Niedrigwasser am Oberrhein: Frachter laden deutlich weniger
- Blick aus dem Führerhaus über den Schiffsbug: Binnenschiffer Patrick Mnich steuert mit der GMS Kallisto über den Rhein.
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Oberrhein. Niedrige Pegel bremsen derzeit den Gütertransport auf dem Rhein im Südwesten deutlich aus. Nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Oberrhein sind die Wasserstände seit Anfang Juni vergleichsweise niedrig. Gründe sind fehlendes Schmelzwasser aus den Bergen und ausbleibender Regen. Eine kurzfristige Entspannung ist nicht in Sicht.
Für Binnenschiffer hat das direkte Folgen: Die Schiffe fahren langsamer und können nur einen Teil ihrer üblichen Ladung aufnehmen. Schiffsführer Patrick Mnich berichtet auf dem Weg rheinaufwärts nach Kehl, dass seine Schiffsschraube oft nicht genug Wasser habe, um Tempo zu machen. An manchen Stellen lägen nur noch 30 bis 40 Zentimeter zwischen Flussgrund und Schiff. Dann müsse er weiter abbremsen, damit das Schiff nicht aufsetzt.
Weniger Ladung, längere Fahrten
Mnich transportiert Maschinenteile für Windkraftanlagen, die er vor mehr als einer Woche in Magdeburg geladen hat. Am heutigen Montagmorgen, 17. August, ist er in Mannheim gestartet. Am Dienstag, 18. August, soll die Ladung in Kehl gelöscht werden. Schon jetzt ist klar, dass die Fahrt länger dauert als üblich. Für die Strecke rechnet er mit rund 14 Stunden.
Wie stark das Niedrigwasser die Schifffahrt trifft, zeigt die Auslastung seines Schiffes. Die GMS Kallisto kann eigentlich 1.570 Tonnen laden. Derzeit sind es laut Mnich nur 150 Tonnen. Statt sechs Maschinenteilen transportiert er nur drei. Aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium heißt es zudem, aktuell könnten Binnenschiffe am Rhein meist nur mit deutlich reduzierter Ladung fahren. Die maximale Auslastung liege derzeit bei etwa 20 Prozent.
Entscheidung liegt beim Schiffsführer
Eine feste Grenze, ab der Schiffe wegen Niedrigwassers nicht mehr fahren dürfen, gibt es laut Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt nicht. Ob ein Schiff fährt und wie viel es laden kann, entscheidet der Schiffsführer. Für die Branche bedeutet das tägliche Abwägung zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit.
Mnich kann mit seinem vergleichsweise leichten und flach liegenden Schiff noch fahren. Andere Schiffe trifft die Lage härter. Sein Bruder sitze mit einem größeren Schiff im Duisburger Hafen fest, berichtet er, weil es zu tief eintauchen würde. Zugleich rechnet Mnich damit, dass manche Schiffsführer bei weiter sinkenden Pegeln mehr Risiko eingehen könnten, um noch Fracht mitzunehmen.
Folgen für Unternehmen im Südwesten
Nach Einschätzung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts wird Transport mit sehr geringer Fracht irgendwann unwirtschaftlich. Unternehmen im Südwesten müssen deshalb nach Angaben des baden-württembergischen Verkehrsministeriums teils auf andere Verkehrsmittel ausweichen oder Waren zwischenlagern. Um die Folgen abzufedern, hat Baden-Württemberg inzwischen auch das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen aufgehoben.
Mnich sieht die Lage mit Sorge. Kurzfristig habe er noch Aufträge. Auf längere Sicht fürchte er aber um Kunden. Ein geplanter Auftrag für die kommende Woche in Aschaffenburg sei bereits storniert worden, weil dem Kunden die Lage zu unsicher sei. Seine Hoffnung ist deshalb vor allem mehr Wasser im Rhein, damit Verlader wieder stärker auf die Wasserstraße setzen. dpa/red
Autor:Cornelia Bauer aus Speyer |
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