Fast 90 Interessierte haben am 6. InSPEYERed-Forum teilgenommen
Die Erde stöhnt und ächzt vor Überlastung

Knapp 90 Interessierte kamen gestern in den Vortragssaal der Villa Ecarius, um am 6. InSPEYERed-Forum teilzunehmen.
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Speyer. Wir leben auf Pump. Die jährlichen Ressourcen der Erde sind seit dem 13. August verbraucht. Im Jahr 2000 war dies noch am 1. Oktober der Fall. Macht die Sache nicht viel besser, aber deutlich, wie wichtig die Themen Umwelt, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit sind. Nur wenn wir unsere Lebensweise ändern, kann sich der Planet regenerieren. Knapp 90 Interessierte kamen gestern in den Vortragssaal der Villa Ecarius, um am 6. InSPEYERed-Forum teilzunehmen. Müll und Müllvermeidung waren die großen Stichpunkte des Abends. Neben drei spannenden Vorträgen konnte man sich beim „Markt der Möglichkeiten" zu unterschiedlichen Ideen und Initiativen informieren und austauschen. „Was wird aus meinem Müll?“ dieser Frage ging Peter Nebel, Teamleiter Entsorgung der Stadtwerke Speyer, in seinem Vortrag nach. Er räumte auch mit dem Mythos auf, dass Mülltrennung nichts bringe. Oft höre man, dass der ganze Müll sowieso zusammenkommt und alles verbrannt werde. „Das ist Quatsch. Vergessen Sie’s“, stellt Nebel klar. Nur eine konsequente Mülltrennung ermöglicht es, Verpackungsmaterial in geschlossenen Wertstoffkreisläufen zu halten und so natürliche Ressourcen zu schonen. Ein gutes Beispiel seien die Hackfleischverpackungen im Supermarkt, wenn man diese später nicht getrennt entsorgt, können sie nur verbrannt werden. 2008 wurde in der EU-Abfallrahmenrichtlinie festgehalten, dass die EU und all ihre Mitgliedstaaten rechtlich verpflichtet sind, Abfälle entsprechend der vorgegebenen Abfallhierarchie zu entsorgen. So ergibt sich ein Fünf-Stufen-Prinzip. An erster Stelle steht das Ziel Müll zu verhindern. Dieser Punkt richtet sich vor allem an Hersteller von Waren aller Art. Falls ihnen das nicht gelingt, sollten sich die Hersteller bemühen, nur wiederverwertbare Stoffe zu verwenden und diese dann tatsächlich auch wiederzuverwerten. Der übrig bleibende Rest, muss auf ökologisch schonende Art und Weise beseitigt werden. In Speyer fielen im Jahr 2016 24.510 Tonnen Abfall an. Das sind 487,3 Kilogramm pro Einwohner, davon sind beispielsweise 161,2 Kilogramm Hausmüll, 83,3 Kilogramm Bioabfall und 88,8 Kilogramm Papier, Pappe und Kartonagen. Auch auf das Thema Mikroplastik ging Peter Nebel ein, denn drei Viertel des Mülls im Meer besteht aus Plastik. Bis zur vollständigen Zersetzung von Plastik kann es 350 bis 400 Jahre dauern. Bis dahin zerfällt es lediglich in immer kleinere Partikel. Diese kleinen, festen und wasserunlöslichen Plastikpartikel unter fünf Millimeter Größe werden Mikroplastik genannt. Mikroplastikpartikel gelangen problemlos in die Körper von Meerestieren und können durch deren Verzehr auch in den menschlichen Organismus aufgenommen werden. Plastik enthält oft auch Giftstoffe wie Weichmacher und Flammschutzmittel, die den Meeresbewohnern schaden und durch die Nahrungskette auch den Menschen erreichen können. Nebel möchte nicht alles was aus Plastik ist verteufeln, doch man sollte sein eigenes Konsumverhalten hinterfragen und nicht die Augen vor dem verschließen, was mit der Erde passiert.

Wegwerfen? Denkste!

Als zweiten Referenten durften die Zuhörer Karl Heinrich Usinger-Frieß vom Speyerer Repair Café begrüßen. Seit fünf Jahren betreibt Usinger-Frieß nun schon das Repair Café in Speyer. Dank zahlreicher ehrenamtlicher Helfer ist es möglich, das Café einmal im Monat und zwar immer am zweiten Samstag, zu öffnen. Die Repair-Cafés sind eine wunderbare Alternative zum Wegwerfen. Es handelt sich dabei um ehrenamtliche Treffen, bei denen die Teilnehmer alleine oder gemeinsam mit anderen ihre kaputten Dinge reparieren. Kundige Helfe, die Reparaturkenntnis und – fertigkeiten auf verschiedenen Gebieten mitbringen, sind stets vor Ort. Die Besucher nehmen defekte Gegenstände von zu Hause mit und machen sich im Repair Café gemeinsam mit einem Fachmann an die Arbeit. Und wer nichts zu reparieren hat, nimmt sich eine Tasse Kaffee oder Tee oder hilft jemand anderem bei der Reparatur. Das nächste Repair Café in Speyer findet am Samstag, 8. September, von 14 bis 16.30 Uhr Quartiersmensa plus St. Hedwig (Q + H), Heinrich-Heine-Straße 8, statt.

Bleib deinem Becher treu

Christa Berlinghoff vom Stadtteilbüro West und Sylvia Holzhäuser vom Stadtteilverein Speyer-West wollen einen Mehrwegbecher in Speyer etablieren. Explizit geht es um die Mehrwegbecher, die mit der Kampagne „Bleib deinem Becher treu“ bereits in Mannheim Einzug gehalten haben. Dabei handelt es sich um eine Aktion der Stadt Mannheim in Zusammenarbeit mit der Klimaschutzagentur Mannheim. Gestern Abend stellten Caroline Golly und Katrin Berlinghoff von der Klimaschutzagentur Mannheim die Kampagne vor. In Deutschland werden stündlich 320.000 Coffee to go-Becher verbraucht. Pro Jahr sind das fast drei Milliarden Einwegbecher. Eine unvorstellbare Menge an Energie, Wasser, Holz und Erdöl, die für durchschnittlich 15 Minuten to-go-Genuss verschwendet wird. Die Teilnahme an der „Bleib deinem Becher treu“-Kampagne kann über drei Ebenen erfolgen:

  1. Befüllen: Ob mit dem eigenen Mehrwegbecher oder mit dem neu erhältlichen Kampagnenbecher: In allen teilnehmenden Coffee-to-go-Verkaufsstellen ist das Befüllen von mitgebrachten, sauberen Bechern möglich.
  2. Befüllen und kaufen: Hier besteht dann zusätzlich die Möglichkeit den Kampagnenbecher zum Einheitspreis von vier Euro inklusive Deckel vor Ort zu erwerben.
  3. Befüllen, kaufen und tauschen: Einen weiteren Schritt ermöglichen die Verkaufsstellen, die am Tauschsystem teilnehmen. Hier besteht die Möglichkeit gebrauchte Becher wieder abzugeben und im Tausch eine Pfandmarke zu erhalten. Diese kann die Marke beim nächsten Kaffeekauf in allen Betrieben, die am Tauschsystem teilnehmen, wieder gegen einen neuen Becher eingetauscht werden. 

Ob sich die Stadt Speyer für das Mehrwegbechertauschsystem aus Mannheim entscheidet, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Da das komplexe Thema Müll und Müllvermeidung nicht mit den drei Gastvorträgen vollständig abgedeckt werden konnte, gab der „Markt der Möglichkeiten Gelegenheit, noch andere Ideen und Initiativen zum Thema kennenzulernen und sich auszutauschen.

Nähere Infos:

inspeyered.de
repaircafe-speyer.de
www.bleibdeinembechertreu.de

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