30 Jahre Krieg in der Südpfalz
Plünderung, Mord und Totschlag

Kupferstich von Perelle zeigt die Belagerung Landaus 1644 durch die Franzosen
  • Kupferstich von Perelle zeigt die Belagerung Landaus 1644 durch die Franzosen
  • Foto: Stadtarchiv Landau, Plansammlung
  • hochgeladen von Roland Kohls

Südpfalz. Die Soldaten wüteten in der Südpfalz vor allem zum Ende des Krieges fürchterlich. Die Orte hatten für die Versorgung der durchziehenden Heere zu sorgen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung starb.

Die 3.000 Mann stürmten Annweiler in kürzester Zeit, zogen von Haus zu Haus, nahmen mit, was nicht niet- und nagelfest war, schlugen das übrige kurz und klein. Die Schweden vergewaltigten die Frauen, drangsalierten Kinder wie Alte, Männer wie Frauen, die sich bei der Kälte bis auf‘s Hemd aufziehen mussten. Und oft genug nahmen sie auch noch dieses letzte Hemd. Das war am 23. Oktober 1639 als der Dreißigjährige Krieg bereits seit über 20 Jahren tobte.
Als am 23. Mai 1618 drei Gesandte des Kaisers in Prag aus dem Fenster der Hofburg geworfen wurden, mögen die Menschen in Landau, Germersheim oder Annweiler noch gedacht haben: „Was haben wir damit zu tun?“ Der Prager Fenstersturz gilt als der Beginn des 30-Jährigen Krieges. Der neue König über Böhmen, der katholische Habsburger und künftige Kaiser Ferdinand II., attackierte die Glaubensfreiheit, die sein Vorgänger den protestantischen Böhmen zugesichert hatte. Dagegen wehrten sich die Böhmen, was in dem Fenstersturz gipfelte.

Pfälzer Kurfürst nahm Böhmische Krone an

Aber spätestens seit der Pfälzer Kurfürst Friedrich, 23 Jahre alt und Führer der protestantischen Union, die Königskrone von den Böhmen mit der Krönung am 4. November 1619 annahm, war die Pfalz ins Zentrum des Konflikts geraten. Nachdem die Böhmen mit der protestantischen Union am 8. November 1620 bei der Schlacht am Weißen Berg bei Prag von der katholischen Liga vernichtend geschlagen werden, flieht Friedrich Hals über Kopf nach Den Haag. Spanische Truppen, als Habsburger dem Kaiser verpflichtet, fielen von Flandern aus in die Pfalz ein. Bereits „im Januar 1620 sind Truppen in den Quellen erwähnt“, berichtet Historiker Rolf Übel, Archivar von Bad Bergzabern und Annweiler. Es kam bis 1622 zu Gefechten, Plünderungen und Verheerungen. So marschierten kaiserliche Truppen ins Queichtal ein und die kroatische Söldner machten das halbe Dorf Albersweiler dem Erdboden gleich. 38 Häuser seien niedergebrannt worden, so Übel. Wer zum Trifels geflohen war, wurde Opfer der Pest. Aber das war nur „ein Präludium für die späteren, sehr viel dunkleren Jahre“, schreibt dazu Karl Hamm, Ortschronist von Albersweiler.

Schweden tritt in den Krieg ein

Bis auf Truppendurchzügen und Einquartierungen, die den Dörfer wegen der Zahlungen zur Versorgung der Truppen teuer zu stehen kommen, bleibt die Pfalz bis 1635 vom Krieg verschont. Eigentlich hatten die Kaiserlichen den Krieg 1629 auf ganzer Linie gewonnen. Doch dann tritt Schweden auf den Plan. Der Lutheraner Gustav Adolf von Schweden landet 1630 in Pommern und besiegt im Herbst 1631 das kaiserliche Heer unter Tilly.
Am 1. Januar 1632 ziehen die Schweden auch in Landau ein, berichtet der Stadtschreiber. Im folgenden Jahr übergeben die Schweden Landau an die Franzosen, die als Katholiken an der Seite der Protestanten kämpfen. Frankreich hat Interesse, dass das Deutsche Reich und Habsburg durch den fortwährenden Krieg weiter geschwächt wird.
Jetzt beginnt der sogenannte „schwedisch-französische Krieg“. Nach bald 20 Jahren Krieg sind Disziplin und Ordnung weitestgehend verloren gegangen. Die Soldaten plündern hemmungslos, die Dörfer werden verwüstet, die Frauen vergewaltigt und zur Prostitution in den Heerlagern gezwungen, die Männer zum Waffendienst gezwungen, den Einwohnern genommen, was noch da war. Und zusätzlich mussten die Menschen in den Dörfern und Städten Dienste leisten, um beispielsweise die Stadtmauern zu sichern. Bei all dem spielte auch keine Rolle, welchem Lager der Ort zugehörte. Bei den Söldnerheeren hatten ohnehin Herkunft und Religion keine Bedeutung mehr.

1635 beginnt die schwärzeste Zeit für die Pfalz

Als sich die Schweden 1635 nach ihrer Niederlage bei Nördlingen an den Rhein zurückzogen, beginnt auch in Landau, Annweiler und in den umliegenden Orten die schwärzeste Zeit des gesamten Krieges. Denn die Kaiserlichen zogen hinterher und vor allem die kroatischen Söldner wüteten schrecklich, heißt es in dem Bericht Zur Geschichte des Dorfes Wernersberg.
Die Kaiserlichen Truppen zogen sich 1639 kampflos aus Landau zurück, als erneut die Schweden in die Pfalz kamen. Erneut wurden Stadt und Dörfer jetzt von den Schweden geplündert. „Vor allem Annweiler wurde im Spätjahr 1639 von Landau aus „ausgeleert““, so Historiker Übel. Im nächsten
In Dahn gab es nur noch acht Familien, in Bruchweiler zwei, in Fischbach sieben und in Oberweidenthal harrte nur noch eine Sippe aus. Erfweiler und Schindhard waren vollkommen verlassen, heißt es in dem Bericht zur Geschichte des Dorfes Wernersberg. Auch in den Orte des Amts Falkenburg, also Wilgartswiesen, Spirkelbach, Rinnthal und Hochstätten, war nur noch ein Sechstel der Bevölkerung übrig. Hochstätten war komplett niedergebrannt worden. Da die Menschen hungers sterben oder in die Städte fliehen und dort an Seuchen oder am Hunger sterben, kommt vielerorts wie in Nußdorf in den 1640er Jahren die Landwirtschaft vollkommen zum Erliegen. Der Verwalter des Löwensteiner Hofguts notierte unter Einnahmen: „Nihil“ – nichts.

Nach dem Krieg waren die Orte wüst und leer

In der Stadt Landau wechselten immer wieder die Lager, die hier das Sagen hatten. Als ursprünglich protestantische Stadt, ging sie schon früh an die kaiserlichen Truppen, die die Pfalz besetzten, dann wieder an die protestantische Union und wieder an die kaiserliche Liga. Bis 1644 lagen sechs Besitzerwechsel hinter der Stadt Landau, die jedoch immer freiwillig die Tore öffnete, so Historiker Übel. In diesem Jahr wurde die Stadt dann erstmals belagert. Französische Truppen unter Marschall Turenne, die auf Seiten der Protestanten kämpften, beschossen die Stadt und nahmen sie schließlich ein. Teile der belagernden Truppen, waren auch in Nußdorf einquartiert. Bis Kriegsende blieben die Franzosen und die Orte hatten schwer unter den Kontributionszahlungen zu leiden.
Am 24. Oktober 1648 endet der 30-jährige Krieg mit dem Westfälischen Frieden. Fünf Jahre hatten die Kriegsparteien in Münster und Osnabrück verhandelt. Zwar zogen keine Truppen mehr durch die Pfalz, es gab keine Einquartierungen und keine Konstributionszahlungen mehr, die Geflohenen, die Krieg und Seuchen überlebt hatten, kehrten zurück, aber das Land erholte sich nur langsam von den Folgen des Krieges.
Von den 73 Familien, die vor dem Krieg in Nußdorf lebten, waren zu Kriegsende im Jahr 1648 nur noch acht übrig geblieben, hat Übel recherchiert. Das bedeutet, dass von den 330 ursprünglichen Einwohnern nur 30 in Nußdorf überlebt hatten. Die anderen waren tot oder geflohen. Viele Häuser waren verlassen und verwüstet. Auch das heutige Bauernkriegshaus hatte dieses Schicksal, denn es wurde erst nach dem 30-jährigen Krieg wiederaufgebaut. Da im Jahr 1660 auf einer Liste 33 von den ursprünglichen Familien auftauchen, haben wohl etwa 150 Menschen den Krieg überlebt und waren zurückgekehrt. Allerdings lebten 50 Jahre später rund 400 Menschen in Nußdorf, wie Übel berichtet – mehr als vor dem Krieg. rk 

Krieg der Bauern

Autor:

Dehäm Magazin aus Ludwigshafen

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