Radsport
Pfalzmeisterschaft und Rheinlandpfalz Rundfahrt
- Pfalzmeisertschaft in Offenbach
- Foto: Pfälzer Tageblatt
- hochgeladen von Rudi Birkmeyer
Rückblicke: Zu dieser Reportage im Facebook (1. Foto) bekam ich die Anfrage: "Was ist Benzinfahren?" und eine weiteren zum Rückblick zum Thema "Hungerast!"
Dazu habe ich folgenden Erlebnisbericht:
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Rheinlandpfalzrundfahrt 1975
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Schon meine Teilnahme an dieser bedeutenden Radrundfahrt für Amateure war etwas ganz Außergewöhnliches. Als ehemaliger Fahrer des RSV Landau-Mörlheim erhielt ich eine Sondergenehmigung, um beim Prolog in Landau starten zu dürfen – obwohl ich zu diesem Zeitpunkt bereits für Chio Mannheim fuhr.
Nach dem Rennen kam mein früherer Jugendtrainer Heinz Wittner auf mich zu und sagte:
„Im Rheinland-Pfalz-Team ist ein Platz frei geworden – willst du die Rundfahrt mitfahren?“
Noch am selben Abend stand ich bei meinem damaligen Chef, um kurzfristig Urlaub zu beantragen, und begann, alles zusammenzusuchen, was man für eine mehrtägige Rundfahrt braucht. Eine „optimale“ Vorbereitung sieht sicher anders aus. Vermutlich war ich einer der wenigen echten Amateure im Feld – ein typischer Feierabendfahrer, der überhaupt bei diesem großen Rennen starten durfte.
140 Kilometer allein – und der Chefkampfrichter im Nacken
Die ersten Etappen verliefen problemlos. Doch auf der 6. Etappe nach Kusel wurde ich bereits kurz nach dem Start am ersten Berg abgehängt. Rund 140 Kilometer musste ich fast vollständig alleine zurücklegen. Hinter mir fuhr der Wagen des Chefkampfrichters, der akribisch darauf achtete, dass ich keinerlei Hilfe erhielt. Fans, die mir am Potzberg mit einem kleinen Schubs helfen wollten, hätte er beinahe über den Haufen gefahren.
Gleichzeitig wurden einige Nationalfahrer von Polizeimotorrädern regelrecht die Berge hinaufgeschoben – immerhin mit Strafsekunden geahndet. Mir wurde klar: Nie wieder als Erster abgehängt werden! In den folgenden Tagen nahm auch ich die gelegentliche „Polizeiunterstützung“ dankend an.
In Kusel kam ich schließlich als Letzter ins Ziel – gemeinsam mit zwei weiteren Abgehängten. Meine Frau Ursula war extra angereist und wartete voller Sorge auf mich. Doch sie war nicht die Einzige: Auch der SWR stand bereit – mit Kamera und Mikrofon.
Unmittelbar nach dem Zieleinlauf wurde ich zu meinem ersten Interview gebeten. Die Einstiegsfrage lautete:
„Herr Birkmeyer, wie fühlt man sich, wenn man über eine halbe Stunde hinter dem Sieger ins Ziel kommt?“
Was sollte man darauf antworten? Schlagfertig war ich damals nicht. Heute hätte ich wohl erklärt, dass ich einer der wenigen wirklichen Amateure im Feld war – täglich acht Stunden Arbeit, abends Training – und dann über 140 Kilometer allein gegen Wind, Berge und ein starkes Fahrerfeld gekämpft hatte. Eigentlich eine beachtliche Leistung!!!
Hungerast
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Den ersten „Hungerast“ meiner jungen Radsportkarriere erlebte ich bei einem meiner intensivsten Rennen: den Pfalzmeisterschaften 1968 in Offenbach.
Am Tag zuvor lag ich noch krank im Bett, mit Magenproblemen, die mich fast außer Gefecht gesetzt hätten. Meine Mutter, voller Sorge, putzte mein Rad bis es glänzte – das Rennen führte direkt an unserem Haus in Mörlheim vorbei. Ein blitzsauberes Rad war für mich Pflicht.
Als B-Jugend-Fahrer (14–16 Jahre), der noch nie 75 km am Stück gefahren war, startete ich in einer gemeinsamen Meisterschaft mit der A-Jugend (16–18 Jahre). Doch wie immer: Rudi fuhr auf Angriff! Schon früh im Rennen setzte ich mich ab – nur Karl Laubersheimer aus der A-Jugend konnte folgen. Wir verschafften uns schnell einen komfortablen Vorsprung, wechselten uns perfekt ab, und die Zuschauer, besonders die in meinem Heimatort, feuerten uns begeistert an.
Doch mein Körper rebellierte. Die Bananen, die ich mitgenommen hatte, waren ungenutzt geblieben, und der Hunger nach dem schwachen Vortag machte sich bemerkbar. Mit jedem Kilometer wurde ich langsamer, erschöpfter – ein brutaler Einbruch war unvermeidlich.
Wir gingen mit großem Vorsprung in die letzte Runde. Ausgangs Offenbach, etwa 5 km vor dem Ziel, kam der Moment, den ich gefürchtet hatte: Karl setzte zu einem trockenen Antritt an – und ich konnte nicht folgen. Mein Körper schrie, ich war völlig am Ende. Innerhalb eines Kilometers schmolz mein Vorsprung von fast zwei Minuten dahin. Weitere vier Kilometer quälte ich mich durch jeden Tritt, das Ziel immer in Sicht, aber endlos weit entfernt.
Karl Laubersheimer wurde am Ende Pfalzmeister – und ich durfte stolz sein, als B-Jugendlicher ein so hartes Rennen gegen einen A-Jugend-Meister mitgefahren zu sein. Die letzte Runde fühlte sich wie ein Spießrutenlaufen an. Mein Lehrherr machte sich am nächsten Tag über meinen „Einbruch“ lustig, und überall wurde ich darauf angesprochen. Doch in mir wusste ich: Das war keine Niederlage. Unter diesen Umständen alles gegeben zu haben, zeigt mehr über Mut, Leidenschaft und Durchhaltevermögen als jeder Sieg. Dieses Rennen prägte ein Stück meines Lebens und machte mich stärker – auf der Strecke und darüber hinaus.
Autor:Rudi Birkmeyer aus Offenbach |
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