Über 500 Beratungen: Was dieser neue Bericht über häusliche Gewalt im Kreis Germersheim offenlegt
- Häusliche Gewalt geschieht meist im Verborgenen. Der aktuelle Tätigkeitsbericht der Gleichstellungsstelle des Landkreises Germersheim zeigt, wie groß der Beratungsbedarf ist und wie wichtig Schutz- und Hilfsangebote für Betroffene bleiben. (Symbolbild erstellt mit generativer KI)
- Foto: Heike Schwitalla
- hochgeladen von Heike Schwitalla
Landkreis Germersheim. Was sich hinter dem Begriff „Gleichstellungsarbeit“ verbirgt, bleibt für viele Menschen unsichtbar – bis sie selbst Hilfe benötigen oder es in ihrem direkten Umfeld zu einer Krisensituation kommt. Im Landkreis Germersheim umfasst die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten Lisa-Marie Trog weit mehr als Fragen der beruflichen Chancengleichheit. Sie begleitet Menschen in akuten Krisensituationen, berät Betroffene häuslicher und sexualisierter Gewalt und setzt sich für den Ausbau von Schutz- und Präventionsangeboten ein.
Tätigkeitsbericht zeigt Bedarf
Wie groß der Bedarf ist, zeigt ihr aktueller Tätigkeitsbericht für die Jahre 2023 bis 2025 eindrucksvoll: Mehr als 500 Beratungsfälle wurden in diesem Zeitraum registriert. Die Anliegen reichen von Benachteiligungen im Berufsleben bis hin zu Fällen häuslicher und sexualisierter Gewalt – Herausforderungen, die auch bundesweit zu den drängenden gesellschaftlichen Themen gehören.
Frauenhaus an Belastungsgrenze
Ein zentrales Nadelöhr im regionalen Hilfesystem bleibt die Auslastung des Frauenhauses Südpfalz. Im Jahr 2023 fanden dort 28 Frauen und 33 Kinder Schutz. In den Jahren 2024 und 2025 kamen weitere 25 Frauen und 45 Kinder hinzu. Die Zahlen entsprechen dem bundesweiten Trend und machen deutlich, wie unverzichtbar diese Schutzeinrichtung ist.
Trog weist darauf hin, dass häusliche Gewalt alle gesellschaftlichen Gruppen betrifft – unabhängig von Alter, Einkommen oder sozialem Umfeld. Besonders Menschen ohne eigene finanzielle Mittel oder ohne tragfähiges soziales Netzwerk seien auf anonyme Schutzplätze angewiesen. Gleichzeitig tauchen nicht alle Betroffenen in der Statistik auf, weil manche vorübergehend bei Freunden oder Angehörigen unterkommen.
Häusliche Gewalt ist alltäglich
„Häusliche und sexualisierte Gewalt ist kein Randphänomen, sondern bittere Realität mitten in unserer Gesellschaft. Die hohen Beratungszahlen zeigen uns vor allem eines: Wir haben im Landkreis ein funktionierendes Hilfesystem, das Betroffenen den Mut gibt, das Schweigen zu brechen. Unser unbedingter Auftrag als Landkreis ist es, hinzusehen, Betroffene lückenlos zu schützen und Gewalt in jeglicher Form die rote Karte zu zeigen“, so Trog.
Ein wichtiger Impuls für die öffentliche Auseinandersetzung war die Wanderausstellung „Man(n) tötet nicht aus Liebe“. Sie rückte das Tabuthema Femizide – die Tötung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts – in den Mittelpunkt und machte patriarchale Besitzansprüche ebenso sichtbar wie die häufig verharmlosende Sprache in der Berichterstattung, wenn schwerste Gewalttaten als vermeintliches „Beziehungsdrama“ bezeichnet werden. Die große Resonanz im Landkreis verdeutlichte, wie wichtig Aufklärung ist, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen und Gewalt nicht zu relativieren.
Künftig richtet die Gleichstellungsstelle ihren Blick verstärkt auf Prävention. Geplant sind digitale Angebote für junge Menschen, die sich mit algorithmisch verstärkten Rollenbildern, Frauenfeindlichkeit im Internet sowie moderner Vaterschaft auseinandersetzen. Ziel ist es, ein respektvolles, geschlechtergerechtes Miteinander und die Übernahme von Verantwortung bereits in jungen Jahren zu fördern.
Hier finden Opfer von häuslicher Gewalt Hilfe
Wer von Gewalt betroffen ist oder eine betroffene Person kennt, kann sich vertraulich an die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Germersheim wenden.
Gleichstellungsbeauftragte Lisa-Marie Trog
E-Mail: gleichstellungsbeauftragte@kreis-germersheim.de
Internet: www.kreis-germersheim.de/gleichstellung
Das bundesweite Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter der kostenfreien Rufnummer 116 016 rund um die Uhr erreichbar.
Autor:Heike Schwitalla aus Germersheim |
|
| Heike Schwitalla auf Facebook | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.