Theatermagie samt Drahtseilakt: Pfalztheater feiert umjubelte Premiere von "Don Giovanni"
- Die Premiere von "Don Giovanni" im Pfalztheater begeisterte das Publikum
- Foto: Ralf Vester
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Kaiserslautern. Die Premiere von Mozarts „Don Giovanni“ am Pfalztheater Kaiserslautern wurde zu einem Abend voller Spannung – auf, hinter und jenseits der Bühne. Kurz vor der Aufführung am Samstag, 14. Februar, stand das Produktionsteam vor einer unerwarteten Herausforderung: Eine der zentralen Sängerinnen musste krankheitsbedingt absagen. Bethany Yeaman, welche die Partie der Donna Elvira hätte geben sollen, musste sich nach der Generalprobe den übermächtigen Viren geschlagen geben und fiel quasi in letzter Minute aus.
Binnen kürzester Zeit gelang es dem künstlerischen Direktor des Pfalztheaters, Daniel Böhm, mit der norwegischen Sopranistin Ann-Beth Solvang eine hochkarätige Ersatzbesetzung für die Rolle zu gewinnen. Sie wurde noch am Tag der Premiere kurzfristig eingeflogen, arbeitete sich unter Hochdruck in die Inszenierung ein und gab am Abend eine überzeugende und natürlich besonders umjubelte Donna Elvira. Dieser Kraftakt, getragen von herausragendem Engagement und höchster Professionalität, war praktisch ein Sinnbild für die Leidenschaft und Flexibilität des Ensembles und des gesamten Theaterbetriebs.
Schauplätze aus Kaiserslautern als treffende Bildkulisse
Im vollbesetzten Großen Haus entfaltete sich eine intensive, zeitgenössisch gedachte Interpretation von Mozarts Opernklassiker aus dem Jahr 1787. Regisseur Christoph Dammann verlegte das Geschehen in eine Bildwelt, die das Stadtbild von Kaiserslautern als Kulisse nutzte und den legendären Verführer Don Giovanni als Spiegel einer heutigen Gesellschaft zeigte. Die stimmungsvollen Fotografien von Ray Albuquerque dienten als perfekter Hintergrund.
Bariton Johannes Fritsche zeichnete die Titelrolle des Don Giovanni als charismatische und zugleich abgründige Figur, deren rastlose Suche nach Lust und Freiheit schließlich in den moralischen Abgrund führt. Unterstützt wurde er von einem wunderbaren Ensemble, das die psychologischen und sozialen Spannungen der Oper präzise auslotete. Seunghee Kho als Donna Anna, Daniel Kim als Don Ottavio, Arkadiusz Jakus als Komtur, Ben McAteer als Don Giovannis Diener Leporello, Valerie Gels als Zerlina und Seongbeom Gu als Masetto sorgten als stimmlich harmonisches Ensemble dafür, dass das Publikum einen wundervollen Abend zu Mozarts Klängen verbrachte.
Musikalisch überzeugte die Aufführung mit einer klaren, spannungsreichen Interpretation unter der Leitung von Generalmusikdirektor Daniele Squeo. Orchester und Sängerinnen und Sänger formten gemeinsam ein dichtes Geflecht aus Emotion, Drama und musikalischer Eleganz. Besonders eindrücklich gelang das Finale, in dem Don Giovannis Untergang als konsequente Folge seines Handelns gezeigt wurde und die Bühne einen eindringlichen Blick zurück ins Publikum warf – als Einladung zur Selbstreflexion.
Ensemble wächst über sich hinaus
Das Publikum reagierte mit lang anhaltendem Applaus und sichtlicher Begeisterung auf eine Premiere, die sowohl als künstlerische Leistung als auch als organisatorischer Kraftakt in Erinnerung bleibt. „Don Giovanni“ erwies sich am Pfalztheater als ein Abend voller Risiko, Intensität und Theatermagie – getragen von einem Ensemble, das in einer Ausnahmesituation über sich hinauswuchs und Mozarts Meisterwerk eindrucksvoll in die Gegenwart holte. rav
Autor:Ralf Vester aus Kaiserslautern |
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