Zukunftspreis in München: Drei marktreife Ideen nominiert
- Das Deutsche Museum in München ist eines der größten Wissenschafts- und Technikmuseen der Welt. (Archiv)
- Foto: Leonie Asendorpf//dpa
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München. Neue Technik für verlässlichere Energie, schnellere Datenübertragung und zusätzliche Chancen in der Intensivmedizin rückt näher an den Alltag: In München sind drei marktreife Projekte für den Deutschen Zukunftspreis nominiert worden. Vorgestellt wurden sie am Mittwoch, 16. September, im Deutschen Museum. Die Teams kommen aus Bayern und Baden-Württemberg.
Wer den mit 250.000 Euro dotierten Preis erhält, entscheidet eine Jury am Mittwoch, 18. November. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht die Auszeichnung in Berlin. Schon die Nominierung gilt in Wissenschaft und Wirtschaft als wichtige Anerkennung.
Warum die Projekte für den Alltag wichtig sind
Die nominierten Entwicklungen betreffen Bereiche, die viele Menschen indirekt spüren: sichere Stromversorgung, leistungsfähige digitale Netze und moderne Behandlung auf Intensivstationen. Alle drei Ansätze sind nach Angaben der Beteiligten bereits marktreif oder im Einsatz.
- Energie: Ein reversibles Brennstoffzellenkraftwerk kann Strom erzeugen und überschüssige Energie in Wasserstoff oder synthetisches Methan umwandeln.
- Gesundheit: Ein Therapiesystem unterstützt bei Multiorganversagen mehrere lebenswichtige Funktionen zugleich.
- Digitaltechnik: Photonische Mikrochips aus Karlsruhe sollen Daten schneller und energieeffizienter übertragen.
Energiespeicher nutzt vorhandenes Gasnetz
Forscher der Technischen Universität München haben ein reversibles Brennstoffzellenkraftwerk entwickelt. Es kann bei Bedarf Strom aus Biogas, Erdgas oder Wasserstoff erzeugen. Gibt es ein Überangebot an Wind- und Solarstrom, läuft der Prozess umgekehrt: Dann stellt die Anlage Wasserstoff oder synthetisches Methan her.
Energie lässt sich damit langfristig im bestehenden Gasnetz speichern und später wieder zur Stromerzeugung nutzen. Aus dem Projekt ging vor vier Jahren das Unternehmen Reverion hervor. Erste Anlagen sind bereits kommerziell im Einsatz.
Therapie für schwer kranke Intensivpatienten
Eine medizinische Herausforderung steht im Mittelpunkt des Projekts der Münchner Advitos-Gesellschaft. Bei schwerer Sepsis, Vergiftungen oder nach Operationen kann Multiorganversagen auftreten. Das System soll dann mehrere lebenswichtige Funktionen zugleich unterstützen.
Es entfernt wasserlösliche und proteingebundene Giftstoffe aus dem Blut, hilft bei der Elimination von Kohlendioxid und stabilisiert den Säure-Basen-Haushalt. Nach Angaben des Unternehmens wird die Technologie inzwischen an mehr als 30 Intensivstationen in Deutschland und Österreich eingesetzt. Mehr als 11.500 Behandlungen wurden demnach bereits durchgeführt.
Multiorganversagen als Folge einer Sepsis steht in Deutschland an dritter Stelle der häufigsten Todesursachen, nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
Karlsruher Chiptechnik für KI und Rechenzentren
Das dritte Projekt kommt vom Karlsruher Institut für Technologie. Forscherteams haben dort eine Fertigungstechnologie für photonische Mikrochips entwickelt. Hintergrund sind stark wachsende Datenmengen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.
Bei klassischer Datenübertragung mit elektrischen Signalen steigen Energieverbrauch, Wärmeentwicklung und Signalverluste. Die Karlsruher Technik nutzt hochauflösenden 3D-Druck auf der Nanoskala. Damit werden Chips und Glasfasern automatisiert durch winzige dreidimensionale Lichtleiter verbunden.
Diese sogenannten photonischen Wirebonds sollen die bislang aufwendige Verbindungstechnik vereinfachen und erstmals eine Serienfertigung ermöglichen. Ziel ist eine wirtschaftliche Herstellung photonischer Systeme für Rechenzentren und KI-Anwendungen in großen Stückzahlen.
Der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation wird seit vielen Jahren verliehen. Im vergangenen Jahr wurde ein Stuttgarter Projekt ausgezeichnet: Forscher von Bosch entwickelten ein kompaktes Brennstoffzellen-Antriebssystem für schwere Lastwagen und emissionsfreien Fernverkehr. dpa/red
Autor:Sarah Isele aus Mannheim-Nord |