Mehr ADHS-Neudiagnosen in Baden-Württemberg: Mädchen häufiger
- Kinder mit ADHS können sich oft schlechter konzentrieren. (Symbolbild)
- Foto: Julian Stratenschulte/dpa
- hochgeladen von dpa content
Baden-Württemberg. Für Familien kann es wichtig sein, anhaltende Konzentrationsprobleme oder starke Unruhe früh ärztlich abklären zu lassen: Im Südwesten wurden 2024 deutlich mehr Kinder und Jugendliche neu mit ADHS diagnostiziert.
Nach einer Auswertung der Krankenkasse DAK stieg die Zahl der Neudiagnosen gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent. Bei Mädchen fiel der Zuwachs mit 16 Prozent noch stärker aus.
Insgesamt wurden 2024 nach DAK-Angaben 5,3 Prozent der drei- bis 17-Jährigen in Baden-Württemberg wegen einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt. Der Wert liegt nahezu auf dem bundesweiten Durchschnitt von 5,23 Prozent.
Mehr Diagnosen bedeuten nicht zwingend mehr Erkrankungen
Der Anstieg der Neudiagnosen ist nach Einschätzung von Jan Steffen Jürgensen, medizinischer Vorstand am Klinikum Stuttgart, nicht automatisch ein Zeichen für eine höhere Zahl erkrankter Kinder. Ärzte seien heute sensibler, schauten genauer hin und dächten früher an ADHS.
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität. Typische Anzeichen können leichte Ablenkbarkeit und anhaltende Konzentrationsprobleme sein. Hinzu kommen mitunter motorische Unruhe, ein starker Bewegungsdrang, vorschnelles Handeln und eine geringe Frustrationstoleranz.
Die Erkrankung tritt typischerweise im frühen Kindesalter auf und kann den Schulalltag, das Familienleben und andere soziale Situationen belasten. Laut Jürgensen verbessert ein früher Behandlungsbeginn die Chancen, mit der Erkrankung gut umzugehen. Die Behandlung umfasse heute verschiedene Ansätze, Medikamente stünden nicht zwingend im Vordergrund.
Für die DAK-Sonderanalyse werteten Forschende des Beratungs- und Datenanalyseunternehmens Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 86.800 bei der DAK versicherten Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren in Baden-Württemberg aus. [dpa/red]
Autor:dpa content aus Ludwigshafen |