Größtes Einsatzaufkommen in der Stadt Kaiserslautern seit über 25 Jahren
Erneut Starkregen in Kaiserslautern

Bremer Straße in Kaiserslautern | Foto: Manfred Blauth
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  • Bremer Straße in Kaiserslautern
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Kaiserslautern. Montagnachmittag, innerhalb von 15 Tagen zieht ein weiteres schweres Unwetter über Kaiserslautern und hinterlässt bisher unvorstellbare Zustände in Kaiserslautern. Zahlreiche Videos und Fotos gehen viral, die zeitnahe Wochenblatt-Meldung mit Bildern aus der Bremer Straße ist schon nach Stunden der meistgeklickteste Beitrag im noch jungen Portal www.wochenblatt-reporter.de.
Über 100 Liter pro Quadratmeter während der dreistündigen Regenphase sollen sich über Kaiserslautern ergossen haben.
In einem weiterverteilten Video ist zu sehen, wie ein Autofahrer versucht, durch die Bremer Straße zu kommen, doch er gerät immer tiefer in die Wassermassen. Das Auto hebt in den Fluten vom Boden ab und beginnt zu schwimmen. Im Hintergrund dringen Rauchschwaden aus einem Stromverteilerkasten - umringt von weiteren Autos, die - statt in der Straße zu parken - ebenfalls im Wasser schwimmen - ein kleines Weltuntergangsszenario.
Derweil fallen Passanten im Sturzbach an der Kreuzung Hornbach in eine mittlerweile nicht mehr gesicherte Baugrube, diese war einfach nicht mehr zu sehen.
Abermals heben sich zahlreiche Kanaldeckel mit Wasserfontäne durch den darunter entstandenen Wasserdruck - skurrile Situationen in der Pfalzmetropole.
Unzählige Keller und Tiefgaragen laufen voll, das untere Parkdeck des Pfalzcenters gleicht einer großen Wasserzisterne.
Im Fritz-Walter-Stadion läuft das Wasser über den Rasen in die Mixed-Zone und den Presseraum, alle Mitarbeiter bis hin zum Vorstandsvorsitzenden sind im Einsatz, das eindringende Nass in den Griff zu bekommen.
Die Feuerwehr spricht am Dienstag vom größten Unwettereinsatz in der Stadt Kaiserslautern seit über 25 Jahren. Über 1400 Hilfeersuchen der Bevölkerung erreichten die integrierte Leitstelle Kaiserslautern. Alleine in der Stadt Kaiserslautern ergaben sich daraus mehr als 600 Einsatzstellen. Durch auslaufende Heizöltanks, Verkehrsunfälle, Kleinbrände bis hin zu zahllosen überfluteten Kellern wurden von den Einsatzkräften vielfältige Kenntnisse abverlangt. Neben der gesamten Feuerwehr Kaiserslautern, die auch alle Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert hatte, waren der Katastrophenschutz der Stadt Kaiserslautern, Feuerwehrkräfte aus den Landkreisen Kaiserslautern und Donnersberg, das Technische Hilfswerk, die Ordnungsbehörde und die Stadtentwässerung zur Bewältigung der Lage eingesetzt. Zeitweise konnten durch diese 350 Einsatzkräfte – hauptsächlich aus dem Ehrenamt - über 70 Einsatzstellen gleichzeitig bedient werden. In der integrierten Leitstelle – im Regelbetrieb mit fünf Disponenten besetzt – wurden in der Phase mit dem höchsten Notrufaufkommen alle 13 Arbeitsplätze besetzt. Einsatzschwerpunkte waren in den Bereichen Bremerstraße, Am Woogdamm, Spinnerei Lampertsmühle und im Universitätsgelände; dort konnte ein Millionenschaden in den Energiekanälen durch die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Stadtentwässerung verhindert werden.
Wie die Stadtentwässerung mitteilt, sei die Kanalisation völlig überlastet gewesen. Sobald die unterirdischen Ableitungs- und Rückhalteräume gefüllt sind, kann das Regenwasser nicht mehr in die Kanalisation einfließen oder quillt sogar aus ihr heraus. Tiefpunkte in Gelände und Straßenzügen und tief liegende Einfahrten sowie Gebäudeöffnungen werden geflutet, wenn diese nicht gezielt gesichert sind. Bei diesen Extremniederschlägen kommt es aus Grün- und sogar Waldflächen zu großen Abflüssen in Richtung von Gebäuden und Straßen, wo keine geordnete Ableitung möglich ist. So waren im Stadtgebiet viele, insbesondere tieferliegende Stellen betroffen, stellenweise stieg der Wasserspiegel auf der Oberfläche bis circa ein Meter an.
Die gesamten Wassermassen des Regenereignisses durchfließen die Kanalisation in nördliche Richtung und werden, soweit sie dann nicht von der Kläranlage aufgenommen werden können, in die Lauter übergeleitet. Die Lauter wuchs dadurch in kurzer Zeit so stark an, dass alle Rückhalteräume in der Lauteraue geflutet waren. Im Bereich der Zentralkläranlage drang das Wasser so stark gegen die Betriebsgebäude, dass Teile der Anlage abgeschaltet werden mussten. „Bei diesen Wassermassen geht es zunächst nur noch um Schadensbegrenzung, bis der Wasserstand wieder zurück geht und eine gezielte Inbetriebnahme wieder erfolgen kann“, betont Jörg Zimmermann, Vorstand der Stadtentwässerung. Dem Betriebspersonal gelang es in den nachfolgenden Stunden alle Anlagenteile wieder in den geordneten Betrieb zu bringen. Für das Kläranlagengelände werden als offensichtliche Folge der klimatischen Veränderungen sicherlich weitere vorsorgende Maßnahmen zum Schutz im Überflutungsfall erforderlich werden.
Einer ersten Bewährungsprobe wurde der mit der Feuerwehr koordinierte Einsatz der Fahrzeuge und des Personals der Stadtentwässerung unterzogen. Als Konsequenz aus den letzten Überflutungsereignissen wurden erstmalig Führungskräfte der Stadtentwässerung in die Leitzentrale der Feuerwehr abgestellt, die sowohl bei der Einsatzplanung der Hilfskräfte beratend zur Seite standen, als auch die verfügbaren Kräfte der Stadtentwässerung aus der Leitzentrale heraus koordiniert zum Einsatz brachten. „Diese enge Koordination von Entwässerungsbetrieb und Einsatzzentrale bei Überflutungsereignissen, unseres Wissens bislang einmalig in Rheinland-Pfalz, hat sich bereits im ersten Einsatzfall bewährt“, stellte Bürgermeisterin Susanne Wimmer-Leonhardt fest.
So waren im Stadtgebiet und auf der Kläranlage gestern Nachmittag bis in die späten Abendstunden hinein ca. 80 Einsatzkräfte der Stadtentwässerung mit Maßnahmen zur Schadensabwehr beschäftigt, bei denen sich die Bürgermeisterin, wie bei allen Helfern und Einsatzkräften, an dieser Stelle bedankt.
Städtische Gebäude betroffen – Warmfreibad geschlossen
Auch eine ganze Reihe der städtischen Gebäude wurden vom Regenereignis in Mitleidenschaft gezogen, das Referat Gebäudewirtschaft war mit allen zur Verfügung stehenden Mitarbeitern im Einsatz. Im Rathaus drang das Wasser unter anderem ins Stadtarchiv sowie in die Räume der IuK ein, jedoch ohne Schäden zu verursachen. Betroffen sind weiterhin unter anderem das Casimirschloss, die Tourist Info (Keller), das Hohenstaufengymnasium, verschiedene Teile des Schulzentrums Süd, das Albert-Schweitzer-Gymnasium (Heizungskeller), die BBS II sowie die Geschwister-Scholl-Schule (Turnhalle).
Besonders große Auswirkungen hatte der Starkregen im Warmfreibad, wo erhebliche Schäden entstanden sind. Die Außenanlage des Warmfreibades wurde teilweise überschwemmt und das Wasser ist in die Technikgebäude eingedrungen. Dadurch sind der technische Bereich sowie die Elektrik stark beschädigt worden, die Pumpen sind ausgefallen. Nach ersten Einschätzungen des Referats Gebäudewirtschaft muss das Warmfreibad für voraussichtlich zwei Wochen komplett geschlossen werden. Saisonkarteninhaber des Warmfreibades können ohne weitere Zuzahlung das Freibad Waschmühle benutzen.
Stark in Mitleidenschaft gezogen war zudem erneut das Burggymnasium. In zwei der Lichtschächte, die um das Gebäude herum laufen, stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch. Auch der Keller der Schule wurde von den Wassermengen überflutet, bis zu 20 Zentimeter hoch stand das Wasser in den Fluren und Computerräumen. Im Bereich des Treppenhauses wurde der Boden hochgedrückt und dabei beschädigt. Der Aufzug ist bis auf weiteres stillgelegt, es ist noch nicht klar, ob er beschädigt ist. Besonders stark betroffen ist der ehemalige Kohlekeller der Schule. Der noch unterhalb des eigentlichen Kellers liegende Raum lief komplett voll, die Pumparbeiten laufen.
Fünf bis sechs Leute sowie alle verfügbaren, mobilen Pumpen aus den benachbarten Rathäusern waren bis in die späten Abendstunden im Einsatz, um das Wasser so schnell wie möglich zu beseitigen und größere Schäden zu verhindern. Bereits vor zwei Wochen wurde die Turnhalle des Burggymnasiums durch ein Unwetter beschädigt, als das Wasser an der Außenseite der Turnhalle bis zu einen Meter hoch stand. Die Wassermassen drückten sich schließlich unter den Boden und machten die Turnhalle für den Sport untauglich. Mithilfe von zwölf Entfeuchtern, vier Ventilatoren und vier Heizgeräten werden pro Tag nach wie vor 160 Liter Wasser aus der Luft gesaugt, bereits 2,5 bis 3 Kubikmeter Wasser wurden aus dem Hallenboden gepumpt. Die Halle kann erst wieder nach den Sommerferien für den Schul- und Vereinssport genutzt werden.
Das abfließende Wasser bereitete am Abend entlang der Lauter insbesondere in Katzweiler und Olsbrücken weitere Probleme.

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Bremer Straße in Kaiserslautern | Foto: Manfred Blauth
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Autor:

Jens Vollmer aus Kaiserslautern

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