Live-Konzert in Mainz: Flügel spielt dank Internet von selbst
- Rund 10.000 mit der Technik ausgestattete Flügel gibt es weltweit. Davon etwa 500 in Deutschland.
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Mainz. Ein Konzert erleben, obwohl der Pianist gar nicht im Saal sitzt. Genau das ist im Kalkhof Rose Saal der Akademie der Wissenschaften und der Literatur möglich. Ein Steinway Flügel spielt dort scheinbar von Geisterhand, während der Künstler an einem anderen Ort live musiziert.
Am Montag, 29. Juni, ist dieses ungewöhnliche Konzerterlebnis mit dem japanischen Komponisten und Pianisten Hayato Sumino geplant. Der Musiker tritt in der Löwenherz Privatbrauerei in Wehrheim im Taunus auf. Sein Spiel wird in Echtzeit nach Mainz übertragen. Einige kostenlose Karten für das Konzert sind noch erhältlich.
Flügel bewegt sich wie bei einem echten Auftritt
Im Saal der Akademie sehen Besucher, wie sich die Tasten des schwarzen Flügels bewegen. Gleichzeitig läuft auf einer großen Leinwand die Videoübertragung des Pianisten. Der Unterschied zum Originalkonzert ist laut Steinway Vertreter Marko Hartung nur einer. „Der Künstler ist nicht hier.“
Die Technik sorgt dafür, dass Anschlag, Dynamik und Pedalbewegungen exakt übertragen werden. Für Zuhörer entsteht der Eindruck eines normalen Live Konzerts.
Optische Messung erfasst jede Bewegung
Möglich macht das die sogenannte Spirio Technik von Steinway. Dabei wird die Geschwindigkeit der 88 Hammerköpfe im Flügel optisch gemessen. Das geschieht bis zu 800 Mal pro Sekunde.
Das System erkennt rund 1000 Dynamikstufen. Auch mehr als 250 Positionen der Pedale werden digital erfasst. Im Instrument bewegen anschließend kleine Kunststoffstoßer die Mechanik. Elektromagneten treiben diese Bewegung an. So entstehen exakt die gleichen Töne wie beim Spiel des Pianisten am entfernten Instrument.
Konzerte können weltweit gleichzeitig erklingen
Nach Angaben von Steinway stehen weltweit rund 10000 Flügel mit dieser Technik. Ein Konzert kann deshalb gleichzeitig an vielen Orten erklingen.
Ein solcher Flügel kostet etwa 235000 Euro. In Deutschland gibt es rund 500 Instrumente mit Spirio System. Einige stehen in privaten Häusern, andere in kleineren Konzertsälen.
Akademie plant Übertragungen aus Mainz
Der Kalkhof Rose Saal in Mainz bietet Platz für etwa 90 bis 100 Zuhörer. Der Saal wurde von der Mäzenin Sibylle Kalkhof Rose gestiftet und kostete rund 1,8 Millionen Euro. Laut Akademie finden dort jährlich etwa 50 bis 60 kostenlose Konzerte statt.
Künftig soll die Technik nicht nur Konzerte nach Mainz holen. Geplant ist auch, Auftritte aus dem Saal selbst in andere Städte der Welt zu übertragen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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