Interview der Woche
Im Gespräch mit Christoph Schmid

Christoph Schmid

Von Markus Pacher

Neustadt.Viele kennen ihn über sein ehrenamtliches Engagement beim Verein „Neustadt gegen Fremdenhass“, andere wiederum verbinden seinen Namen vor allem mit der U-Musikbranche. Der Konzertveranstalter Christoph Schmid, geboren in Eberbach am Neckar und aufgewachsen in Neustadt, zählt in Sachen Musik zu den Neustadter Urgesteinen und ist in der Szene gewissermaßen bekannt wie ein bunter Hund. Wir sprachen mit dem ewig junggebliebenen 66-Jährigen über sein Leben, seine Leidenschaften und was Corona momentan mit den Musikern anstellt.

??? Lieber Christoph, spielst Du selbst ein Instrument?
Christoph Schmid: Hab mal ein bissel Trompete in einer Rockband gespielt – aber es dann bald wieder aufgegeben, da ich nicht besonders fleißig war, was das Üben anbelangte.

??? Wie wird man dann zum Konzertveranstalter?
Christoph Schmid: Ich war schon als Kind verrückt auf Musik und habe mit 13 Jahren angefangen, Platten zu sammeln. Wenn mein älterer Bruder mal außer Hause war, legte ich heimlich seine Singles auf. Unter anderem hörte ich die Lords, Rattles, Stones oder Beatles. Nach meiner Ausbildung als Masseur und Medizinischer Bademeister bin ich Anfang der 80er-Jahre in den Schallplattenvertrieb gewechselt und hatte bis 1998 den Plattenladen im Klemmhof. Ein berufliches Schlüsselerlebnis für mich war die zehnjährige Jubiläumsfeier des Plattenladens, als ich den berühmten Sänger Walter „Wolfman“ Washington aus New Orleans, den ich bei einem Amerika-Aufenthalt kennengelernt hatte, für einen Auftritt nach Neustadt gewinnen konnte. Das war 1991 und sozusagen das erste von mir veranstaltete Konzert. Damals mieteten wir für unsere guten Kunden einen Nebensaal im Saalbau und ich dachte mir, dass das eigentlich eine gute Werbung für unseren Laden ist. Weitere Konzerte in der Katakombe oder im damaligen Entertainer folgten. Als Horst Bien schließlich die Musikwerkstatt eröffnete, legten wir dann richtig los und holten namhafte Musiker nach Neustadt.

??? Trotz der guten Werbung durch die Konzerte folgte 1998 das Ende des Plattenladens. Wie ging es danach für dich weiter?
Christoph Schmid: Die traditionellen Tonträger befanden sich damals im Absturz. Mit den Konzerten lief es dagegen weiter. Man wir kein Millionär dabei und am Anfang musste ich viel Lehrgeld bezahlen. Denn in diesem Job muss man sehr genau kalkulieren. Das Verhältnis zwischen der Gage und den anfallenden Kosten muss stimmen.

??? Seit fast zwei Jahren leidet die Konzertbranche unter Planungsunsicherheit. Wie ist die Stimmung unter den Musikern zum Jahresauftakt?
Christoph Schmid: Es wollen ja alle spielen, aber sie können nicht. Musiker aus Australien oder den USA zum Beispiel durften nicht reisen: Viele Musiker versuchten, sich mit Live-Streams oder lokalen Konzerten über Wasser zu halten. Aus der Sicht des Konzertveranstalters muss man ganz klar feststellen, dass die Durchführung von Konzerten in Coronazeiten deutlich mehr Kosten verursachen bei gleichzeitig geringeren Einnahmen.

??? Sind Live-Stream-Konzerte eine Alternative  zu realen Auftritte vor Publikum?
Christoph Schmid: Nein, ein ganz klares Nein. Mal ganz abgesehen vom Geld: Wenn du keinen Applaus hast – das ist es nicht. Das war vielleicht am Anfang noch interessant. Zum Beispiel die Konzerte im Auto-Kino. Aber das hat sich nie wirklich durchgesetzt. Die Atmosphäre fehlt einfach.

??? Apropos: Wie steht es um deinen persönlichen Musikgeschmack? Hörst Du auch mal Klassik?
Christoph Schmid: Grundsätzlich bin ich für alle Musikrichtungen offen, vielleicht mit Ausnahme der elektronischen Musik, da komm ich nicht rein. Mit der Klassik habe ich so meine Probleme mit dem Publikum und der eher steifen Atmosphäre. Dennoch zählt ein Konzert in Berlin mit den Berliner Philharmonikern und Klassik-Stars wie Daniel Barenboim, Yo-Yo Ma und Itzhak Perlman zu meinen eindrucksvollsten Musikerlebnissen. Das hat gegroovt wie bei AC/DC. Bezüglich vieler Partybands, die unter anderem über unsere Weinfeste tingeln und eigentlich nicht mein Ding sind, muss ich für viele ganz nüchtern feststellen: Je mehr Schorle, desto besser die Band.

??? Im Ehrenamt kümmerst du dich unter anderem beim Multi-Kulti-Fest mit deinem Verein „Neustadt gegen Fremdenhass“ um das musikalische Programm und sammelst dabei Geld für soziale Einrichtungen in Neustadt. Hat da nicht auch Corona dir einen Streich durch die Rechnung gemacht?
Christoph Schmid: Der Verein „Neustadt gegen Fremdenhass“ kämpft dafür, unsere Mitbürger mit Migrationshintergrund in unsere Stadt zu integrieren und zusammenzubringen. Als Mitbegründer war ich von Anfang an dabei und habe die Künstler und Technik auf den Marktplatz geholt. Immerhin haben wir es im letzten Jahr mit Unterstützung des Förderprogramms „Neustart Kultur in Neustadt“ geschafft, quasi als Alternative zum ausgefallen Multi-Kulti-Fest im Hof der Brauchbar ein Konzert mit der Band „Rose Babylon“ aus dem Elsass zu veranstalten. Eine weitere Aktion im letzten Jahr war eine Veranstaltung in der Stiftskirche, zu der wir Mitarbeiter*innen von Neustadter Kitas eingeladen und Kinderbuchspenden an die Einrichtungen verteilt hatten.

??? Du bist jetzt mit dem 1. Januar offiziell in Rente gegangen. Wie ich dich kenne, wirst du deine Leidenschaft für Konzerte wohl nicht ganz aufgeben?
Christoph Schmid: Nein, keineswegs werde ich ganz damit aufhören. Denn dafür fühle ich mich noch nicht alt genug. Unter anderem gibt es ja noch alte Verträge, die ich abarbeiten muss. Manche Konzerte musste ich bis zu dreimal verschieben. Wie zum Beispiel jüngst das mit Katrin Geelvink im Saal Löwer in Haßloch. Meine Konzerte mit den Comedian Harmonists im Saalbau und dem britischen Musiker Andrew Roachford im Alten Kaufhaus Landau im November konnte ich noch durchführen. Darüber hinaus habe ich nichts Neues, da man ja zur Zeit nichts planen kann. Aber ich denke, dass sich die Lage bis zum Sommer entspannt und ich die Musikfreunde zu einem Open-Air-Konzert im Haardter Steinbruch einladen kann.

Autor:

Markus Pacher aus Neustadt/Weinstraße

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