Notschlachtungen in Baden-Württemberg: Futter wird knapp
- Es gibt nach Angaben des Landesbauernverbandes bereits erste Notschlachtungen.(Archiv)
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Baden-Württemberg. Für viele Viehhalter im Land wird die anhaltende Hitze zum akuten Betriebsrisiko, weil deutlich weniger Futter verfügbar ist. Nach Angaben des Landesbauernverbands Baden-Württemberg stehen den Höfen aktuell 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als üblich.
Auf vertrockneten Wiesen wächst kaum noch neue Biomasse nach. Vor allem Betrieben, die auf Gras und Heu angewiesen sind, fehlen damit wichtige Reserven für die nächsten Wochen. Nach Verbandsangaben werden in mehreren Regionen Tiere deshalb bereits frühzeitig zur Schlachtung gegeben.
Erste Folgen in mehreren Regionen
In Schwäbisch Hall und Umgebung gibt es laut Bauernverband schon Wartelisten bei Schlachthöfen. Ein Landwirt aus Crailsheim berichtet, er habe ältere Kühe und Tiere mit geringerer Zuchteignung bereits schlachten lassen. Sollte es bis zum Herbst nicht regnen, sei die Existenz des Betriebs bedroht.
Auch in Esslingen und im Kreis Reutlingen wurden nach Angaben des Verbands bereits bis zu 15 Prozent der Tierbestände verkauft. Besonders angespannt ist die Lage demnach auch in Rottweil, Tuttlingen, Tübingen und im Zollernalbkreis. Bleibt Regen weiter aus, könnten dort weitere Bestände abgebaut werden.
Winterreserven werden schon jetzt verfüttert
Viele Betriebe greifen nach Verbandsangaben bereits auf ihre Vorräte für den Winter zurück. Heu, Öhmd und Stroh sind kaum noch zu bekommen. Verfügbare Ware ist zudem deutlich teurer geworden. Der Bauernverband spricht von Preissteigerungen von rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Für viehhaltende Betriebe erhöht das den wirtschaftlichen Druck zusätzlich. Hohe Betriebsmittelkosten treffen auf niedrige Erzeugerpreise und gleichzeitig auf ausfallende Ernten.
Auch beim Mais gibt es hohe Verluste
Nachschub vom Feld ist in vielen Regionen kaum zu erwarten. Auf dem Grünland brachte der zweite Schnitt fast überall nur geringe Aufwüchse. Teilweise fielen auch der dritte und vierte Schnitt vollständig aus. Aus dem Kreis Reutlingen werden durchschnittliche Ertragseinbußen von rund 50 Prozent gemeldet.
Auch Mais leidet unter den hohen Temperaturen. Im Raum Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Rems werden nach Verbandsangaben teils 30 bis 50 Prozent weniger Ertrag erzielt. Hinzu kommen regional schwere Schäden durch Hagel und Unwetter. Teilweise müssen Bestände vorzeitig gehäckselt werden, obwohl Menge und Qualität als Futter nicht ausreichen. In einigen Regionen wird deshalb bereits Körnermais als Silomais genutzt.
Verband fordert schnelle Hilfen
Der Landesbauernverband verlangt deshalb rasche und unbürokratische Unterstützung von Bund und Land. Nach seiner Auffassung sollten stillgelegte Flächen aus den Öko-Regelungen kurzfristig für die Futternutzung freigegeben werden. Auch Bracheflächen sollten demnach für den Futteranbau genutzt werden dürfen.
Das Land hat nach eigenen Angaben ähnliche Entscheidungen in einem angekündigten Hilfspaket in Aussicht gestellt. Zudem fordert der Verband eine Aufstockung der für Deutschland vorgesehenen EU-Hilfen wegen hoher Düngemittelpreise von rund 60 auf 180 Millionen Euro. Auch bei den Energiekosten brauche die Landwirtschaft Entlastung, weil viele Arbeiten auf den Höfen und bei der Ernte auf Diesel angewiesen sind. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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