Streit um Plastikstrohhalme: Capri‑Sun aus Eppelheim drängt auf Rückkehr
- Capri-Sun kämpft um eine Rückkehr zu Plastikstrohhalmen – Kunden hätten sich etwa über den Papiergeschmack beim Trinken beschwert, sagt das Unternehmen aus Eppelheim. (Symbolbild)
- Foto: Bernd Weißbrod/dpa
- hochgeladen von Cornelia Bauer
Eppelheim. Beim bekannten Trinkbeutel Capri Sun könnte der Strohhalm künftig wieder aus Plastik bestehen. Der Hersteller aus Eppelheim im Rhein Neckar Kreis setzt sich bei der Europäischen Union für eine entsprechende Ausnahme ein. Umwelt und Verbraucherschützer reagieren mit deutlicher Kritik.
Auslöser ist ein EU Verbot für Einwegplastikprodukte. Seit 2021 verwendet Capri Sun deshalb Papierstrohhalme für seine klassischen Trinkbeutel. Nach Angaben des Unternehmens gibt es seitdem immer wieder Beschwerden von Verbrauchern. Der Papierstrohhalm lasse sich schwerer einstecken, werde schnell weich und könne den Geschmack beeinflussen.
Um Unterstützung zu sammeln startete Capri Sun eine Online Petition. Eine Million Unterschriften waren das Ziel. Rund eineinhalb Jahre nach dem Start liegt die Zahl laut Plattform Change.org jedoch bei weniger als 169000. Das Unternehmen erklärte, die Petition werde derzeit nicht aktiv beworben. Am Ziel halte man dennoch fest.
Capri Sun setzt auf Kunststoff Polypropylen
Nach Angaben des Herstellers gibt es einen Austausch mit der Europäischen Kommission. Hintergrund ist auch die geplante EU Verpackungsverordnung. Sie soll das Recycling von Verpackungen verbessern. Capri Sun schlägt vor, Strohhalm und Trinkbeutel aus demselben Material zu fertigen. Beide könnten dann aus Polypropylen bestehen. Das gesamte Produkt lasse sich so besser recyceln, argumentiert das Unternehmen.
Einen klaren Absatzrückgang wegen der Papierstrohhalme beim 200 Milliliter Trinkbeutel sieht Capri Sun nach eigenen Angaben bisher nicht. Produziert wird der Beutel in Eppelheim bei Heidelberg. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt im schweizerischen Zug.
Kritik von Umwelt und Verbraucherschützern
Umweltorganisationen lehnen eine Rückkehr zu Plastikstrohhalmen ab. Die Deutsche Umwelthilfe bezeichnet den Vorstoß als nicht nachvollziehbar. Gerade kleine Trinkbeutel würden häufig unterwegs konsumiert und gelangten deshalb oft in die Umwelt.
Jedes zusätzliche Plastikelement könne über Jahre in der Natur verbleiben und sich zu Mikroplastik zersetzen. Auch die Verbraucherzentrale Baden Württemberg sieht Probleme. Viele Trinkbeutel würden nicht korrekt im Gelben Sack entsorgt. Die Verpackung gelte deshalb aus Sicht der Verbraucherschützer als nicht mehr zeitgemäß.
Die EU Kommission bestätigte Gespräche mit Capri Sun. Zugleich verwies sie auf die weit verbreitete Sorge über Plastikmüll in der Umwelt. Das Verbot für Einwegplastikprodukte soll bis zum kommenden Jahr überprüft werden. dpa/red
Autor:Jens Vollmer aus Wochenblatt Kaiserslautern |