Neubau im Europa-Park bei Rust: Kultsong der Euro-Mir wackelt

Benjamin Klug (l) und Christian Steiger (r) haben vor rund 30 Jahren den Achterbahn-Soundtrack geschrieben. | Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
  • Benjamin Klug (l) und Christian Steiger (r) haben vor rund 30 Jahren den Achterbahn-Soundtrack geschrieben.
  • Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
  • hochgeladen von Cornelia Bauer

Rust. Mit dem geplanten Neubau der Achterbahn „Euro-Mir“ im Europa-Park könnte auch ihr berühmter Soundtrack verschwinden. Der seit fast 30 Jahren laufende Dance-Track mit dem markanten „Dü-di-de-dü“-Motiv hat Kultstatus und begleitet Millionen Fahrgäste bei der Fahrt durch den Weltraum-Themenbereich.

Millionen Menschen kennen die Melodie. Die meisten haben sie allerdings nicht im Radio gehört, sondern während einer Fahrt mit der Achterbahn im Freizeitpark in Rust. In sozialen Netzwerken ging der Song zuletzt viral. Gleichzeitig wächst unter Fans die Sorge, dass er mit dem angekündigten Neubau der Bahn nicht mehr verwendet wird.

Zwei Freiburger hinter dem Ohrwurm

Komponiert wurde der Track 1997 von Benjamin Klug und Christian Steiger aus Freiburg. Heute arbeiten beide in der Softwarebranche. Damals waren sie Anfang 20 und jobben in einem Tonstudio nahe Freiburg, als sie den Auftrag erhalten, Musik für eine neue Hochgeschwindigkeitsachterbahn zu produzieren.

Die Vorgabe des Europa-Parks war klar. Der Song musste in einer Endlosschleife funktionieren und zur Weltraum-Thematisierung passen. Um das Gefühl der Fahrt einzufangen, steigen die beiden Musiker immer wieder selbst in die drehenden Gondeln der Bahn.

„Dü-di-de-dü“ beschreibt das zentrale Motiv des Songs am besten. Laut Klug handelt es sich um ein Pizzicato-Sample, das an eine angezupfte Geige erinnert. Das Erfolgsrezept sei bewusst einfach gewesen. „Das sind letztendlich maximal einfache Tonfolgen. Genau das macht es so eingängig.“

Synthesizer, Echoeffekte und eine russische Stimme

Rund zwei Monate arbeiten Klug und Steiger an dem Stück. Sie ergänzen Synthesizer-Sounds, Beats und Echoeffekte. Dazu kommt eine stark verfremdete russische Stimme. Sie stammt von einem russischstämmigen Mitarbeiter des Freizeitparks.

Die Worte passen zum damaligen Thema der Bahn. „Euro-Mir“ ist nach der Raumstation Mir benannt. Neben der Strecke steht ein Trainingsmodul der Station. Im Song wird unter anderem erwähnt, dass sich die Raumstation seit elf Jahren im All befindet. Dazu kommen pathetische Sätze über Raumfahrt und Zukunft sowie ein Countdown wie bei einem Raketenstart.

Achterbahn soll ersetzt werden

Fast drei Jahrzehnte nach der Eröffnung sollen die bunten Züge der „Euro-Mir“ in diesem Jahr zum letzten Mal fahren. Der Europa-Park plant eine neue Attraktion an gleicher Stelle. Nach Angaben des Parks wird an einer Kooperation mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA gearbeitet. Das Weltraumthema soll also bleiben.

Ob der bekannte Soundtrack ebenfalls eine Zukunft hat, ist offen. Eine Sprecherin des Parks erklärte, dazu könne derzeit nichts gesagt werden. Gleichzeitig sei bekannt, dass der Song „weit über den Europa-Park hinaus Kultstatus“ habe.

Millionen Streams und virale Videos

Nach Schätzung von Christian Steiger wurde der Titel über Streamingdienste wie Spotify und Apple Music zwischen 40 und 50 Millionen Mal abgespielt. Hinzu kommen Millionen Aufrufe auf Plattformen wie TikTok oder Instagram.

Ein Instagram-Video von Steiger mit dem Kommentar „Du hast vor 30 Jahren einfach einen Track komponiert und plötzlich ist er für Millionen ein Stück Kindheit“ erreichte zuletzt rund drei Millionen Aufrufe. Auch andere Beiträge sammeln tausende Reaktionen. Eine Nutzerin aus der Schweiz startete sogar eine Art Petition auf Instagram, damit die Musik der Euro-Mir erhalten bleibt.

Vorbild für mögliche Lösung

Hoffnung macht vielen Fans ein früherer Umbau im Europa-Park. Die Dunkelachterbahn „Eurosat“ wurde im Jahr 2018 neu gestaltet. Der frühere Techno-Soundtrack verschwand nicht vollständig. Das prägnante Motiv taucht weiterhin im neuen Sound der Attraktion auf.

Auch Klug und Steiger könnten sich eine Rückkehr vorstellen. Beide zeigen grundsätzlich Interesse an einer neuen Version ihres Stücks. Gleichzeitig sehen sie die Erwartungen der Fans. „Das Ding muss dann schon richtig gut werden“, sagt Steiger.

Zeit für eine Entscheidung bleibt. Der Europa-Park plant, die neue Achterbahn an der Stelle der „Euro-Mir“ im Jahr 2028 zu eröffnen. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

Cornelia Bauer auf Facebook

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

78 folgen diesem Profil
Kommentare sind deaktiviert.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.