihr Aufwachsen im Raum Magdeburg.
"Das war keine behütete Kindheit", sagte Bill der Deutschen Presse-Agentur. Diese Zeit sei rough gewesen und von Angst, Hass und Gewalt geprägt. In der Serie reisen die Brüder auch für ein Klassentreffen zurück in ihre frühere Heimat.
Das Klassentreffen wurde für Bill Kaulitz zum heilsamen Moment
"Für mich war das sehr heilend", sagte Bill. "Ich mag nicht gerne so einen Groll mit mir rumtragen." Beide seien keine nachtragenden Menschen. Auch Tom Kaulitz bezeichnete das Klassentreffen als einen der schönsten Momente des vergangenen Jahres.
Für Fans der Band und der Netflix-Serie zeigt dieser sehr persönliche Einblick, warum die neuen Folgen mehr sind als nur Promi-Unterhaltung. Sie erzählen auch, wie prägend Herkunft, Ausgrenzung und Versöhnung sein können. dpa/red
Autor:Stephanie Walter aus Wochenblatt Kaiserslautern |