Premiere in Worms: Nibelungen zeigen düstere Gegenwart

Eine spielfreudige Maria Dragus zeigt die rachedurstige Kriemhild als zutiefst verletzten Menschen. (Archivbild) | Foto: Uwe Anspach/dpa
  • Eine spielfreudige Maria Dragus zeigt die rachedurstige Kriemhild als zutiefst verletzten Menschen. (Archivbild)
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Worms. Die Premiere der Nibelungen-Festspiele in Worms bringt dem Publikum in diesem Sommer keine Heldensage, sondern einen Abend über Macht, Gewalt und Vergeltung.

Mit „Die Hunnenkönigin“ haben die Festspiele am Freitagabend vor mehr als 1.400 Gästen ihre neue Inszenierung gezeigt. Die britische Theatercompagnie Les Enfants Terribles erzählt den Nibelungenstoff als modernes Drama. Hinter der kreisrunden Drehbühne ragt der Wormser Dom auf. Regie führten Oliver Lansley und James Seager.

Premiere setzt auf starke Bilder

Die Aufführung beginnt zunächst leicht und festlich. Doch schon früh kippt die Stimmung. Königinmutter Ute, gespielt von Jeanette Hain, rechnet mit einer kriegerischen Männerwelt ab. Kriemhild erscheint später mit einem abgetrennten Schädel in der Hand. Die Bühne dreht sich fast ohne Unterbrechung. So wird der Kreislauf aus Gewalt und Rache sichtbar.

Zu den prägenden Rollen des Abends gehören Maria Dragus als Kriemhild, Aram Tafreshian als Etzel, Vinzenz Wagner als Siegfried und Heiko Raulin als Hagen. Dragus zeigt Kriemhild als verletzte Figur, die sich Schritt für Schritt zur Machtfigur wandelt.

Aktuelle Debatten klingen auf der Bühne an

Die Inszenierung stellt immer wieder die Frage, wer als zivilisiert gilt und wer als barbarisch. Gerade in den Szenen mit Etzel wirken viele Sätze nah an politischen Debatten der Gegenwart. Es geht um Frieden, Abschreckung und die Gefahr neuer Gewaltspiralen.

Auch Verteidigungsminister Boris Pistorius war als Premierengast vor Ort. In der Pause sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur, viele Gedanken des Stücks passten zur aktuellen Lage. Frieden könne brüchig werden, wenn er nicht geschützt werde.

Musik von Alice Merton prägt den Abend

Für eine besondere Atmosphäre sorgt Sängerin Alice Merton mit eigens komponierten Liedern. Gemeinsam mit Gitarrist Alexander Wolfe steht sie auf der Bühne. Die Songs werden auf Deutsch und Englisch gesungen und begleiten die Handlung durch den Abend.

  • Neue Inszenierung der Nibelungen-Festspiele: „Die Hunnenkönigin“
  • Premiere am Freitagabend in Worms
  • Mehr als 1.400 Gäste bei der Eröffnung
  • Musik live auf der Bühne von Alice Merton und Alexander Wolfe

Viel Applaus nach rauem Premierenabend

Am Ende zeichnet die Aufführung kein historisches Lehrstück, sondern eine Gegenwartsfrage. Gewalt beginnt in dieser Lesart nicht erst mit dem ersten Schlag, sondern mit Kränkung, Überheblichkeit und dem festen Glauben, auf der richtigen Seite zu stehen. Für diese düstere und bildstarke Premiere gab es viel Applaus. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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