Zittern in Hannover: Fällt bei VW heute die Vorentscheidung über Tausende Jobs?
- In der Wolfsburger Zentrale begann die Serie von außerordentlichen Treffen zwischen Vorstand und Belegschaft. (Archivbild)
- Foto: Roland Niepaul/Volkswagen VW/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Hannover. Beschäftigte und Zulieferer blicken auf Volkswagen: In Hannover endet am Montag, 31. August, die vorerst letzte außerordentliche Betriebsversammlung vor möglichen neuen Beschlüssen zum Sparkurs des Konzerns.
Bei dem Treffen stellt sich Finanzvorstand Arno Antlitz den Beschäftigten des Nutzfahrzeug-Werks. Im Kern geht es um Kosten, Wettbewerbsfähigkeit und die Frage, welche Perspektiven Standorte und Arbeitsplätze bis 2030 haben. Volkswagen gehört mit Marken wie Porsche und Audi zu den größten Arbeitgebern in Deutschland.
Warum die Betriebsversammlung wichtig ist
Der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume hält den bereits laufenden Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 nicht für ausreichend. Das Management arbeitet an einem „Zielbild 2030“. Seitdem bangen Beschäftigte um Zehntausende weitere Arbeitsplätze und um mehrere Werke.
Besonders im Fokus stehen Emden, Zwickau, das Audi-Werk in Neckarsulm und Hannover. Für diese Standorte gebe es nach Angaben Blumes noch keine „wettbewerbsfähige Belegung“ für die 2030er Jahre. Werksschließungen nennt der Konzernchef eine letzte Option, die er vermeiden wolle.
Was Volkswagen bislang angekündigt hat
Blume begründet den Sparkurs mit hohem Kostendruck und einem schwierigen Marktumfeld. „Wir müssen Komplexität reduzieren, unsere Strukturen konsequent verschlanken und Kosten senken“, sagte er bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg.
Nach seinen Worten sollen die Einschnitte besonders Bereiche außerhalb der direkten Fahrzeugproduktion betreffen. Dazu zählen Konzernstellen, zentrale Funktionen, Entwicklung und Vertrieb. Auch im Management soll gespart werden. Dort werde ein Viertel der Stellen abgebaut, sagte Blume in Emden.
Für Beschäftigte ist wichtig: Die im Zusammenhang mit dem „Zielbild 2030“ genannte Zahl von 50.000 weiteren Arbeitsplätzen sei laut Blume keine feste Zielgröße. Es handle sich um eine theoretische Rechengröße, die sich aus den Kosten ableite.
Welche Standorte besonders im Blick stehen
Offen ist weiterhin, ob Werke geschlossen werden könnten. Blume sagte, Ziel sei es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen.
Genannt werden mehrere mögliche Optionen. Dazu gehören eine zeitweise Nutzung von Standorten für Rüstungsproduktion oder der Bau chinesischer VW-Modelle in Deutschland. Konkrete Beschlüsse dazu gibt es bislang nicht.
Was jetzt im Aufsichtsrat passiert
Der Aufsichtsrat soll nach Medienberichten am Freitag, 4. September, zusammenkommen. Dass das Gremium dann bereits endgültige Entscheidungen trifft, gilt als unwahrscheinlich. Blume hatte angekündigt, sein Sparpaket bis zum Jahresende festzurren zu wollen.
Auch die Arbeitnehmerseite soll nach Medienberichten ein Konzept vorlegen. Widerstand kommt zudem vom Land Niedersachsen als VW-Großaktionär. Ministerpräsident Olaf Lies fordert „ein tragfähiges Zukunftskonzept“. Werksschließungen und massenhafte Entlassungen könnten nicht die Lösung sein.
Warum die Autobranche unter Druck steht
Volkswagen verweist auf hohe Kosten, US-Zölle, den Einbruch des chinesischen Marktes, geopolitische Konflikte, härteren Wettbewerb in Europa und starke Regulierung. Blume spricht nicht von einer reinen VW-Krise, sondern von einer Krise der gesamten Automobilbranche.
Auch andere Hersteller und Zulieferer streichen Stellen. Mercedes-Benz hat bereits tausende Jobs abgebaut. BMW hat den Abbau von rund 8.000 Stellen weltweit angekündigt. Bosch will weltweit bis zu 22.000 Stellen im Zuliefererbereich streichen, bei ZF sind es 14.000 in Deutschland.
Zum Ende des ersten Halbjahres waren in der deutschen Autoindustrie noch 691.500 Menschen beschäftigt. Das waren 42.300 weniger als ein Jahr zuvor und so wenige wie seit Beginn der vergleichbaren Zahlenreihe des Statistischen Bundesamts 2005 nicht mehr.
Die IG Metall macht das Management für die Misere mitverantwortlich und plant für Montag, 21. September, einen bundesweiten Aktionstag an Auto-Standorten. Für Volkswagen bleibt die zentrale Frage, wie Kosten sinken können, ohne Standorte und Beschäftigung dauerhaft zu schwächen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
|
| Cornelia Bauer auf Facebook | |