Sanierung in Tschernobyl: Koblenzer Firma hofft auf Auftrag
- Die Schutzhülle muss nach einem Drohneneinschlag repariert werden. Die Bundesregierung will laut Umweltminister Schneider einen Beitrag leisten. (Archivbild)
- Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
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Koblenz. Beim Schutz vor radioaktiven Partikeln in Tschernobyl könnte erneut Technik aus Rheinland-Pfalz helfen: Das Koblenzer Unternehmen Kalzip ist in die Vorbereitungen für die Reparatur der beschädigten Schutzhülle eingebunden.
Die Firma habe der zuständigen Projektgesellschaft mögliche Lösungen vorgestellt und ein Angebot abgegeben, sagte Vertriebsleiter Christoph Schmidt der Deutschen Presse-Agentur. Kalzip rechnet damit, in den kommenden Monaten einen Auftrag zu erhalten. Das Unternehmen hatte bereits die große Edelstahlhülle geliefert, die seit rund zehn Jahren den zerstörten Reaktor überdeckt.
Erst abdichten, dann grundlegend sanieren
Nach Angaben von Schmidt soll die Reparatur in zwei Stufen laufen. Zunächst geht es um eine Übergangslösung: Durch die große Beschädigung soll kein Wasser mehr in die Schutzhülle eindringen. Zudem müssen zahlreiche kleinere Löcher geschlossen werden, die bei einem Feuerwehreinsatz entstanden sind.
In einer zweiten, deutlich umfangreicheren Phase soll die radioaktiv beständige Membran ersetzt werden. Auch die Konstruktion muss erneuert werden, damit die notwendige Luftdichtigkeit wiederhergestellt wird. „Die Lösung wird in den nächsten Jahren erarbeitet“, sagte Schmidt.
Bund nennt 50 Millionen Euro
Ob das Projekt schneller vorankommt, hängt nach Einschätzung von Schmidt auch von der Finanzierung ab. Die von Bundesumweltminister Carsten Schneider angekündigten 50 Millionen Euro sieht er zurückhaltend. „Aus meiner Sicht sind 50 Millionen Euro für die erste Stufe zu viel und für die zweite Stufe nicht ausreichend“, sagte Schmidt. Kalzip sitze allerdings „am Ende der Informationskette“.
Schneider hatte bei einem Besuch am zerstörten Reaktor erklärt, Deutschland werde Teil einer notwendigen internationalen Lösung sein. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der Bundestag die Mittel bewilligt. Auch andere Länder müssten sich beteiligen.
Drohne beschädigte die Schutzhülle
Die Schutzhülle wurde Anfang des vergangenen Jahres durch einen Drohneneinschlag beschädigt. Die Kraftwerksleitung schätzt die Kosten für eine umfassende Sanierung auf rund 500 Millionen Euro. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer russischen Drohne.
Der Reaktor von Tschernobyl explodierte vor rund 40 Jahren bei einem außer Kontrolle geratenen Test. Der Unfall gilt als schwerster Atomunfall der Geschichte, bei dem radioaktive Stoffe weiträumig freigesetzt wurden. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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