Frühe Weinlese am Kaiserstuhl: Was der Start für den Jahrgang bedeutet

Am Kaiserstuhl hat die Hauptweinlese begonnen.  | Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
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Kaiserstuhl. Für Weintrinker und Winzer wird der Jahrgang schon jetzt greifbar: Am Kaiserstuhl hat die Hauptweinlese so früh begonnen wie noch nie. Seit vergangener Woche werden dort Trauben gelesen, seit Montag, 17. August, auch erste Sauvignon-Blanc-Trauben.

Winzer Friedhelm Rinklin aus Eichstetten spricht vom „mit Abstand frühesten Beginn“, an den er sich erinnern kann. Üblich ist in Baden ein Start Ende August oder Anfang September. In seinen Anfangsjahren im Weinbau lag der Termin nach seinen Angaben sogar eher um den 20. September.

Warum die Lese schon Mitte August startet

Die warme Witterung hat die Entwicklung der Reben in diesem Jahr deutlich beschleunigt. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts war Baden damit das erste deutsche Weinbaugebiet, in dem die Lese für Federweißen begonnen hat. Auch an der Ahr wurden bereits Mitte August erste Trauben geerntet. In diesem Ausnahmejahr geht die frühe Lese teils direkt in die Hauptweinlese über.

Für die Betriebe hat das Folgen. Wenn viele Sorten fast gleichzeitig reif werden, steigt der Zeitdruck bei Ernte und Organisation. Saisonarbeitskräfte werden normalerweise erst für Ende August oder Anfang September eingeplant. In diesem Jahr könnte am Kaiserstuhl bis Anfang September bereits etwa die Hälfte der Ernte eingebracht sein.

Was Hitze und Trockenheit für die Qualität bedeuten

Nach Einschätzung von Rinklin sind die Trauben bislang sehr gut ausgereift. Die Säure sei moderat. Grundsätzlich kommen Reben mit Wärme gut zurecht. Zugleich gab es die Sorge, dass Wassermangel die Entwicklung bremsen könnte.

Nach Angaben des Deutschen Weininstituts sind die Beeren wegen der Trockenheit in diesem Jahr teils kleiner als üblich. Dadurch steigen die Zuckergehalte schneller. Für Winzer ist der richtige Lesezeitpunkt deshalb besonders wichtig.

Der Badische Weinbauverband betont, dass sich die Lage je nach Standort stark unterscheidet. Entscheidend sind unter anderem Bodenart, Wasserspeichervermögen, Alter der Reben und die Verteilung der Niederschläge. Ältere Reben mit tiefen Wurzeln kommen demnach oft besser durch Trockenphasen.

Kann Trockenheit dem Wein auch nützen

Die warme und trockene Witterung hat nach Angaben des Weinbauverbands auch Vorteile. Pilzerkrankungen sind in vielen Beständen bislang gering. Dadurch sind die Trauben oft gesund.

Auch kleinere Beeren können sich positiv auswirken. Weil ihr Schalenanteil im Verhältnis zum Saft höher ist, kann das zu einer stärkeren Konzentration von Aromen und anderen Inhaltsstoffen beitragen.

Problematisch bleibt anhaltender Wassermangel vor allem für junge Rebanlagen und leichte Böden. In einigen Anlagen wurde deshalb bewässert. Das hilft den Pflanzen, erhöht für die Betriebe aber die Kosten.

Mehr Menge ist trotz Frühstart nicht sicher

Ein früher Beginn der Weinlese bedeutet nicht automatisch mehr Ertrag. Rinklin rechnet am Kaiserstuhl eher mit einer moderaten Ernte. Wegen der Trockenheit seien die Trauben weniger prall. Seine Schätzung liegt bei zehn bis 20 Prozent weniger Ertrag als im Vorjahr.

Auch der Weinbauverband Württemberg warnt davor, die Erntemenge schon jetzt festzulegen. In den kommenden Wochen sei noch vieles möglich, von einem Vollertrag bis zu deutlichen Einbußen.

Wie es in Baden und Württemberg weitergeht

Nicht alle Winzer in Baden haben bereits mit der Hauptlese begonnen. Nach Angaben des Badischen Weinbauverbands sind aber erste Betriebe schon so weit. Die Branche im Anbaugebiet gilt inzwischen als startklar, auch wenn die Lese noch nicht überall auf breiter Front läuft.

In Württemberg wollen erste Betriebe in den kommenden Tagen mit der Ernte für Federweißen, Traubensaft und Sektgrundwein beginnen. Der Weinbauverband erwartet den Beginn der allgemeinen Lese im gesamten Gebiet ab Dienstag, 1. September.

Spricht der frühe Start für einen neuen Normalfall

Frühe Ernten hat es nach Angaben aus dem Weinbau immer wieder gegeben. Gleichzeitig beobachten Winzer seit Jahren, dass sich der Zeitpunkt nach vorn verschiebt. Auch der Badische Weinbauverband geht davon aus, dass die Lese wegen des Klimawandels künftig tendenziell früher beginnen wird. Der Start Mitte August gilt in diesem Jahr aber als besonders außergewöhnlich. dpa/red

Autor:

Cornelia Bauer aus Speyer

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