Schwimmen war gestern: Diese Pläne gibt es für das Herschelbad
- Wenn ein historisches Bad eine neue Nutzung bekommt, ändern sich auch Angebote und Leben in der Innenstadt.
- Foto: Stadt Mannheim
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Mannheim. Das Herschelbad soll nach dem Ende des Badebetriebs nicht leer stehen. Die Stadt Mannheim startet dafür mit der machwerkstadt GmbH einen Entwicklungsprozess, der das denkmalgeschützte Gebäudeensemble zu einem neuen Ort für Gastlichkeit, Kultur, Wirtschaft und Stadtleben machen soll.
Der Mannheimer Gemeinderat hat in einer Gemeinderatssitzung einstimmig den Weg für eine Absichtserklärung freigemacht. Vorgesehen ist, das Herschelbad der machwerkstadt GmbH im Erbbaurecht zu übertragen. Die Stadt begleitet die Entwicklung zusammen mit weiteren Partnern. Ziel ist ein langfristig tragfähiger Betrieb.
Warum der Badebetrieb im Herschelbad endet
Der Gemeinderat hat in der Bäderkonzeption 2017 festgelegt, dass der Badebetrieb im Herschelbad mit der Inbetriebnahme des neu gebauten Kombibades Herzogenried enden wird. Eine Modernisierung für die Aufrechterhaltung des Badebetriebs sieht die Kommune als finanziell nicht darstellbar an. Das Personal aus dem Herschelbad soll im Kombibad eingesetzt werden.
Zunächst plante die Stadt, einen Investor zu suchen, der das Herschelbad eigenverantwortlich saniert und dauerhaft betreibt. Nach Angaben der Stadt zeigte sich jedoch, dass ein Badebetrieb im denkmalgeschützten Jugendstilgebäude für Investoren wirtschaftlich nicht darstellbar ist.
Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat setzen deshalb auf eine umfassende Sanierung und eine neue Nutzung im Bestand. Der Fokus liegt laut Konzept auf der Wahrung der baulichen und denkmalschutzrechtlichen Identität. Geplant ist eine Nutzung als urbane Herberge und als Veranstaltungsort mit gesellschaftlich relevanten Angeboten.
Was die machwerkstadt im Herschelbad plant
Das Konzept der machwerkstadt GmbH sieht ein Haus für Gastlichkeit, Wirtschaft, Kultur und Stadtleben vor. Genannt werden Restaurant, Café und Bar. Dazu kommen ein Boutique-Hotel mit Dachgarten und Spa sowie Kongress- und Veranstaltungsbereiche. Diese Bausteine sollen ein wirtschaftliches Gesamtsystem bilden, das den dauerhaften Erhalt, die Pflege und die öffentliche Zugänglichkeit des historischen Ensembles ermöglicht.
Die Schwimmhallen sollen ihre räumliche Qualität bewahren. Künftig sollen sie laut Plan einen Rahmen für Konzerte, Ausstellungen, Fachkongresse, Unternehmensveranstaltungen, Orchesterproben, Empfänge und gesellschaftliche Ereignisse bieten.
Das geplante Forum versteht sich als Ergänzung zum Congress Center Rosengarten. Während dort große Kongresse, Messen und Veranstaltungen stattfinden, könnte das Herschelbad künftig kleinere Formate aufnehmen.
Die Verantwortlichen knüpfen im Konzept auch an die soziale Geschichte des Bades an. Die Wannenbäder für obdachlose Menschen sollen Teil des Angebots bleiben. Außerdem soll ein öffentlich zugänglicher Spa-Bereich Raum für Gesundheit und Erholung schaffen.
Oberbürgermeister Christian Specht sagt: „Aus dem Herschelbad – einem Ort, an dem viele Mannheimerinnen und Mannheimer schwimmen gelernt haben – wird nun etwas völlig Neues, ohne dass dabei die Geschichte verloren geht“.
Wirtschaftsbürgermeister Thorsten Riehle betont: „Das Herschelbad war schon immer ein sozialer Ort. Bereits dem Stifter war es wichtig, Bedürftigen den Zugang zu ermöglichen. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass auch hierfür Patz im Entwicklungskonzept ist und die Wannenbäder für obdachlose Menschen auch Teil des Angebots bleiben sollen.“
Claus Fischer, Mitgründer der machwerkstadt GmbH, erklärt: „Wir wollen einen Ort schaffen, auf den Mannheim in zwanzig Jahren stolz sein kann. Das Herschelbad besitzt das Potenzial, weit über die Region hinaus zu einem neuen urbanen Wahrzeichen mit internationaler Ausstrahlung zu werden“.
Frank Zumbruch, Mitgründer und Geschäftsführer der machwerkstadt GmbH, sagt: „Entscheidend sind die Menschen, Unternehmen und Institutionen, die künftig im Herschelbad zusammenkommen. Wenn daraus neue Ideen, neue Zusammenarbeit und neue Wertschöpfung entstehen, wird aus einem Baudenkmal ein Zukunftsort“.
Der Bürger- und Gewerbeverein Östliche Unterstadt e.V. unterstützt die Pläne. Der 1. Vorsitzende Daniel Barchet sagt: „Ein lebendiges Herschelbad kann zum Motor einer positiven Entwicklung des gesamten Quartiers werden und wir werden als Bürger- und Gewerbeverein vor Ort diese Entwicklung gerne begleiten“.
So geht es jetzt weiter
In den kommenden Monaten wollen Stadt und machwerkstadt die Voraussetzungen für eine langfristig tragfähige Nutzung klären. Dazu gehören Denkmalschutz, Genehmigungsfähigkeit, Betreiberkonzepte, Wirtschaftlichkeit und technische Machbarkeit.
Die Pläne hängen laut Konzept an drei Punkten. Das Nutzungskonzept muss denkmalverträglich und genehmigungsfähig sein. Der Nutzungsmix muss langfristig wirtschaftlich tragfähig sein. Die Sanierung muss sich technisch, finanziell und innerhalb eines realistischen Zeitraums umsetzen lassen. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, entsteht die Grundlage für den endgültigen Erbbaurechtsvertrag.
Als Ausgangspunkt dient eine Vorstudie der machwerkstadt GmbH, die in Zusammenarbeit mit Werkstadt Fischer Architekten entstanden ist. Sie zeigt mögliche Wege einer minimalinvasiven Transformation. Die Visualisierungen versteht das Team ausdrücklich nicht als abgeschlossene Planung.
Die machwerkstadt sucht für die nächste Phase Betreiber für Boutique-Hotel, Spa und Gastlichkeit. Außerdem sucht sie Partner für Kongress, Kultur und Forum sowie Unternehmen, Investoren, Stiftungen und Institutionen.
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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