Schwarze Zahlen bei der Bahn: Was Reisende jetzt erwarten
- Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr wieder schwarze Zahlen geschrieben und zugleich Rekord-Investitionen in Infrastruktur und Sanierung gemeldet. Für Reisende bleiben Baustellen und Pünktlichkeit dennoch die entscheidenden Themen.
- Foto: Deutsche Bahn AG / Oliver Lang
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Deutschland. Für Reisende ist das vor allem ein Signal, dass die Deutsche Bahn ihren Sanierungskurs fortsetzt und weiter Milliarden in Strecken, Bahnhöfe und Züge steckt. Im ersten Halbjahr hat der Konzern nach Steuern wieder einen Gewinn erzielt und erwartet auch für das Gesamtjahr schwarze Zahlen.
Wie die Deutsche Bahn mitteilt, lag das Ergebnis nach Steuern im Kerngeschäft von Januar bis Juni bei plus 147 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Minus von 760 Millionen Euro gestanden. Der Konzernumsatz stieg leicht um 1,8 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um mehr als 650 Millionen Euro auf 415 Millionen Euro.
Was hinter dem Ergebnissprung steckt
Hauptgrund ist laut Unternehmen die bessere operative Entwicklung in den Geschäftsfeldern. Hinzu kommen erste Kostensenkungen sowie Stellenabbau in der Konzernleitung und bei internen Dienstleistern. Mit der im Juni beschlossenen Strategie „DB 2035“ will die Bahn verlässlicher, wirtschaftlich tragfähiger und organisatorisch schlanker werden.
DB-Chefin Evelyn Palla spricht von einer wichtigen Wegmarke. Erstmals seit 2019 schreibe das Eisenbahngeschäft wieder schwarze Zahlen. Zugleich machte sie deutlich, dass der Konzern erst dann zufrieden sein könne, wenn auch die Qualität im Alltag spürbar besser werde.
Was das für Fahrgäste bedeutet
Direkte Entlastung im täglichen Betrieb gibt es aus Sicht der Bahn vor allem durch zusätzliche Programme für Sauberkeit, Sicherheit und Information. Dafür stellt der Konzern rund 150 Millionen Euro bereit.
- 44 mobile Handwerkerteams waren im ersten Halbjahr für schnelle Reparaturen an Bahnhöfen im Einsatz.
- Zusätzliche Sicherheitskräfte leisteten mehr als 100.000 Stunden Streife auf Bahnsteigen.
- Im Fernverkehr waren täglich 220 zusätzliche Reinigungskräfte unterwegs.
Mehr als 960 Millionen Menschen fuhren im ersten Halbjahr mit Zügen der Deutschen Bahn. Das waren rund 17 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. Im Fernverkehr zog der Ticketverkauf seit April wieder an. Sonderangebote für Familien, junge Reisende und Kurzentschlossene stützten die Nachfrage.
Fernverkehr, Regio und Cargo im Überblick
Der Fernverkehr kehrte operativ in die Gewinnzone zurück. Dort stand nach sechs Monaten ein Plus von 148 Millionen Euro nach einem Minus von 59 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig bremsten viele Baustellen die Verkehrsleistung.
Auch DB Regio blieb mit 89 Millionen Euro operativ im Plus. Vor allem auf Pendlerstrecken stieg die Nachfrage. Als Grund nennt die Bahn unter anderem hohe Spritpreise, wegen derer mehr Berufstätige vom Auto auf den Zug wechselten.
DB Cargo blieb zwar noch leicht im Minus, verbesserte das operative Ergebnis aber deutlich auf minus 1 Million Euro. Hier sieht der Konzern weiter Risiken, vor allem wegen der schwachen Konjunktur in Industriebranchen wie Stahl, Chemie und Auto.
Rekord bei Investitionen und Baustellen
Besonders wichtig für Reisende in den kommenden Jahren ist die Infrastruktur. Die Brutto-Investitionen des Konzerns stiegen im ersten Halbjahr um 18 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Das ist nach Unternehmensangaben der höchste Halbjahreswert in der Geschichte der Bahn. Die eigenfinanzierten Netto-Investitionen lagen mit 3,4 Milliarden Euro sogar 89 Prozent über dem Vorjahreswert.
Ein großer Teil des Geldes floss in das Schienennetz. Die Bahn spricht von einem Rekord bei den Investitionen in die Infrastruktur. Im sogenannten Super-Baujahr 2026 sollen insgesamt 28.000 Baustellen umgesetzt werden. Bis zum Halbjahr waren rund 14.000 abgeschlossen. Fertiggestellt wurden unter anderem die Korridorsanierung Hamburg – Berlin sowie weitere Strecken wie Hamburg – Hannover und Hagen – Wuppertal – Köln.
Pünktlichkeit bleibt die Baustelle
Wirtschaftlich zeigt der Trend nach oben. Im Betrieb bleibt die Lage für viele Fahrgäste jedoch angespannt. 87,5 Prozent aller Personenverkehrszüge kamen im ersten Halbjahr mit weniger als sechs Minuten Verspätung an. Im Fernverkehr lag dieser Wert bei 59 Prozent. Mit weniger als 15 Minuten Verspätung erreichten 76 Prozent der Fernzüge ihr Zielbahnhof. Bei DB Regio lag die Pünktlichkeit bei 88,2 Prozent.
Die hohe Zahl an Baustellen, Wintereinbrüche zu Jahresbeginn und die Hitzewelle im Juni belasteten den Betrieb. Auch in den nächsten Jahren dürfte die Zahl der Baustellen hoch bleiben.
Ausblick auf das Gesamtjahr
Für das Gesamtjahr rechnet die Deutsche Bahn weiterhin mit einem Umsatz von etwa 28 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von ungefähr 600 Millionen Euro. Trotz der Rückkehr in die Gewinnzone steigen wegen der hohen Investitionen auch die Netto-Finanzschulden. Sie lagen zum Stichtag 30. Juni bei 21,6 Milliarden Euro und damit rund eine Milliarde Euro höher als zu Jahresbeginn.
Unterm Strich verbessert sich die wirtschaftliche Lage der Bahn deutlich. Für Fahrgäste bedeutet das vor allem zweierlei. Mehr Geld fließt in Netz und Betrieb. Spürbare Verbesserungen bei Pünktlichkeit und Qualität werden aber wegen der vielen Baustellen weiter Zeit brauchen.
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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