FerienART in Mannheim: Kinder zeigen, was Glück für sie bedeutet
- Die Kinder entwarfen persönliche Wohlfühlorte und präsentierten diese stolz in einer Ausstellung.
- Foto: Rebecca Roth
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Mannheim. Was bedeutet Glück – und wie lässt es sich entdecken? Mit genau dieser Frage haben sich Kinder im Rahmen der Ferienfreizeit FerienART des gemeinnützigen Mannheimer Vereins WuKKis – Wissen und Kultur für Kinder e.V. auseinandergesetzt. In einer sechstägigen kreativen Reise entstanden nicht nur Kunstwerke, sondern auch persönliche Antworten auf ein großes Thema. Höhepunkt war die „WuKKisage“, bei der die jungen Teilnehmenden ihre Ergebnisse selbst präsentierten. Die Wochenblatt-Redaktion hat mit Kira Keßler, Vorsitzende der WuKKis, gesprochen, um mehr über das Projekt, die Idee dahinter und die Wirkung auf die Kinder zu erfahren.
Wie ist die Idee zur FerienART entstanden?
Kira Keßler: Ferienfreizeiten sind ein wichtiger Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der viele Kinder aus unterschiedlichen Hintergründen erreicht. Wir glauben allerdings, dass das Potenzial von Freizeiten noch nicht voll ausgeschöpft wird – daher haben wir die FerienART entwickelt: Hier werden typische Elemente von Ferienfreizeiten mit gezielter kultureller Bildung verbunden.
Wie ist die Idee speziell zum Thema „Glück“ entstanden?
Kira Keßler: Kinder und Jugendliche stehen heute unter einem enormen Leistungsdruck, was oft zu einer hohen psychischen Belastung führt. Mit der FerienART wollten wir einen geschützten Raum ohne Noten und Druck schaffen. Uns ging es darum, das psychologische Wohlbefinden zu stärken, um den Herausforderungen des Alltags mit mehr Sicherheit und Resilienz begegnen zu können. Wir konnten die Idee fachlich fundiert umsetzen, weil unser Vorstandsmitglied Rebekka Reinhuber eine ausgebildete Lehrerin für das Schulfach „Glück“ ist.
Welche Beobachtungen haben Sie bei den Kindern gemacht – gab es besondere Aha-Momente?
Kira Keßler: Ein besonders schöner Moment war die Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken: Kinder sind sehr gut darin, ihre Schwächen zu benennen. Dabei ist es viel wichtiger seine Stärken zu kennen und zu stärken, um im Leben erfolgreich zu sein. Es war schön zu sehen, wie gut es den Kindern getan hat, sich zu vergegenwärtigen, was sie alles können.
Wie haben die Kinder die Präsentation ihrer eigenen Werke erlebt?
Kira Keßler: Am Anfang waren einige Kinder schüchtern und fragten sich, ob ihre Kunstwerke gut genug für eine Ausstellung sind. Als dann die Eltern und Freunde kamen und die Werke bewundert haben, sind die Kinder über sich hinausgewachsen. Sie wurden zu Künstlerinnen und Künstlern, die stolz ihre Ideen erklärt haben.
Inwiefern profitieren Kinder in unterschiedlichen Lebenslagen von der FerienART?
Kira Keßler: Weil der Zugang zu Kunst und Kultur in Deutschland leider oft eine Frage des Geldbeutels ist. Kinder aus schwierigen finanziellen oder sozialen Lebenslagen haben seltener die Gelegenheit, Museen zu besuchen, ein Instrument zu lernen oder auch Theater zu spielen. Kulturelle Bildung fördert aber das Selbstwertgefühl, die Problemlösungskompetenz und die Resilienz. Auch ist es uns wichtig Kinder verschiedener Lebenslagen zusammenzubringen, um den Blick zu erweitern.
Welche Rolle spielt Inklusion in Ihrer Arbeit?
Kira Keßler: Inklusion ist für uns kein Zusatzprojekt, sondern die Basis von allem. Bei der FerienART kommen Kinder mit den unterschiedlichsten Hintergründen, Stärken und Schwächen zusammen. Jedes Kind wird so angenommen, wie es ist, und bringt sich mit seinen individuellen Fähigkeiten ein.
Was sind die zentralen Ziele des Vereins?
Kira Keßler: Wir wollen Brücken bauen. Unsere zentralen Ziele sind die Förderung von Kindern und Jugendlichen durch möglichst kostenfreie Bildungs- und Freizeitangebote, die Stärkung des sozialen Miteinanders und der Abbau von Barrieren. Wir wollen Orte der Begegnung schaffen, an denen Herkunft oder Status keine Rolle spielen.
Wie finanzieren sich Projekte wie FerienART?
Kira Keßler: Die Teilnahme an der FerienART war für alle Kinder kostenlos. Wir wollten einen niederschwelligen Zugang schaffen und finanzielle beziehungsweise bürokratische Hürden vermeiden. Natürlich kostet eine Freizeit trotzdem viel Geld. Unterstützt wurden wir dankenswerterweise durch das Deutsche Kinderhilfswerk, die SRH Holding, die VR Bank Rhein-Neckar und die Karin & Carl-Heinrich Esser Stiftung. Einen großen Teil haben wir aber über Vereinsmittel aus privaten Spenden finanziert. Auch manche Familien der Teilnehmenden haben gespendet, das hat uns besonders gefreut.
Ohne ehrenamtlichen Einsatz würde es nicht gehen: Die Betreuer Rebekka Reinhuber, Steffen Ronft, Jurij Obdula und ich als Sozialarbeiterin haben die FerienART ohne Bezahlung oder Ehrenamtspauschale in unserer Freizeit umgesetzt. Trotzdem sind wir weiterhin dringend auf Spenden angewiesen, um Materialien, Unterkunft und Verpflegung zu bezahlen.
Sind weitere FerienART-Projekte geplant?
Kira Keßler: Der Erfolg und das Feedback dieser ersten FerienART haben uns gezeigt, wie groß der Bedarf ist. Die Finanzierung für kommende Projekte ist allerdings noch nicht geklärt, da wir leider keine dauerhaften Förderungen haben.
Welche Themen könnten künftig im Mittelpunkt stehen?
Kira Keßler: Wir denken, dass das Thema Glück und Resilienz noch sehr ergiebig ist. Wir würden uns auch gerne mal verstärkt mit Identitäts- und Zukunftsfragen beschäftigen. Ideen haben wir noch viele!
Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Vereins?
Kira Keßler: Ich wünsche mir, dass wir noch viele weitere solcher Projekte realisieren können, ohne bangen zu müssen, ob das Geld reicht. Mein Wunsch ist eine verlässliche, langfristige finanzielle Unterstützung durch Förderer, damit wir uns voll und ganz auf das konzentrieren können, was zählt: den Kindern eine unvergessliche Zeit zu schenken.
Vielen Dank für die spannenden Einblicke und weiterhin viel Erfolg für die Arbeit von WuKKis.
Autor:Charlotte Basaric-Steinhübl aus Ludwigshafen |
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