Niedrigwasser in Duisburg: Hafen zählt deutlich mehr Schiffe
- Wegen des extremen Niedrigwassers können Binnenschiffe auf dem Rhein derzeit nur einen Bruchteil der sonst üblichen Fracht transportieren.
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Duisburg. Lieferketten am Rhein bleiben durch das extreme Niedrigwasser angespannt, im Duisburger Binnenhafen laufen deshalb derzeit deutlich mehr Schiffe ein als üblich. Der Grund ist paradox: Weil die Frachter wegen der geringen Wassertiefe deutlich weniger laden können, müssen sie häufiger fahren und öfter umladen.
Nach Angaben von Hafenmeister Detlef Bours von der Duisburger Hafen AG steuern bei normalem Wasserstand etwa 280 bis 300 Schiffe pro Woche den Hafen an. Aktuell seien es in der Spitze 400 bis 450. Manche Schiffe kämen statt mit 3.000 Tonnen nur noch mit 300 Tonnen Ladung. Auch die Liegezeiten verkürzen sich stark. Statt 10, 12 oder 14 Stunden lägen manche Schiffe nur noch rund 2 Stunden, bevor das nächste Schiff komme.
Warum der Hafen trotz Niedrigwasser voller wird
Das Niedrigwasser sorgt nicht nur für mehr Fahrten, sondern auch für Engpässe an den Liegestellen. Einige Schiffe wollten laut Bours eigentlich weiter rheinaufwärts, etwa nach Köln-Godorf. Wegen der geringen Tiefe kommen sie aber nicht weiter und bleiben in Duisburg liegen. Das erschwert die Planung für Reedereien, Spediteure, Warenempfänger und den Hafen.
Die Kapazität ist begrenzt. Zwar gibt es im Hafen viele ansässige Firmen, frei verfügbare Liegeflächen sind aber knapp. Hinzu kommt, dass Binnenschiffe in den vergangenen Jahrzehnten deutlich größer geworden sind. Wo früher mehrere kleinere Schiffe lagen, belegt heute oft ein großes Schiff die Fläche.
Pegel Ruhrort fiel zeitweise auf 1,26 Meter
Eine zentrale Messstelle für die Schifffahrt in Duisburg ist der Pegel Ruhrort an einer wichtigen Hafeneinfahrt. Wichtig ist dabei: Der Wasserstand am Pegel ist nicht identisch mit der Fahrrinnentiefe. Der Pegelwert wird mit weiteren Daten verrechnet, damit Schiffe abschätzen können, wie viel Ladung noch möglich ist.
Normalerweise liegt der Pegel Ruhrort laut Bours bei drei bis fünf Metern. Beim früheren Extrem-Niedrigwasser fiel der Tagesdurchschnitt am 23. Oktober auf den bisherigen offiziellen Tiefstwert von 1,53 Metern. Nach vorläufigen Daten wurde dieser Wert nun zeitweise deutlich unterschritten: Am 17. August fiel der Pegel Ruhrort zeitweise auf 1,26 Meter. Ob daraus ein neuer offizieller Wert für das „Niedrigste Niedrigwasser“ wird, prüft das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein noch in einem längeren Verfahren.
Bei einem Pegelwert von 1,26 Meter war der Rhein am Pegel Ruhrort noch 1,79 Meter tief. Wegen eines vorgeschriebenen Sicherheitsabstands von 30 Zentimetern zum Flussboden durften Schiffe dort höchstens einen Tiefgang von 1,49 Meter haben. Nach Angaben von Bours liegen derzeit rund zehn Schiffe im Hafen, die weiterfahren würden, wenn es die Bedingungen zuließen. Es gehe um Zentimeter.
Folgen reichen bis Mannheim, Basel und Süddeutschland
Die Betreibergesellschaft des Duisburger Hafens bewertet die Lage als angespannt, sieht Duisburg aber vergleichsweise arbeitsfähig. Der Konzernbevollmächtigte Binnenschifffahrt, Joachim Holstein, sagt, der Hafen könne derzeit auch von großen Schiffen noch erreicht werden. Richtung Köln, Mannheim oder weiter nach Basel kämen viele Schiffe aber nicht mehr wie geplant voran.
Die Frachter können laut Holstein derzeit nur noch rund 20 Prozent der üblichen Ladung aufnehmen. An den Terminals wird Fracht deshalb umgeladen. Ein Teil kommt auf kleinere Schiffe, ein Teil auf die Bahn oder auf Lastwagen, um etwa weiter nach Süddeutschland transportiert zu werden. Umgekehrt gelangen Container, die sonst am Mittel- und Oberrhein auf Schiffe geladen würden, derzeit per Straße oder Zug nach Duisburg. Von dort gehen sie weiter in Richtung der Seehäfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam.
Der Rhein ist für den Güterverkehr in Deutschland besonders wichtig. Rund 80 Prozent des gesamten deutschen Binnenschiffsgüterverkehrs werden über den größten Fluss des Landes abgewickelt. Wenn der Wasserstand sinkt, betrifft das daher nicht nur Häfen, sondern auch Industrie, Handel und Lieferketten in mehreren Regionen.
Leichte Erholung erwartet, Niedrigwasser bleibt Thema
Wegen der Niederschläge rechnet Holstein zunächst mit einer leichten Erholung. Schiffe könnten dann wieder etwas mehr laden. Deutlichere Entspannung erwartet er eher in Richtung Ende September oder Anfang Oktober.
Für Sonntag, 23. August, rechnet das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein in Ruhrort mit einem möglichen Anstieg auf 1,70 Meter. Das läge 17 Zentimeter über dem bisherigen offiziellen Minusrekord. Dennoch ist die Niedrigwasserphase nach Einschätzung der Beteiligten noch nicht vorbei.
Politischen Handlungsbedarf sieht Holstein weiter beim Ausbau der Wasserstraßen. Die Vertiefung am Mittel- und Niederrhein müsse dringend umgesetzt werden. Auch die Förderung niedrigwasseroptimierter Schiffe solle fortgeführt werden. Das Ziel ist, die Binnenschifffahrt bei künftigen Niedrigwasserphasen belastbarer zu machen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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