Staatsphilharmonie feiert in der Saison 19-20 ihr 100-jähriges Bestehen
Jubiläumssaison startet mit Modern Times

Der neue Chefdirigent der deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Michael Francis.
  • Der neue Chefdirigent der deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Michael Francis.
  • Foto: Felix Broede
  • hochgeladen von Laura Seezer

Ludwigshafen/Mannheim. Vom 6. bis 20. September 2019 präsentiert die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz zum Auftakt der Jubiläumssaison das Festival Modern Times. Mit insgesamt vier Konzerten in Ludwigshafen und Mannheim steht die Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Gründungszeit des Orchesters, im Zentrum. Die Besetzungen schwanken zwischen Miniatur und Monstrum. Die Bandbreite reicht von Filmmusik über Schlager bis hin zu Sinfonik und Ballett.
„Das Jubiläum führt uns noch einmal deutlich vor Augen, warum Modern Times mit dem Schwerpunkt auf Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts so wichtig für unser Orchester ist. Die gesellschaftlichen Umbrüche dieser Zeit haben ihre Spuren in der Musik hinterlassen. Nicht nur die Weltordnung, sondern auch die tradierten Harmonien gerieten ins Wanken“, so Beat Fehlmann, seit 1. September 2018 Intendant der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz. Es ist die erste Saison, die er, gemeinsam mit dem neuen Chefdirigenten Michael Francis für das Orchester geplant hat.
Es ist gar keine leichte Aufgabe sich in unserer fragilen Gegenwart zurechtzufinden: Globalisierung und Ungleichheit, Terrorismus und Drohnenkrieg, Insektensterben und Erderwärmung. Vor 100 Jahren standen die Menschen an einem ähnlichen Punkt: Technisierung, Motorisierung, Elektrifizierung, Industrialisierung und der Glaube an einen niemals endenden Fortschritt übten Faszination, aber auch Furcht und Schrecken auf die Menschen aus. Ersetzt man Technisierung durch Digitalisierung sind wir im Jahr 2019 angekommen. Und plötzlich sind die Werke, die in der Reihe Modern Times gespielt werden keine 100 Jahre alten Kompositionen mehr, sondern aktuelle Lebensrealität.

Modern Times 1 - Sprachlos
Als Charlie Chaplin seinen Stummfilm City Lights produzierte, etablierte sich bereits der Tonfilm und er war überzeugt, dass die Sprache den Untergang seiner pantomimischen Komik bringen würde. Auch er hatte Angst vor der Zukunft und wusste nicht richtig mit den Innovationen umzugehen. Für City Lights komponierte er eine zauberhafte Filmmusik. Chaplins Tramp und dessen große Liebe, ein blindes Blumenmädchen, bleiben stumm. Doch die Musik fängt ihre Sprachlosigkeit auf und entwickelt mit feinem poetischem Gespür eine große erzählerische Kraft.

Modern Times 2 - Provokateure
1918 gründete Arnold Schönberg den Verein für musikalische Privataufführungen. Mit ihm wollte er es dem Publikum ermöglichen, die Vielfalt der neuen Musik kennenzulernen. In diesem Zusammenhang regte er seine Schüler an, bedeutende Werke der Orchesterliteratur für Ensemble oder Kammerorchester zu arrangieren – eine Tradition, die der Dirigent Klaus Simon mit seiner 2007 veröffentlichten Bearbeitung von Mahlers Vierter aufgriff. Auch in der Miniaturform verliert sie nicht an Kraft.
 
Modern Times 3 - Salto Mortale
Auch in turbulenten Zeiten suchten die Menschen nach Zerstreuung und Amüsement. Ausgelassene Feierlust und die Maximierung des Vergnügens sind ebenfalls ein Resultat einer ins Wanken geratenen Weltordnung. Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, den sogenannten Goldenen Zwanzigern brachten den Jazz und neue Tänze nach Deutschland: Man tanzte Boogie, Foxtrott, Shimmy. Zu den Entdeckungen der 1920er Jahre zählte auch der respektlose Umgang mit der Sprache. Die Poeten wollten lieber Texter sein und die Dramatiker Stückeschreiber, wie Brecht seinen Beruf nannte. Ein schnoddriger, wie dahingeworfener Ton kam auf. Aber auch die Sehnsucht nach einer heilen Welt beschwört das „Phänomen“ Schlager der Roaring Twenties.

MODERN TIMES 4 - Influencer
Wie wollen wir unsere Zukunft gestalten? Diese Frage stellen wir heute wie damals mit großer Unsicherheit. Entfesselung (Edgard Varèses Amérique), Groteske (Erik Satie Parade) und Nostalgie (Igor Strawinsky Pulcinella) sind bis heute archetypische Spielarten des Umbruchs. Durch die Digitalisierung sehen wir uns gegenwärtig erneut dem totalen Wandel ausgesetzt. Das urbane Tanzensemble Re:Soulution aus Mannheim wird mit seiner Performance zu Strawinskys Pulcinella auch auf tänzerischer Ebene die Parallele ins Jahr 2019 ziehen. ps

Weitere Informationen: 
Modern Times 1 (Sprachlos), 6. September, 19.30 Uhr, Ludwigshafen Pfalzbau. 
Modern Times 2 (Provokateure), 11. September, 19.30 Uhr, Friedenskirche Ludwigshafen.
Modern Times 3 (Salto Mortale), 15. September, 19 Uhr, Capitol Mannheim. 
Modern Times 4 (Influencer), 20. September, 19.30 Uhr, Rosengarten Mannheim. 

Autor:

Laura Seezer aus Mannheim

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