Stefan Werner neuer Leiter der Ludwigshafener Wichern-Werkstätten
„Arbeitsangebot für Menschen mit Behinderung noch vielfältiger gestalten“

Foto: Evangelische Heimstiftung Pfalz

Seit einem dreiviertel Jahr leitet Stefan Werner die Zweigstelle der Wichern-Werkstätten in Ludwigshafen. Erfahrungen im Führen eines Betriebs bringt der 49-jährige reichlich mit, war er doch vorher 21 Jahre lang als selbständiger Unternehmer tätig. Erste konkrete Pläne für die Zukunft der Werkstatt für Menschen mit psychischer Behinderung hat er inzwischen ebenfalls im Kopf: das Arbeitsangebot für die Beschäftigten soll noch vielfältiger werden.

Eigentlich, sagt Stefan Werner, sei er immer noch in der Einarbeitungsphase: „Man hat hier mit sehr vielfältigen Bereichen zu tun und unzählige Themen gleichzeitig zu bearbeiten.“ Durch das Bundesteilhabegesetz sei gerade vieles im Umbruch. Überrascht habe ihn, wie viel durch Anforderungen der Kostenträger vorgegeben sei und wie viel Zeit für Dokumentation aufgewendet werden müsse. Parallel absolviert Werner außerdem noch seine Fortbildung zur Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung. „Die ist sehr zeitaufwendig, und alles, was während meinen Abwesenheiten hier anfällt, muss ich anschließend aufarbeiten.“

Gerade die Vielseitigkeit habe ihn an seiner neuen Aufgabe aber auch gereizt, erzählt Werner. Der Einstieg bei den Wichern-Werkstätten war für den studierten Automatisierungstechniker ein Neuanfang. Zuvor hatte er 21 Jahre ein eigenes Unternehmen geführt, zunächst in der IT-Branche und später im Online-Handel für Auto-Zubehör, das er aber nach dem Rückzug seines langjährigen Geschäftspartners alleine nicht mehr weiterführen konnte. „Ich bin ein Allrounder, und habe gesehen, dass ich hier meine Stärken gut einbringen kann,“ begründet Werner, warum er sich auf die Stelle als Zweigstellenleiter beworben habe. Die Wichern-Werkstätten, ergänzt er, seien ihm außerdem schon über Geschäftskontakten ein Begriff gewesen.

War Werner früher in Spitzenzeiten für 22 Mitarbeitende tätig, so trägt er nun die Verantwortung für knapp 120 Beschäftigte mit psychischer Behinderung. Dazu kommen rund 20 Mitarbeitende, die für die Anleitung und Förderung der Beschäftigten zuständig sind. Damit die Ludwigshafener Wichern-Werkstätten für die Zukunft gut gerüstet sind, hat der neue Zweigstellenleiter bereits erste Pläne entwickelt: „Wir brauchen eine größere Vielfalt an Arbeitsbereichen“, so seine Analyse. Zwar hätten die Beschäftigten schon jetzt die Wahl zwischen den Arbeitsbereichen Montage und Verpackung, Garten- und Landschaftsbau, Büroservices, Bügelannahmestelle, Hauswirtschaft oder der Mitarbeit im Kiosk im Krankenhaus „Zum guten Hirten“. Der Schwerpunkt liege dabei jedoch eindeutig auf den Montage- und Verpackungsaufträgen. „So eine Abhängigkeit von einem Bereich ist für einen Betrieb immer riskant,“ weiß Werner. Vor allem aber möchte er den unterschiedlichen Fähigkeiten der Beschäftigten besser gerecht werden. Gerade die Jüngeren, so Werners Erfahrung, hätten zum Beispiel mehr Interesse an handwerklichen Tätigkeiten oder Arbeiten im PC-Bereich.

„Das auf den Weg zu bringen ist ein spannender Prozess, den ich nicht alleine stemmen kann“, betont Werner. Als Chef ist es ihm deshalb ein Anliegen, die Mitarbeitenden mit ihren Ideen und Fähigkeiten einzubinden und ihnen Freiräume zum selbständigen Arbeiten zu geben: „Je mehr die Mitarbeitenden bei Entscheidungen mit im Boot sein, desto höher ist die Chance, dass sie ihre Arbeit nicht nur als Job erachten, sondern Spaß daran haben. Ich möchte, dass sie morgens kommen und etwas leisten wollen, und dass sie abends mit dem Gefühl gehen, etwas auf den Weg gebracht zu haben.“

Wünschenswert fände Stefan Werner außerdem, wenn die Arbeit der Werkstätten für Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft insgesamt mehr Wertschätzung erfahren würde. „Wir sind ja keineswegs nur ein Kostenfaktor. Wir sind Arbeitgeber für sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und leisten durch unsere Arbeit einen Beitrag zum Bruttosozialprodukt. Vor allem aber ermöglichen wir Menschen mit Behinderung, sich entsprechend ihrer Möglichkeiten ins Arbeitsleben einzubringen und tragen so ganz wesentlich zu ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bei.“

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